Wenn’s Werkzeug nicht passt, geh’ ich da nicht dran

21. Juli 2020 von Laborjournal

Wann bringt Forschung den größten Ertrag? Wenn man mit seinem Projekt auf einem breiten, gut gesicherten Pfad wandelt? Oder wenn man auf einem riskanten und herausfordernden Trip neue Schneisen in ein dunkles und unwegsames Dickicht schlägt?

Die Antwort ist klar und bis heute immer wieder neu belegt: Die leckersten Früchte pflückt man nicht aus sicherem Bodenstand vom Baum, da muss man schon eine aufwendigere Kletterpartie riskieren.

Warum macht es die große Mehrheit der Forscherinnen und Forscher dennoch anders? Warum bleiben sie auf ausgetretenen Pfaden und pflücken mickrige Früchte in Kopfhöhe?

Vor einigen Jahren rechneten kanadische Biochemiker vor, dass drei Viertel der Paper über menschliche Proteinkinasen nur rund fünfzig der über fünfhundert bekannten Kinasen abdeckten — und dass sich in diesem Zehntel immer noch fast ausschließlich diejenigen „alten Bekannten“ tummelten, die schon seit Jahrzehnten auf zahlreichen Labortischen schwimmen. Doch damit nicht genug: Auch bei den pharmakologisch ebenso spannenden Proteinfamilien der Ionenkanäle und Nukleären Hormonrezeptoren waren die Verhältnisse ähnlich „konservativ“, wie die Kanadier weiter fanden.    

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Wenn die Industrie deine Forschung finanziert,…

29. Januar 2020 von Laborjournal

Money makes research go round, so wird oftmals der Musical-Klassiker von Liza Minelli aus „Cabaret“ abgewandelt. Was gemeint ist, ist klar: Nur wer ordentlich Fördermittel von Dritten einwerben kann, wird in der modernen Bioforschung nennenswerte Ergebnisse produzieren können. Und nur wer ordentlich Ergebnisse produziert (und veröffentlicht!), wird letztlich eine nennenswerte Forscherkarriere hinlegen können.

Kommen die Drittmittel aus öffentlichen Quellen oder Stiftungen, ist man nach der Bewilligung des Antrags in aller Regel ziemlich frei in Gestaltung und Durchführung des Projekts. Wird das Projekt hingegen von einem Industriepartner finanziert, sieht die Sache oftmals anders aus.

Beispielsweise werden erst einmal umfangreiche Verträge gemacht, wie mit den erzielten Ergebnissen zu verfahren sei. Darin ist dann etwa festgehalten, dass der Forscher sämtliche Resultate zunächst dem Industriepartner vorzulegen habe, damit dieser vor Veröffentlichung prüfen kann, was er davon möglicherweise patentrechtlich schützen möchte. Und wenn das Unternehmen — nach Patentanmeldung oder auch nicht — endlich grünes Licht für die Ver­öffent­lichung der Daten gibt, will es natürlich auch noch das entsprechende Manuskript vor der Einreichung bei einem Journal prüfen, um darin Änderungen vornehmen oder zumindest vorschlagen zu können.

Auf diese Weise kann schon mal erhebliche Zeit vergehen, bis die Forscher zu ihren teilweise dringend benötigten Veröffentlichungen aus dem Projekt kommen.

Öfter schon haben wir von solchen oder ähnlichen Fällen im Rahmen von Industrie-finanzierten Projekten gehört. Neu hingegen war für uns, was jemand in einer schon etwas älteren Umfrage über das Vorgeplänkel einer Pharma-finanzierten klinischen Studie berichtete (J. Empir. Res. Hum. Res. Ethics 1(1): 43-50). Die Umfrage zitiert sie oder ihn folgendermaßen:

Zum Beispiel geht es bei einer bestimmten Studie, an der ich beteiligt bin, um Medikamente, die die Nebenwirkungen gewisser Strahlungen abschwächen sollen. Die Firma, die das Medikament herstellt, will eine gewisse Kontrollgruppe nicht in die Studie aufgenommen haben — und wird sie nicht finanzieren, wenn es diese Kontrollgruppe doch geben sollte. Daran ist nichts Illegales, und ich weiß ja auch, dass so etwas ständig passiert. Das läuft eben so!

Natürlich liegt das auch daran, dass die Regierung nicht genug Geld aufbringen kann, um all die klinische Forschung zu finanzieren, die durchgeführt werden müsste. In dieser Studie ist die Forschungsleiterin jedoch eine befristet angestellte Assis­tenz­professorin. Und die Verhandlungen mit dieser Arzneimittelfirma haben sie jetzt schon viel Zeit gekostet — was es für sie immer schwieriger macht, eine feste Anstellung zu bekommen. Der Druck nachzugeben, wird daher irgendwann zu groß für sie. Schließlich hätte sie die Studie schon vor Monaten beginnen können, wenn sie einfach gesagt hätte: „Klar, geben Sie mir das Geld — und ich tue alles, was Sie wollen.“

Das heißt, das Unternehmen macht seine Finanzierung erstmal nicht vom Umgang mit den Ergebnissen der Studie abhängig, sondern vielmehr von ganz konkreten Eingriffen in deren Design. Und diese scheinen zumindest nach Ansicht der Forschungsleiterin, die die Studie ursprünglich konzipiert hat, so gestaltet, dass der objektive wissenschaftliche Wert der Studie klar ge­schmä­lert wird.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder möchte das Ganze kommentieren? Entweder gleich hier unten für alle, oder per E-Mail an unsere Redaktion.

Ralf Neumann

(Foto: iStock / Sezeryadigar)

Bessere Forscher nach frühen Fehlschlägen?

12. Juni 2019 von Laborjournal

Über Wohl und Wehe eines erfolgreichen Förderantrags entscheidet einzig und allein die wissen­schaftliche Exzellenz des Kandidaten und seines beantragten Projekts. Gerade die Programme zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses betonen dies immer wieder neu als oberste Maxime. Der Gedanke dahinter ist klar: Die Besten von heute werden ziemlich sicher auch die Besten von morgen sein — gerade, wenn man sie schon früh identifiziert und fördert. Hinterfragt hat das bislang nahezu niemand.

Umso überraschender verkünden jetzt drei Herren namens Wang, Jones & Wang von der North­western University in Evanston/USA, dass diese These von „Früh top, immer top“ womöglich stärker wackeln könnte als gedacht (arXiv:1903.06958v1).

Wie kommen sie darauf? Diesen Beitrag weiterlesen »

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