Gesellschafts-Gerangel

17. Mai 2013 von Ralf Neumann

Eine kleine Geschichte:

Einst suchte das BMBF ein Forschungsfeld für eine großzügige strategische Förderung. Die Gesellschaft für Innere Medizin wollte das Thema „Hepatitis“ vorschlagen. Doch kaum wurde das bekannt, krähte schon die Gesellschaft für Virologie: „Moment mal, die Hepatitis-Viren gehören uns.“ „Na und“, giftet die Gesellschaft für Innere Medizin zurück, „für die Krankheit sind immer noch wir zuständig.“

„Nicht ganz, die Leber ist ja wohl zuerst einmal unser Terrain“, plusterte sich sogleich die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten auf. „Langsam, langsam“, drängelte daraufhin die Gesellschaft für Infektiologie herein, „da haben wir doch ein gehöriges Wörtchen mitzureden.“ „Und wir erst recht“, zischelte von hinten die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruserkrankungen.

In den nächsten Tagen zogen noch weitere Fachgesellschaften ins Feld, um „ihr Stück“ Hepatitis gegen die anderen zu verteidigen — unter anderem die Gesellschaft für Pharmakologie, die Deutsche Transplantationsgesellschaft und die Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie.

Wenige Monate später richtete das BMBF für viele, viele Millionen einen Schwerpunkt zur Nanotechnologie ein, deren Bedeutung die Deutsche Physikalische Gesellschaft als akzeptierte Dachorganisation ihres ganzen Fachs zuvor eindrucksvoll dargestellt hat — ohne jegliche Querschüsse. Die Biomediziner gingen leer aus.

Wie gesagt, eine Geschichte. Hat sich nie so abgespielt. Wie sollte sie auch?


Best of Science Cartoons (13)

15. Mai 2013 von Ralf Neumann

Eigentlich wollen wir Kreationismus und Intelligent Design ja keine Plattform bieten — aber den hier finden wir doch ziemlich gut:

(Von Cuyler Black via Inherit the Mirth

By the way: Schon der zweite Schneemann-Cartoon in dieser Reihe — siehe hier.

Nicht ganz ohne Mitte

13. Mai 2013 von Ralf Neumann

Grundsätzlich haben Mittelautorenschaften wie diese hier unten nicht den besten Ruf:

Zu meiner Doktorandenzeit gab es beispielsweise einen eher unscheinbaren Prof, der stand auf relativ vielen, bisweilen auch gut veröffentlichten Papers drauf — aber immer irgendwo im Niemandsland der Autorenliste. Auf einem meiner ersten Kongresse stieß mich dann ein Postoc an, deutete auf einen kleinen Mittfünfziger und flüsterte: “Das ist er. Hat irgendwann mit viel Glück diesen einen Antikörper gemacht, den jetzt alle gut brauchen können. Jetzt verteilt er ihn natürlich großzügig — und steht dafür auf jedem Paper mit drauf.”

Ja, es sind Geschichten wie diese, die auch unserem ehemaligen Kollegen Hubert Rehm im Zusammenhang mit Mittelautoren immer wieder den süffisanten Spruch entlockten: “Das ist dann wohl der, der die Ratte gehalten hat.”

Mittelautoren werden folglich allenfalls “niedere” Beiträge zugeschrieben — und das oftmals ziemlich pauschal, ob zu Recht oder nicht. 

Vor kurzem präsentierte jedoch ein Kommentar im Blog DrugMonkey einen völlig neuen, positiveren Blickwinkel auf Mittelautorschaften. Diesen Beitrag weiterlesen »

Stahlkanal

11. Mai 2013 von Ralf Neumann

Francis Crick schnitt 1953 die Basenformen für das berühmte DNA-Doppelhelix-Modell noch aus Pappe aus. Mike Tyka, Postdoc an der University of Washington in Seattle, biegt dagegen dreidimensionale Protein-Bändermodelle aus Metallen — wie etwa hier den nahezu ubiquitären KscA-Kaliumkanal aus Kupfer und Stahl:

(Auf seinem Blog Beautiful Proteins stellte Mike Tyka zumindest bis März 2012 seine ganz persönlichen “Proteinschönheiten” vor.)

Wachsweiche Zitierzahlen

8. Mai 2013 von Ralf Neumann

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. C.H. Eck, Ordinologisches Institut TU Prüftal.

LJ: Frau Professor Eck, Sie scheinen amüsiert. Falls es so ist — darf ich fragen, worüber Sie sich amüsieren? 

Eck: Über Zitate.

LJ: Ach ja? Aber Zitierungen sind doch ein ernstes Geschäft in der heutigen Wissenschaft. Was ist denn passiert?

Eck: Ich habe mir mal sämtliche Paper genauer angeschaut, die einen gewissen Artikel von mir zitieren.

LJ: Was heißt “genauer angeschaut”?

Eck: Das heißt, ich habe nachgesehen, in welchem Zusammenhang sie mein Paper zitieren. Und ob das gerechtfertigt ist oder nicht, ob richtig oder falsch,…

LJ: Interessant. Und was kam raus, dass es Ihnen dieses süffisante Lächeln auf Ihr Gesicht zaubert?

Eck: Mein Artikel wurde laut Google Scholar 32-mal zitiert. Ich selbst sehe es jedoch in nur 60 Prozent der Fälle als tatsächlich passend und gerechtfertigt an, dass und wie ich in dem jeweiligen Paper zitiert wurde. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wir backen uns eine Zelle…

6. Mai 2013 von Ralf Neumann

… — und das könnte dabei herauskommen:

(Von Nicole William /deviantArt.)

Tierversuchsanträge — sinnvoll oder übertrieben?

2. Mai 2013 von Ralf Neumann

Neulich klingelte das Telefon in der Laborjournal-Redaktion. Sicher, das passiert ziemlich oft — in diesem speziellen Fall jedoch kam der Anrufer ohne Umschweife zur Sache (was wiederum nicht ganz so oft passiert):

“Ihr müsst unbedingt mal was über Tierversuchsanträge machen. Da steckt eine dermaßen aufgeblasene Bürokratie dahinter, die zudem teilweise von ziemlich selbstherrlich agierenden Tierschutzbeauftragten verwaltet wird — das ist insgesamt sowas von forschungsfeindlich. Das würden bestimmt jede Menge Leute unterschrieben, die damit zu tun hatten.”

“Okay”, antwortete unser Redakteur, “können Sie mir mal ein Beispiel geben? Nur damit das Ganze für mich etwas anschaulicher wird.” Diesen Beitrag weiterlesen »

Journal Covers, etwas anders (4)

29. April 2013 von Ralf Neumann

Titelblatt von Cell, vol. 153(1); 28. März 2013:

Dazu heißt es:

The kind of food an organism consumes has a broad reaching impact on its development, behavior, and lifespan. In this issue, two papers, MacNeil et al. (pp. 240–252) and Watson et al. (pp. 253–266), explore the effects of diet on these life-history traits in the nematode C. elegans. Combining nutrigenomics and network analyses, they find that different diets affect traits via distinct mechanisms. The response to diet is coupled to metabolic changes, and disruptions of some of these specific metabolic pathways correspond to inborn errors of metabolism in humans. The cover features a “native-art-inspired abstraction” of a worm eating a bacterial diet and illustrates the interconnectedness between diet, nuclear gene regulatory networks, mitochondrial networks, and their effects on life-history traits such as development and brood size.

Cover art by Lesley T. MacNeil.

This Is Evolution…

25. April 2013 von Ralf Neumann

Der Song “Thrift Shop” von Macklemore & Ryan Lewis scheint besonders beliebt für Musikvideo-Parodien mit biowissenschaftlichen Inhalten. Nach dem Citrat-Zyklus (siehe Post vom 5. April) ist jetzt die Evolution dran:

(Von HJoo7a)

Kleine Lügen

22. April 2013 von Ralf Neumann

Jedes Paper enthält kleine Lügen. Ohne Ausnahme, da wetten wir.

Nehmen wir ein typisches Paper. Das liest sich — ohne die jeweils spezifischen Details — etwa nach folgendem Muster:

„Wir wollten wissen, ob [...] Dazu gab es bereits diese und jene Beobachtung [...] Wir folgerten daher, dass [...] Um dies zu testen, führten wir zunächst das Experiment durch, dessen Ergebnisse in Abbildung 1 zusammengefasst sind [...] Aufgrund dieser Daten vermuteten wir weiter, dass [...] Die Ergebnisse der Experimente in den Abbildungen 2 und 3 erhärteten diesen Verdacht [...] Da zudem Kollege Müller vor einiger Zeit XYZ beobachtete, lag nun nahe, dass Faktor A diesen Effekt vermittelt [...] Wir verifizierten diese Annahme anschließend in den Experimenten der Abbildungen 4 und 5 [...] Um die Beteiligung von A und damit den gesamten Mechanismus abzusichern, entwarfen wir schließlich das Experiment in Abbildung 6, welches den Mechanismus nochmals bestätigt [...] Damit zeigen die Daten insgesamt klar, dass [...] Abschließend schlagen wir angesichts dieser Erkenntnisse daher vor, dass [...]“

Klingt nach einer guten Story, oder? Diesen Beitrag weiterlesen »

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