Noch ein Kalender: Alpen-Schmetterlinge 2015

18. Dezember 2014 von Winfried Köppelle

Das Jahr ist beinahe rum, und wer in Sachen Weihnachtsgeschenke bislang nicht fündig geworden ist, sollte mal einen Blick ins aktuelle Laborjournal (Ausgabe 12/2014) werfen. Auf Seite 63 werden acht großformatige Wandkalender sowie ein Tischaufstellkalender im DIN A5-Format, jeweils mit naturwissenschaftlichem Bezug und herrlichen Bildern, vorgestellt.

Und wer selbst dort nicht fündig wurde, dem gefällt ja vielleicht die nebenstehende, mit Alpen-Schmetterlinge 2015 betitelte Wanddekoration? Diesen Beitrag weiterlesen »

Journal Covers, mal anders (11)

16. Dezember 2014 von Ralf Neumann

Es ist ja schön, dass die Titelblatt-Gestalter biomedizinischer Fachzeitschriften in letzter Zeit immer wieder mal was Anderes, “Frischeres” versuchen. Ob es allerdings hilfreich ist, sie so zu verpacken, als könnten Zeitschriftenhändler sie ebenso gut in der Comic-Abteilung einordnen? Die jüngsten Titelbilder der Cell Press-Organe Immunity und Cancer Cell würden dort jedenfalls kaum auffallen:

 

Titelbild Immunity 51(5) (Erklärung hier)

 

Titelbild Cancer Cell 26(6) (Erklärung hier)

xx

Vorteil Videospieler

12. Dezember 2014 von Ralf Neumann

Es war wie eigentlich immer. Der LJ-Redakteur ging abends hinauf in das Zimmer seines Sohnes, um mit ihm nochmal die Grammatik für die anstehende Englisch-Arbeit durchzugehen. “Moment noch”, sagte dieser ohne vom Monitor wegzuschauen. “Muss das Spiel noch fertig machen, meine Verbündeten killen mich sonst.”

“Das Spiel” war eines dieser wild flimmernden Fantasy-Schlachten-Getümmel, mit “den Verbündeten” war er über Headset online vernetzt. Der LJ-Redakteur setzte sich also seufzend auf’s Sofa — und dachte natürlich zum x-ten Mal, dass er die “Flimmer-Spielzeit” seines Sohnes womöglich doch mal einschränken sollte. Auch wenn dessen Spiel keineswegs brutal, aggressiv oder irgendwie moralisch bedenklich war – in dem Ausmaß kann diese Art von Spielerei doch nicht gesund sein.

Am nächsten Tag lernte der LJ-Redakteur jedoch, dass man das nicht so pauschal sagen sollte. Denn beim Screenen der neusten Neuigkeiten aus der deutschen Life-Science-Forschung sprang ihn folgende Meldung des Tübinger Hertie-Instituts für Hirnforschung förmlich an: „Mehr als schnelle Reflexe: Videospieler punkten mit Effizienz und Selbstkontrolle“. Diesen Beitrag weiterlesen »

Koffein für Kopfarbeiter

9. Dezember 2014 von Ralf Neumann

Was haben Laborforscher und Redakteure gemeinsam? Durchschnittlich etwa sechs Tassen Kaffe am Tag.

Der LJ-Redakteur kennt beide Seiten aus eigener Erfahrung — und weiß sich voll im Mittel. Als er selbst noch Forscher war — und das war er immerhin acht Jahre seines Lebens —, führten ihn die etwas längeren Zentrifugations- oder Inkubationspausen täglich mehrmals in die Kaffeeküche des Instituts (heute oft „Sozialraum” genannt). Stets fand er dort zwei bis fünf Kolleginnen und Kollegen zum lockeren Plausch. Und auf der Heizplatte dampfte eine Kanne Filterkaffee — mal mehr, mal weniger voll; mal frisch, mal eher konzentriert.

Als Redakteur ist der LJ-Mann inzwischen älter geworden. Das Einkommen ist glücklicherweise gestiegen (was gegenüber einstmals BAT IIa/2 und anschließendem DFG-Postdoc-Stipendium auch nicht besonders schwer war) — und gleichsam auch die Ansprüche: Zu Hause gibt’s jetzt Latte Macchiato zum Frühstück, und in der Redaktion steht eine teure Schweizer Maschine, stets bereit auf Knopfdruck edle Espressobohnen frisch zu mahlen und zu einer nachgewiesenermaßen Magen-freundlicheren Kaffee-Variante zu verarbeiten. Auch hier liegt der LJ-Redakteur also voll im Schnitt.

Warum aber trinken diese beiden besonderen Spezies Mensch so fleißig diesen bitteren Stoff? Diesen Beitrag weiterlesen »

Was können wir besser machen im nächsten Jahr?

1. Dezember 2014 von Ralf Neumann

Die Laborjournal-Redaktion zieht sich ab heute einige Tage zur Klausur zurück, um das alte Jahr zu bilanzieren — vor allem aber, um das neue zu planen.

Von daher auch die Fragen an unsere Leser:

  • Worüber sollen wir im nächsten Jahr unbedingt schreiben?
  • Welchen Unsitten / Skandalen / Fehlentwicklungen nachgehen?
  • Welche alten Serien / Rubriken / Kolumnen sollten wir lieber mal aussetzen?
  • Welche Serien / Rubriken / Kolumnen sollten dagegen auf keinen Fall aufhören?
  • Was sollten wir online bzw. “Souschel-Miiidia-mäßig” aufgreifen / sein lassen / verbessern?
  • Was stört schon lange, kommt aber immer weiter und weiter?
  • Welche wichtigen Themen haben wir bislang total ignoriert bzw. vergessen?

Also überhaupt: Was stört, was fehlt, was gefällt — und worauf sind wir selbst bisher noch nicht gekommen?

Schreibt uns Eure Vorschläge, Kritik, Ideen, Anregungen (unten per Kommentar oder E-Mail an redaktion@laborjournal.de) — damit Laborjournal noch stärker als bisher zum “Magazin von Forschern für Forscher” wird.

Nach Leistung fördern! Aber wie Leistung messen?

27. November 2014 von Ralf Neumann

Bekanntlich kommen die medizinischen Fakultäten an deutschen Universitäten in den Genuss einer leistungsorientierten Verteilung von Landesforschungsmitteln. Klar, dass die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) diese Praxis niemals grundsätzlich in Frage stellen würde. Ein wenig Kritik übte sie jetzt aber schon.

“600 Mio. Forschungsgelder pro Jahr fehlverteilt?” überschrieb die AWMF kürzlich eine Pressemitteilung. Und führte dann im Vorspann weiter aus:

AWMF fordert sachgerechte Zuweisung von Landesmitteln: Über 600 Mio. Euro an Forschungsgeldern aus Landeszuschüssen werden jedes Jahr an den medizinischen Fakultäten nach wissenschaftlich nicht ausreichend validen Leistungskriterien vergeben.

Anlass der Pressemitteilung — so stellte sich heraus — war die Delegiertenkonferenz der AWMF am 15. November in Frankfurt, bei der offensichtlich Christoph Herrmann-Lingen, Direktor an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Göttingen, als Sprecher der AWMF-Kommission für Leistungsevaluation in Forschung und Lehre zum Thema referierte.

Wie die AWMF jedoch darauf kommt, dass ausgerechnet 600 Mio. Euro fehlverteilt würden, erklärt sie zumindest in der Pressemitteilung nicht. Ebenso wenig verliert sie ein Wort darüber, wie gravierend die Fehlverteilungen tatsächlich sind — wurde größtenteils “krass” fehlverteilt, oder hauptsächlich “nur ein bisschen”. Schade, das wäre interessant gewesen!

Stattdessen springt der Text ohne Differentialdiagnose unmittelbar weiter zu möglichen Therapien: Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitat des Monats (23)

21. November 2014 von Ralf Neumann

Wie erwirbt man sich einen wahrhaft guten Ruf als Wissenschaftler? 1985 bemerkte der US-Physiker und Nobelpreisträger  Richard Feynman vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasaden dazu in seinem Buch ”Surely You’re Joking, Mr. Feynman!“:

We’ve learned from experience that the truth will come out. Other experimenters will repeat your experiment and find out whether you were wrong or right. Nature’s phenomena will agree or they’ll disagree with your theory. And, although you may gain some temporary fame and excitement, you will not gain a good reputation as a scientist if you haven’t tried to be very careful in this kind of work. And it’s this type of integrity, this kind of care not to fool yourself, that is missing to a large extent in much of the research in cargo cult science.

Den Begriff “Cargo Cult Science” hatte Feynman selbst in einer Rede vor dem Caltech-Abschlussjahrgang 1974 eingeführt. Er steht im Wesentlichen für Arbeiten und Aktivitäten, die durch einen hohen Symbolgehalt zwar nach toller Wissenschaft aussehen, tatsächlich aber nur wenig realen wissenschaftlichen Nutzwert haben. Feynman meinte damit zunächst gar nicht mal vorrangig pseudowissenschaftliche Strömungen (dafür wurde er später auch eingesetzt), sondern zielte vielmehr auf Vorgehensweisen im Wissenschaftsbetrieb ab, die zwar formale Kriterien erfüllen, denen es jedoch an wissenschaftlicher Integrität mangelt. Laut Feynman ist für jeden die Gefahr gegeben, zum “Cargo Cult Scientist” abzusteigen — insbesondere durch die vielen Versuchungen zur Selbsttäuschung. Um dem nachhaltig entgegen zu wirken, müssten Wissenschaftler immer bereit sein, ihre eigenen Theorien und Resultate in Frage zu stellen — und sie im gegebenen Fall selbstlos über Bord zu werfen.

Trifft ein Seebär einen Pinguin

19. November 2014 von Ralf Neumann

Unser Autor Leonid Schneider hat schon wieder ein frisches Paper gefunden, das ihn ganz besonders beschäftigte. In dessen Zentrum: Notgeile Jung-Seebären, die sich an Königspinguinen vergreifen.
xxxxxx

Im Dezember 2006, mitten in antarktischen Sommer, beobachtete der Biologe Nico de Bruyn von der Universität von Pretoria das Paarungsverhalten der See-Elefanten auf der südafrikanischen Marion-Insel. Diese Polarinsel, die auf auf halbem Weg zur Antarktis liegt, bewohnen auch andere Robben, wie etwa Seebären, sowie zahlreiche Meeresvögel, darunter auch Königspinguine — insbesondere wegen der guten Bedingungen für Paarungen und Brutaufzucht. De Bruyn und seine Kollegen waren bei ihrem Routineeinsatz darauf gefasst, einiges zu erleben: blutige und oft tödlichen Revierkämpfe der riesigen See-Elefanten-Männchen; vor allem aber die gewalttätigen Paarungen, bei denen die viel kleineren Weibchen nicht selten zerquetscht werden — was diese natürlich wiederum mit allen möglichen Tricks zu vermeiden versuchen.

 

 

Am Ende waren es aber nicht die See-Elefanten, die ihnen am Strand der Marion-Insel den Atem verschlugen. Dies schaffte vielmehr ein junger männlicher Seebär, über hundert Kilo schwer, der über einen fast zehnmal leichteren Königspinguin unbekannten Geschlechts herfiel. Diesen Beitrag weiterlesen »

Unser täglich Brot gib uns heute…

14. November 2014 von Ralf Neumann
 
Wie wirken Ökologie und Religion zusammen? Ein neues Paper sagt: Vielleicht stärker, als man bislang dachte. Gedanken dazu von unserem Autor Leonid Schneider.
xxxxxx

Unser Planet bietet die verschiedensten klimatischen Zonen. Fast alle wurden von Menschen besiedelt. Alle diese verschiedenen menschlichen Gesellschaften entwickelten nachfolgend ihre eigenen Kulturen und Sozialstrukturen — aber auch ihre eigenen Religionen. Unter sämtlichen diversen Glaubensvorstellungen gibt es viele, die das individuelle Verhalten sanktionieren und die Regeln des Zusammenlebens festlegen. Fachleute bezeichnen sie als „moralisierend“. Warum aber haben Menschen an manchen Orten der Erde sich solche strengen, moralisierenden Götter als Autoritäten zugelegt, während die Götter anderer Kulturen sich eher selten vorschreibend ins Privatleben ihrer Gläubigen einmischten? Kurzum, warum war der alttestamentarische Gott ein paranoider mordlustiger Kontrollfreak, während die alten Griechen gewissermaßen beim Bankett mit ihren lebenslustigen Göttern mitbechern konnten?

Unter Fachleuten ist offenbar umstritten, ob das Aufkommen der organisierten Religionen durch gesellschaftlich-kulturelle Veränderungen, wie Siedlungswachstum und Aufkommen der Landwirtschaft, oder durch die in der jeweiligen Region vorherrschenden besonderen Umwelt- und Klimabedingungen zu erklären ist. Eine neue Studie, kürzlich in PNAS erschienen (publ. onl. 10. Nov. 2014), geht nun dieser Frage nach der Entstehung der moralisierenden Religionen unter Einbeziehung der jeweiligen ökologischen Umweltbedingungen nach (Medienberichte hier und hier). Diesen Beitrag weiterlesen »

Best of Science Cartoons (31)

10. November 2014 von Ralf Neumann

(Von rmay via toonpool.com)



banner