Wer evaluiert die Forschungsförderer?

31. Oktober 2014 von Ralf Neumann

(Hin und wieder stöbern wir in unseren eigenen alten Ausgaben — und stoßen dabei bisweilen auf zeitlose “Perlen”, die das Gros unserer heutigen Leser nicht kennt. Zum Beispiel der folgende Beitrag aus dem Jahr 2000:)

“Wer evaluieren will, muss sich auch evaluieren lassen

Unis, Professoren, Disziplinen — alle werden mannigfach evaluiert. Außer den Forschungsförderern. Warum die eigentlich nicht?

Rationales Vorgehen ist nicht jedermanns Sache — das gilt leider auch für einige Wissenschaftler. Ein Beispiel: Auf einen Bericht der Zeitschrift Nature über Mängel in der Förderpraxis der DFG hin fühlten sich einige langjährige Drittmittelempfänger berufen, mit einer E-Mail-Kettenbrief-Keule auf die Zeitschrift einzudreschen (vgl. LJ 5/2000, S. 18). Vielleicht verklagen die Herren auch den Netzgeräte-Hersteller, wenn auf dem Gel nicht die richtigen Banden zu sehen sind? Spaß beiseite: Die Mitarbeiter und Gutachter der DFG oder des BMBF sollten dankbar für derartige Berichte sein. Sie kennen ja die Probleme des Hochschullehrer-Nachwuchses nicht aus eigener Erfahrung. Sie sollten Berichte aus der „Unterwelt“ als wertvollen Hinweis betrachten. Genau wie der Forscher jene ärgerliche zusätzliche Bande auf dem Gel akzeptieren muss, die einfach nicht wegzureinigen ist — und sich dann als essentieller Kofaktor erweist.

Methoden wie im Mittelalter

Wie geht man Probleme rational an? Es gibt eine alte Regel, die schon die Römer kannten, vermutlich sogar schon die Neandertaler: Man macht sich zuerst ein Bild über die Lage, dann erst trifft man Entscheidungen. Hier: man sammelt zuerst Daten. Auch Firmen ermitteln zuerst, wo der Markt ist und was die Zielgruppe braucht — vorher wird nicht investiert.

Wie aber packen unsere Forschungsförderer die Probleme an? Diesen Beitrag weiterlesen »

Der sanfte Homo sapiens

28. Oktober 2014 von Kommentar per Email

Schuldet der moderne Mensch viele seiner Eigenschaften einer evolutionären “Verweiblichung” durch Selbstdomestikation? Unser Autor Leonid Schneider mit einem Kongessbericht aus “dritter Hand” zum Thema.

Jede menschliche Kultur betont die Sonderstellung unserer Spezies im Vergleich zu den anderen „wilden Bestien da draußen“ — oftmals geradezu zwanghaft. Denn, anders als es wilden Tieren wie etwa den Wölfen unterstellt wird, gehen wir ja nicht dauernd mit Zähnen und Klauen aufeinander los. Psychologen bezeichnen diese gruppeninterne Aggression als „reaktiv“. Damit wären wir eher den von Wölfen abstammenden und durch Domestikation friedlich gewordenen Hunden ähnlich.

Wie Science berichtet, wurde genau diese Theorie gerade erst auf dem Symposium „Domestication and Human Evolution“ am Salk Institute in Kalifornien frisch diskutiert. Wissenschaftler unterschiedlicher Fachbereiche hatten sich dort unter anderem getroffen, um ihre Daten und Meinungen zu der Theorie zusammenzutragen, dass die Vorfahren des Homo sapiens sich im Laufe ihrer Evolution selbst domestiziert hätten. Dies hätte dann nicht nur unser Verhalten, sondern auch unser Aussehen verändert. Und nicht zuletzt hätte das friedliche Sozialleben der immer größer werdenden Gemeinschaften von Frühmenschen auch das entwicklungsbiologische und genetische Make-up des modernen Menschen mitgeprägt. Diesen Beitrag weiterlesen »

♪♫… Die Geschichte eines Postdocs … ♫♪…

16. Oktober 2014 von Ralf Neumann

Zwar schon eine ganze Weile her — aber wir schulden Euch noch den Gewinner des Lab Grammy Award 2014:

“The tale of a Post Doc”

Eine Parodie auf “Bohemian Rhapsody” von Queen, realisiert von James Clark et al.,  King’s College London.

Zitat des Monats (22)

10. Oktober 2014 von Ralf Neumann

Gerade stolperten wir (hier) mal wieder über diesen “Klassiker” aus dem 50 Jahre alten Artikel “Is the scientific paper fraudulent?” des britischen Immunologen und Nobelpresiträgers Peter Medawar:

The scientific paper is a fraud in the sense that it does give a totally misleading narrative of the processes of thought that go into the making of scientific discoveries.

Gilt heute vielleicht sogar mehr denn je…

(Siehe dazu auch unseren Blog-Eintrag “Kleine Lügen” vom 22. April 2013)

(Illustration: cranach / iStockphoto)

Best of Science Cartoons (30)

8. Oktober 2014 von Ralf Neumann

Fand ein Einzeller ein Stückchen DNA…

Von Pedro Veliça via deviantART

Reviewer No. 3

2. Oktober 2014 von Ralf Neumann

Während einer Recherche zum Thema Peer Review folgende nette Geschichte gehört:

Professor X erinnerte sich, wie er seinerzeit als Doktorand sein allererstes Manuskript abgeschickt hatte und nun aufgeregt auf den Bescheid des Journals wartete. Er kam schließlich mit drei Reviews. Zwei waren positiv, wenn auch mit einigen Änderungswünschen — Review No. 3 dagegen war ein Schlag in die Magengrube. Dass der Gutachter das Paper inhaltlich in tausend Fetzen zerriss, war das eine. Dazu kam das Wie. Reviewer No. 3 präsentierte seine Kritik in einem derart herablassend-aggressiven Ton, dass Jung-X zunächst einmal förmlich die Luft wegblieb. Es wimmelte darin geradezu vor Vokabeln wie “naiv”, “trivial”, “unangemessen”, “unvollständig”, “verirrt”, “Fehlschluss”, “schlampig”, “lächerlich”,…

Als er sich schließlich halbwegs von dem Schock erholt hatte, stieg Zorn in ihm hoch — und er begann, sich “das Arschloch” vorzustellen. “Sicher so ein frustrierter alter Sack, kurz vor der Pensionierung”, dachte X. “Ein ergrautes, faltiges Alphatier, das Spaß daran hat, den Jungen nochmal so richtig zu zeigen, wo der Hammer hängt. Der ansonsten aber gerade darüber verbittert, dass seine Zeit nun endgültig bald vorbei ist. Da kommt ihm ein Manuskript von so einem kleinen Würstchen wie mir natürlich gerade recht, um all den Frust und die Verbitterung unerkannt, aber wirksam rauszulassen.”

X fand nie heraus, wer tatsächlich dieser “Reviewer No. 3″ war. Allerdings wurde er später selbst Editor und Chief Editor bei mehreren Zeitschriften. Und da gingen natürlich jede Menge weiterer solcher “Reviewer No. 3″-Gutachten über seinen Tisch. Nicht dass er gezielt danach geschaut hatte, aber irgendwann fiel ihm dabei auf, dass die meisten dieser ”Reviewer No. 3″-Gutachten eben nicht von bärbeißigen alten Platzhirschen verfasst waren. Ganz im Gegenteil, vielmehr stammten sie auffallend oft aus den Federn junger Senior-Postdocs oder Nachwuchsgruppenleiter.

Gefragt, ob X dafür irgendeine Erklärung habe, antwortete er: “Ich glaube, es kommt von der Unerfahrenheit und Unsicherheit. Die Leute kriegen teilweise ihr erstes Manuskript auf den Tisch — und haben vorher nirgendwo lernen können, wie man einen Review eigentlich macht. Da wollen sie natürlich keinen Fehler machen, um Himmels willen nichts Wichtiges übersehen oder vergessen. Ebenso möchten sie natürlich nicht als “zu sanft” oder unkritisch erscheinen. Und in dem Zwang, all dies vor allem sich selbst beweisen zu müssen, verlieren sie irgendwann das rechte Maß — und schießen am Ende über das Ziel hinaus…”

Also eher junge aufgeregte Kläffer als bärbeißige graue Platzhirsche.

Alter Schwede, die Nobelpreise stehen schon wieder vor der Tür

30. September 2014 von Ralf Neumann

Ende September. Der Urlaub ist schon eine Weile vorbei, der Rest der semesterfreien Zeit mit Tagungen und Kongressen vollgestopft — und wie jedes Jahr um diese Zeit sieht man den ein oder anderen Forscher bereits unruhig werden. Unauffällig stocken sie den Sektvorrat im Kühlraum auf und erkundigen sich beiläufig schon mal nach dem besten Partyservice der Stadt. Man kann ja nie wissen, ob etwa am 6. oder 8. Oktober nicht plötzlich das Telefon klingelt und vööööööllig unerwartet jemand aus Stockholm am anderen Ende ist…

Richtig, die diesjährigen Nobelpreise stehen wieder an — am 6. Oktober der für Medizin/Physiologie, zwei Tage später der für Chemie. Und wenn es zugegebenermaßen auch nur wenige sind, die aufgrund berechtigter Hoffnungen nervös werden, so kann sich dennoch kaum eine Forscherin X oder ein Forscher Y dem ganzen Nobelpreis-Treiben entziehen. Denn ist man vielleicht auch selbst (noch) nicht preiswürdig, so hält man sich doch wenigstens für kompetent. Und weil man dies meint, hat auch jede und jeder seine persönlichen Favoriten.

Auch wir von der Laborjournal-Redaktion lassen uns natürlich nicht lumpen und spekulieren ein wenig mit:

Wie funktionieren Forscher?

26. September 2014 von Ralf Neumann

Watson und Crick haben Spaß mit ihrem Spielzeug.

Seit mindestens zwei Jahrzehnten scheint die Wissenschaftspolitiker in unserer ökonomisierten Welt vor allem eine Frage umzutreiben: Wie kriegen wir am meisten raus aus unseren Forschern?

Und tatsächlich versuchten sie ja so auch einiges an den Drehschrauben des „Systems“. „Mehr Wettbewerb“ war beispielsweise eine Formel — und man schuf damit… mehr Bürokratie.

„Stärkere Vernetzung“ war eine weitere. Was man bekam, war jedoch, dass die Brillanten mit vielen Mittelmäßigen gleichgeschaltet wurden und ihre Zeit und Energie in unzähligen ergebnisarmen Koordinationstreffen vertrödeln mussten.

„Stärkere Konzentration auf Zukunftsthemen“ war auch ein beliebtes Rezept. Was man bekam, waren Schlagworte und Um-Etikettierungen. Der Wurm-Genetiker machte plötzlich „Molekulare Medizin“; und der Membranbiochemiker studierte weiterhin denselben Bindekomplex, nur nannte er es jetzt „Proteomik“.

Und sogar die Architektur wurde bisweilen bemüht, weil doch angeblich in hellen und luftigen Labors die Gedanken besonders hoch fliegen.

Doch hat sich bei alledem eigentlich mal jemand gefragt, wie gute Forscher als Menschen sind und was sie wirklich am meisten wollen. Sicher, man kann sie kaum über einen Kamm scheren — aber wenigstens zeigt die Wissenschaftsgeschichte doch einige Tendenzen:

Gute Forscher sind getrieben von einer bohrenden Neugierde, die sich trotz aller analytischen Sachlichkeit oftmals mit nahezu naiver Fröhlichkeit und ungehemmtem — ja, man kann sagen — Spieltrieb Bahn bricht. Was über die notwendigsten Bedürfnisse des täglichen Lebens hinausgeht, steht dahinter klar zurück — weshalb der Forscher in aller Regel zur anspruchslosesten Subspezies des Homo sapiens überhaupt gehört.

Für sich selbst braucht der Forscher folglich kaum Geld (wohl aber für die Realisierung der Projekte zur Befriedigung seiner Neugier). Weitaus wichtiger ist ihnen hingegen ihre Unabhängigkeit, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor — Albert Einstein, Francis Crick oder Sydney Brenner sind gute Beispiele. Und wie oft umgibt ihre brillanten Ideen eine Aura von Leichtigkeit — beispielsweise die Modellbasteleien von Watson und Crick, oder Kary Mullis’ PCR-Geistesblitz während einer langen Autofahrt durch grandiose Landschaften.

Fröhliche Neugier, Unabhängigkeit, Spieltrieb, Humor, Spaß und Leichtigkeit also. Man hat den Eindruck, dass die Verdrehungen des Systems den Forschern zuletzt all dies eher genommen haben.

Hundehaufen erweisen Ig-Nobel-Preis und Altmetrics einen Bärendienst

23. September 2014 von Ralf Neumann

Sie heißen hierzulande “Spaß-Nobelpreise” und wurden Ende letzter Woche wieder verliehen: die Ig-Nobel-Preise. Eine Gelegenheit, die auch unser Autor Hans Zauner umgehend zu einem Plädoyer für die skurrile Seite der Wissenschaft nutzte — siehe Laborjournal online-Editorial vom 21.9.2014.

Auch der Gewinner des Biologie-Ig-Nobels dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein: Die wahrlich skurrile Studie eines Teams um den Zoologen Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen zum vermeintlichen Magnetsinn von Hunden. Einen solchen Magnetsinn hatten Burda und Co. bereits seit vielen Jahren in vielen anderen großen Tieren zu zeigen versucht — zum Teil in Studien, die gar nicht mal viel weniger skurril waren als die jetzt preisgekrönte Hunde-Studie. Vom Magnetfeld der Erde sollte demnach tierisches Orientierungsverhalten gesteuert sein, wie etwa:

Den (Spaß-)Vogel schoss jetzt jedoch besagte Hundestudie ab, in der Burda et al. proklamieren, dass Hunde sich signifikant häufiger mit Längsachse in Nord-Süd-Richtung erleichtern als beliebig ausgerichtet — egal ob “fest” oder “flüssig”. Klar, dass die Ig-Nobel-Jury daran einfach nicht vorbei konnte — und folglich verschaffte sie Burdas Hundescheiße ein weiteren Höhenflug an weltweiter Aufmerksamkeit. Diesen Beitrag weiterlesen »

ChromoSocken…

16. September 2014 von Ralf Neumann

(Von Gina Glover)

Sollte man vielleicht mal dem ein oder anderen Bio-Lehrer empfehlen: “So Leute, morgen bringt jeder ein paar bunte Socken mit — dann machen wir Karyotypen.”

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