„Die Einstellung zur Arbeit ist eine andere“

27. April 2022 von Laborjournal

Aus unserer Reihe „Gut gesagt!“ zum Thema „Arbeitseinstellung in der hiesigen und der US-Wissenschaft“:

 

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[…] Die Leute dort sind wirklich an Wissenschaft interessiert, die sind interessiert an dem, was sie und auch was die anderen machen, und man redet darüber. Das ergibt ein unglaublich lebendiges Klima. Das Maß an Engagement, das die Leute da beruflich haben – und das gilt nicht nur für die Wissenschaftler – das ist wirklich großartig. […]  Die Tradition ist hier schon ganz anders. Die ganze Philosophie, dass das Leben zerfällt in das berufliche Leben und das sogenannte Privatleben, das sieht man in Amerika nicht so. Das ist nicht so eine Urlaubsgesellschaft. Die Einstellung zur Arbeit ist eine andere. Weil die Leute alle meinen, sie müssten es irgendwie selbst schaffen. Das hat natürlich auch Kehrseiten, man verliert leicht seinen Job, und die Leute können sich Urlaub oft gar nicht leisten. Aber man klagt dort nicht, was ja in Europa Teil der Kultur ist. In Amerika schaut man eher, wie man es irgendwie besser machen kann. […]

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… Sagte der 2001 emeritierte Kölner Genetik-Professor Klaus Rajewsky in Laborjournal 3/2012  („Verhandlungssache: Emeriti – Forschen oder Ruhestand?“, S. 23-25). Damals war er gerade wieder nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem er als Emeritus weitere zehn Jahre an der US-amerikanischen Harvard University geforscht hatte.

Corona und der Wert des Peer Review

30. März 2022 von Laborjournal

Aus unserer Reihe „Gut gesagt!“ zum Thema Corona-Pandemie und Peer Review:

 

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[…] Wie replizierbar werden die Forschungsergebnisse zu COVID-19 sein? Das wissen wir noch nicht, aber eine Erfahrung, die mir im Rahmen der letzten Wochen stärker präsent geworden ist […], ist die Verletzlichkeit und Wichtigkeit des Peer-Review-Systems. Verletzlich – denn bewusste Täuschungen sind auch von kompetenten Reviewern schwer zu entdecken. Wichtig – denn ich glaube nach wie vor nicht, dass wir auf die erhebliche Mühe dieser Expertenarbeit zur Qualitätssicherung verzichten können. Wir müssen, denke ich, diese selbstlose und unentgeltliche Arbeit besser und vielleicht auch anders honorieren, denn sonst laufen wir Gefahr, die wesentlichen Ergebnisse in der Flut des Publizierten ebensowenig erkennen zu können, wie das in der unmoderierten Welt der (Online-)Informationen schon jetzt gebietsweise der Fall ist. […]

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… Sagte Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, in Mannheim sowie Mitglied der Ständigen DFG-Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung, in Laborjournal 7-8/2020 („Translationale Forschung in Pandemiezeiten“, S. 10-13).

 

Hilft Training gegen unethische Forschungspraxis?

16. März 2022 von Laborjournal

Letzte Woche ist unser neues Heft 3/2022 erschienen – und darin ab Seite 21 der Artikel „Gute wissenschaftliche Praxis – ein alter Hut, oder!?“ von Henrik Müller.

Im Vorspann des Artikels heißt es:

Wissenschaftsskandale entstammen häufig den Lebenswissenschaften. Mangelt es Biologen und Medizinern an Integrität? Oder existieren einfach nur keine guten wissenschaftsethischen Fortbildungsver­an­stal­tun­gen?

Es geht also um folgendes:

Nachdem inzwischen schon lange Richtlinien, Regeln und Verhaltenskodizes für Integrität in der Forschung formuliert und ausgegeben sind, könnte man doch meinen, dass man der Forscherzunft die entsprechenden Inhalte nur eindringlich beibringen müsste – und schon wären Forschungsfälschung und Reproduzierbarkeitskrise samt zugehörigem Vertrauensverlust weitgehend Geschichte. Und so wurden für den wissenschaftlichen Nachwuchs an vielen Orten verpflichtende Lehrveranstaltungen über Integrität in der Forschung aus dem Boden gestampft.

Soweit also die Theorie! Aber wie sieht die Praxis aus? Wie kann wissenschaftliche Integrität erfolgreich gelehrt werden? Genau das hat sich unser Autor Henrik Müller für seinen Artikel anhand konkreter Beispiele einmal genauer angeschaut …

Doch kaum war das Heft mit dem Artikel in der Druckerei, stieß unser Chefredakteur in Times Higher Education auf einen Artikel mit dem Titel „Around one in 12 postgraduate researchers would publish fraudulent results if it helped them get ahead, says study“. Darin wurde eine internationale Studie zusammengefasst, die gerade in Frontiers of Psychology (doi: 10.3389/fpsyg.2021.621547) erschienen war – und in deren Abstract die Autoren sinngemäß schreiben:

Betrügerische oder unethische Forschungspraktiken haben über die wissenschaftliche Welt hinaus für viel Aufsehen gesorgt. Will man die Wissenschaft indes verbessern, muss man in der Ausbildung von der Doktoranden damit beginnen. Schließlich sind sie die Wissenschaftler von morgen.

In vier Studien mit 765 Doktoranden untersuchten wir daher, ob Doktoranden zwischen ethischen und unethischen oder sogar betrügerischen Forschungspraktiken unterscheiden können. Überdies prüften wir die Bereitschaft der Doktoranden, Forschungsergebnisse aus zweifelhaften Praktiken zu veröffentlichen – und testeten, ob die Entscheidung durch Druck von Vorgesetzten oder Kollegen beeinflusst wird. Parallel befragten wir 36 akademische Führungskräfte (Dekane, Prodekane und AG-Leiter) und baten sie vorherzusagen, wie sich die Doktoranden in den hypothetischen Szenarien verhalten würden.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige Doktoranden relativ schnell bereit sind, Ergebnisse zu veröffentlichen, die durch offenkundigen Betrug und Datenfälschung zustandekommen. Alarmierend dabei ist, dass einige Hochschullehrer dieses Verhalten unterschätzen. Offenbar müssen diese stärker im Blick haben, dass Doktoranden unter größerem Druck stehen können, als ihnen bewusst ist – und dass sie daher besonders anfällig für die Anwendung von fragwürdigen Forschungspraktiken sein können.

In konkreten Zahlen kam bei der Umfrage heraus, dass etwa jede zwölfte Doktorandin oder Doktorand bereit wären, unsaubere Daten zu veröffentlichen, wenn dies für die weitere akademische Karriere von Nutzen wäre.

Die Frage ist nun, ob man diesen Anteil durch besseres Research Integrity Training noch weiter nach unten drücken könnte? Dazu bemerkte der belgische Erstautor Rens van de Schoot in dem Times-Higher-Education-Artikel mit Blick auf die eigenen Umfrageergebnisse ziemlich ernüchternd:

Sicher, man hätte erwarten können, dass eine Schulung oder Fortbildung in Forschungsethik einen Unterschied macht – aber das war nicht der Fall.

Auch in unserem Artikel berichtete ein Veranstalter von Research-Integrity-Kursen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinterher zwar besser über gute und schlechte Forschungspraxis bescheid wüssten. Ob damit auch deren eigene moralische Urteilskraft gereift sei, wagte er allerdings nicht zu beurteilen. Um dies zu ermöglichen, wäre es vor allem wünschenswert, wenn die Dozenten solcher Kurse sich öfter als bisher die Mühe machen würden, den Lehrerfolg ihrer Veranstaltungen zu evaluieren.

Ralf Neumann

 

Neidisch auf Kaninchen-Knorpel

26. Januar 2022 von Laborjournal

 

Tag für Tag flattern jede Menge Meldungen in unsere Redaktion herein. Darunter sind natürlich solche und solche. Und hin und wieder auch welche, die den einen oder die andere von uns persönlich betreffen. In so einem Fall wird es dann meistens irgendwie … komisch.

Nehmen wir unseren Chefredakteur. Der ist schon lange nicht mehr der jüngste, spielt dennoch weiter Fußball – und bekommt jetzt zunehmend die Quittung dafür. Stichwort Knorpel: Zweimal am Meniskus operiert, auch in anderen Gelenken knackt’s bedenklich – und im Großzeh-Grundgelenk schmerzt die Arthrose jedes Jahr ein wenig mehr. Klar, dass er an dieser einen Meldung hängenbleiben musste. Schließlich pries sie ein Paper mit dem Titel „Exercise-induced piezoelectric stimulation for cartilage regeneration in rabbits“ an.

Knorpel-Regeneration? Nicht nur von seinen Ärzten hatte er mitgeteilt bekommen, dass da praktisch nichts mehr geht. Dass man die Symptome zwar lindern und den Knorpel-Abbau mit Hyaluronsäure-Spritzen womöglich etwas bremsen kann – das ja! Aber rückgängig machen oder gar Knorpel wieder neu aufbauen? Träum’ weiter!

Vor einigen Jahren ging einer seiner Kick-Kollegen diesbezüglich ans Äußerste. Ließ sich Knorpel irgendwo anders entnehmen, in der Schale weiter heranzüchten – und das passend modellierte Stück Neu-Knorpel in die Knie-Schadstelle hinein transplantieren. Danach konnte er vier Jahre lang nicht mal mehr joggen.

Unser Chefredakteur begann also, die Meldung zu lesen …

Ein Team von 19 US-Forschern hatte einigen Kaninchen erstmal die Knie-Knorpel zerstört. Anschließend pflanzten sie ihnen ein Gerüst aus biologisch abbaubaren Milchsäure-Nanofasern ins kaputte Gelenk, wie sie auch zum Verschließen von Operationswunden eingesetzt werden. Die Idee dahinter: Da das Gerüst dank seiner piezoelektrischen Eigenschaften bei mechanischer Belastung eine Spannung erzeugt, könnte sich das positiv auf die Knorpel-Regeneration auswirken. Schließlich, so betonten die Autoren, hätten andere Studien bereits gezeigt, dass sich Knorpelgewebe zumindest in der Kulturschale mit elektrischer Stimulation zu Wachstum anregen lässt.

Okay, kapiert. Und was kam raus? …

Erstmal gaben die Forscher den malträtierten Kaninchen einen Monat zur Erholung von dem Eingriff. Dann durften sie zum täglichen Trainingsprogramm aufs Laufband. Und siehe da: Nach nur vier bis acht Wochen Laufband-Hoppeln hatten die Kaninchen-Knie die zerstörten Knorpel komplett regeneriert. Bei Kontroll-Kaninchen, die kein piezoelektrisches Implantat erhielten oder kein Laufband-Training absolvierten, heilten die Knorpelschäden gar nicht oder deutlich schlechter.

„Wow!“, dachte unser Chefredakteur nicht ganz objektiv. Und spürte kurz in seine eigenen kaputten Gelenke hinein. Ihm war klar, dass er Meldungen dieser Kategorie normalerweise ganz schnell wieder wegklickt. Eben, normalerweise!

Was machte er also stattdessen damit? … Klar, er schrieb diesen Blog-Beitrag 😉!

Und zuvor dachte er noch kurz amüsiert: „Manchmal könnte man sich glatt wünschen, Kaninchen zu sein … Obwohl, … die spielen zu schlecht Fußball!“

Ralf Neumann

(Foto: YouTube / konijnentrainen)

 

Ununterscheidbare Ursprünge

12. Januar 2022 von Laborjournal

Aus unserer Reihe „Gut gesagt!“ zum Thema der hiesigen Regulierung von Gentechnik:

 

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[…] Vielleicht hätte ja ein kompetenter wissenschaftlicher Berater, der nicht einmal Pflanzenwissenschaftler sein müsste, den SPD-Bundestagsabgeordneten erklären können, dass es keinen Sinn macht, Herstellungsverfahren regulieren zu wollen, anstatt pragmatisch Produkte und ihre Eigenschaften zu bewerten, wie es sich seit Jahrhunderten bewährt hat. Eine konventionell gezüchtete Erdbeere ist für den Allergiker gefährlich, eine gentechnisch veränderte krankheitsresistente Kartoffel ist es nicht. Im anbrechenden Zeitalter der „Genome Editing“-Technologien werden gentechnische Veränderungen in absehbarer Zukunft ohnehin zunehmend ununterscheidbar von natürlich entstandenen Mutationen im Genom sein. Damit hat man sich durch die politisch motivierte Entscheidung, anstatt der neuen Eigenschaften einer Kulturpflanzensorte lieber das Verfahren ihrer Erzeugung in den Mittelpunkt der Regulie­rungs- und Zulassungsverfahren zu stellen, endgültig in eine Sackgasse manövriert. Wie will man in Zukunft etwas regulieren, dessen gentechnischer Ursprung sich im Zweifelsfall nicht einmal mehr nachweisen lässt? Wie kann mir mein SPD-Bundes­tagsabgeordneter in Zukunft garantieren, dass „Deutschland gentechnikfrei bleibt“? Ich bin mir sicher, ein mehr oder weniger plumper juristischer Kniff wird auch dafür gefunden werden, gegebenenfalls unter Aushebelung aller Gesetze der Logik. Meine begrenzte Fantasie reicht nur nicht aus, mir diesen Ausweg jetzt schon ausmalen zu können. […]

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… Sagte Ralph Bock, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam/Golm, in Laborjournal 7-8/2015 („Keine Vernunft. Nirgends.“, S. 6-9).

 

Frohe Weihnachten …

23. Dezember 2021 von Laborjournal

 

 … und einen guten Start

in ein gesundes, spannendes

und trotz allem möglichst fröhliches

neues Jahr 2022!

 

Das wünschen wir von der Laborjournal-Redaktion

allen unseren Leserinnen und Lesern!

 

… Und nicht vergessen: Auch vor Corona ist schon so manche Weihnachtsfeier ausgefallen:

 

(Aus den „Lab Files“ von Chris Schlag)

Corona selbstgefällig unterschätzt

1. Dezember 2021 von Laborjournal

Aus unserer Reihe „Gut gesagt!“:

 

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[…] Der wichtigste Aspekt ist aber erneut nicht das Virus: Die Bevölkerung Europas können wir vielleicht bis Ende des Jahres impfen. Was aber ist mit den finanzschwachen Ländern im Rest der Welt? Solange SARS-CoV-2 dort zirkuliert, sind wir alle verwundbar. Denn entwickeln sich dort potenziell Impfstoff-immune Stämme, bedrohen sie uns alle. Deshalb hinkt der Vergleich mit Influenza. Jeder hatte schon mal eine Grippe, wir alle sind gleich immun. Für endemische saisonale Beta-Coronaviren gilt das zwar auch, für SARS-CoV-2 sind aber die meisten Menschen anfällig. Ließen wir es durch die Bevölkerung wüten, käme es irgendwann zu einem Grippe-Szenario – allerdings erst nach Millionen Toten. Die Frage ist: Wie erreichen wir es ohne Tote und ohne Impfstoff-immune Stämme? Nur, indem wir die Vakzinen gerechter und gleichmäßiger verteilen.

Europa wurde im letzten Sommer selbstgefällig. Das ist zwar verständlich, weil wir alle die Nase von der Pandemie voll hatten, aber seit Herbst bezahlen wir dafür. Wir haben Verhaltensänderungen infolge des Jahreszeitenwechsels nicht ernst genommen. Wir haben neue Varianten gesät. Wir haben exponentielles Wachstum unterschätzt. Länder in Asien und Ozeanien zeigen uns, wie es besser funktioniert. Die Leute dort führen im Allgemeinen ein normales Leben. Im Fall eines Ausbruchs riegeln sie sofort alles drakonisch für zwei, drei Wochen ab. Dann setzen sie ihr normales Leben fort. Warum sollte das nicht auch Europa bewerkstelligen können? Unsere halbgaren Sperrmaßnahmen dagegen haben kein Verfallsdatum. Wir haben keine Ahnung, wie lange wir die Fallzahlen im Auge behalten müssen. Und dieses Nichtwissen, dieser endlose Lockdown ist mental schwer zu ertragen und wirtschaftlich von den Unternehmen unmöglich zu tolerieren. Lokale Lockdowns mit Verfallsdaten, um einzelne Fälle unter Kontrolle zu bringen, wären für die Bevölkerung einfacher zu akzeptieren. Dann gäbe es nicht viel, wogegen jemand protestieren könnte. Viel wichtiger aber: Wir kämen der Ausrottung des Virus einen Riesenschritt näher. […]

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… Sagte Emma Hodcroft aus dem NextStrain-Team des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern in Laborjournal 3/2021 („Hat SARS-CoV-2 den Gipfel seines Fitnessbergs erreicht? – Wir wissen es nicht.“, S. 10-13). Damit beschrieb sie die Pandemie-Situation vor etwa einem Jahr. Ähnlichkeiten mit der aktuellen Situation sind leider nicht zufällig.

 

Werden Corona-Artikel schlampiger begutachtet?

8. September 2021 von Laborjournal

 

Vor einem Jahr schrieben wir in unserem Heft 10/2020 auf Seite 10:

Die Qualität wissenschaftlicher Veröffentlichungen sinkt zu Zeiten der SARS-CoV­2-Pandemie. Das legt eine Metastudie aller COVID19-Publikationen des ersten Halbjahres 2020 nahe (Scientometrics 126831-42). Von 23.594 in Web of Science oder Scopus gelisteten Publikationen mussten 1,3 Prozent korrigiert oder binnen kurzer Zeit zurückgezogen werden, trotz vorherigem Peer Review. Vor 2020 traf dieses Schicksal im Durchschnitt nur vier von zehntausend Publikationen, also 0,04 Prozent. Infiziert SARS-CoV-2 zu allem Überfluss auch noch unsere wissenschaftliche Integrität?

In Heft 6/2021 legten wir dann auf Seite 8 unter „Inkubiert“ folgendermaßen nach:

Leider steht es mit [der Qualität] der Corona-Forschung bekanntlich nicht zum Allerbesten – auch wegen der enormen Dringlichkeit, Ergebnisse zu liefern. So sagen Experten, dass von der enormen Flut an Corona-Preprints rund siebzig Prozent deutliche Mängel aufweisen. Folgerichtig hielt schon vor einiger Zeit eine Metastudie fest, dass von tausend weltweit duchgeführten Studien zur Infection Fatality Rate von COVID-19 nur eine „sehr geringe Zahl“ den normalen methodischen Standards entsprach. Und selbst nach Peer Review und „ordentlicher“ Publikation in einem „richtigen“ Journal bleibt es oft zumindest schwammig. Nicht umsonst wurden innerhalb des letzten Jahres bereits über hundert Originalartikel rund um Corona wieder zurückgezogen.

Der Peer Review war also unter Verdacht. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Wir simulieren ein Virus, das noch gar nicht existiert“

28. Oktober 2020 von Laborjournal

 

 

Gerade sind wir über ein Interview gestolpert, das wir in unserem Aprilheft 2009 publiziert hatten. Mitten in der zweiten Welle der aktuellen Corona-Pandemie wird einem schon ein wenig gruselig, wenn man es heute liest:

„Wir simulieren ein Virus, das noch gar nicht existiert“

 

In seiner Firma ExploSYS verbindet der Mathematiker Markus Schwehm Biologie und Medizin mit Statistik und Informatik. Heraus kam eine Simulations-Software, um Notfallszenarien wie eine Grippe-Pandemie realitätsnah durchspielen zu können.

Laborjournal: Die jüngste Grippewelle liegt gerade hinter uns. Wir leisten uns Überwachungsnetzwerke, unterhalten Gesundheitsämter und lesen ständig über viel versprechende Forschungsergebnisse. Dennoch können die Experten immer noch nicht vorhersagen, wie sich solche Epidemien verbreiten. Können Sie es?

Markus Schwehm: Die Vorhersage der alljährlich auftretenden Influenza-Epidemien ist in der Tat noch nicht möglich. Für dieses System fehlen uns nicht nur die Daten, es ist auch so kompliziert, dass wir mit unserer Software keine vernünftige Vorhersage leisten können. Stattdessen simulieren wir mit unserer Software das Auftreten einer Pandemie, also eines neuen Virustyps, gegen den in der Bevölkerung noch keine Immunität vorhanden ist und der sich weltweit verbreitet. Das macht das Modellieren einfacher als bei der saisonalen Grippe.

Was genau verkaufen Sie?

Schwehm: Ich mache im Vorfeld einer Epidemie Beratung für Gesundheitsämter. Dort will man zum Beispiel wissen, wie viele Arztbesuche im Ernstfall zu erwarten sind, wie viele Krankenhausbetten gebraucht werden, oder welche Mengen an Medikamenten vorrätig gehalten werden müssen. Zu den Kunden gehören aber auch Unternehmen, für die eine Pandemie existenzbedrohend sein kann. Hier geht es vorwiegend um Notfallmaßnahmen, um die Produktion im Ernstfall aufrecht zu erhalten.      Diesen Beitrag weiterlesen »

Pausenclown

26. August 2020 von Laborjournal

 
(Gezeichnet von Rafael Florés. Jede Menge weiterer Labor-Abenteuer von „Forscher Ernst“ gibt es hier.)