Förderung nur bei „Nature-Niveau“?

21. August 2012 von Kommentar per Email

(Kürzlich erhielten wir den unten folgenden Erfahrungsbericht zum Thema DFG-Anträge. Wir haben ihn anonymisiert und überarbeitet — und stellen das Thema hiermit zur Diskussion.)

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel „Außer Kontrolle“ in Laborjournal 6/2012, S. 21-25, über die Forschungsförderung der DFG gelesen. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen meine Situation und Erfahrungen mit der DFG schildern.

Ich war mehrere Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem biochemischen Institut; zur Zeit bin ich in der Position als Vertretungsprofessorin bis voraussichtlich Ende September 2012 eingestellt. Seit einigen Jahren versuche ich für meine Forschung Drittmittel einzuwerben, was bis auf eine Ausnahme leider erfolglos war. 2009 stellte ich schließlich wieder einen Antrag auf Sachbeihilfe bei der DFG (inklusive Beantragung meiner eigenen Stelle). Ich hatte gehofft, dass der Antrag diesmal genehmigt wird, da er auf schon veröffentlichten Daten, unter anderem im Journal of Cell Science, basierte und ich weiterhin eine interessante, neue In vivo-Methode in Deutschland etablieren wollte. Die finanziellen Mittel für die Geräte, die dafür notwendig sind, wurden mir zuvor von meiner Universität im Rahmen eines Antrags auf „Einrichtung einer eigenen Arbeitsrichtung“ genehmigt.

Im September 2010 erhielt ich den Bescheid über die Ablehnung des Antrags, obwohl die Gutachten grundsätzlich eine Förderung empfohlen haben. Diesen Beitrag weiterlesen »

Video-Grafikkarten für die Hirnforschung

23. Februar 2012 von Laborjournal

Was moderne Computerspiele mit den Hirnen der Spieler anstellen, wird schon lange heftig diskutiert — vor allem im Zusammenhang mit gewissen Aussagen der britischen Hirnforscherin Susan Greenfield (siehe etwa hier, hier und hier).

Dennoch könnten demnächst jede Menge Hirnforscher froh sein, dass es einen derart großen und hart umkämpften Markt für Computerspiele gibt. Eine Folge davon ist nämlich, dass schon seit einiger Zeit die mit Abstand besten und leistungsstärksten Grafikkarten im Rahmen dieses Wettrennens um die tollsten Spiel-Visualisierungen entwickelt werden. Bekanntermaßen ganz vorne mit dabei: die 3D-Simulation von Kriegshandlungen.

Schwedische Forscher haben nun ein paar dieser Super-Grafikkarten genommen und, nach einiger Tüftelei, in der Analyse von Daten aus der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) eingesetzt. Und siehe da, die Grafikkarten konnten die entsprechend aufgezeichneten Hirne hundertmal schneller analysieren und darstellen als dies mit einem regulären Prozessor der gleichen Geschwindigkeit funktioniert. Das kausale Prinzip samt der technischen Details, die diese enorme Beschleunigung bewirken, beschreiben sie in ihrem Artikel „Fast random permutation tests enable objective evaluation of methods for single-subject FMRI analysis“ (Int. J. Biomed. Imaging, vol. 2011, Article ID 627947, doi:10.1155/2011/627947).

Könnte also durchaus sein, dass fMRI-Spezialisten demnächst immer häufiger die Anschaffung teurer Grafikkarten für ihre neusten Projekte beantragen. Natürlich nicht, um Call of Duty: Modern Warfare 3, Battlefield 3 oder The Elder Scrolls 5 zu spielen. Ist doch klar, oder?

Zitat des Monats (5)

6. September 2011 von Laborjournal

Wie man beim Antragschreiben zum Tier werden kann — das beschreibt in der immer lesenswerten Kolumne „Sticky Wicket“ des Journal of Cell Science die Kunstfigur „Mole“ folgendermaßen:

If you know somebody who is writing a grant, keep away. Understand that the grant writer is like a wild animal with an injury — you may want to help, but its more likely that you will lose a finger than that they will thank you for it. You may walk past their office and see them staring into space, but this is not the time to say, “Hi, I see you’re taking a little break, so I wanted to ask you whether you think I should do my experiment before or after lunch.” Don’t lightly rap on the door, thinking that this will avoid breaking their concentration. Don’t call or leave notes. If your spouse is writing a grant, do not ask about next month’s dinner arrangements. Don’t go near them, talk to them or query them. Because, in that innocent moment of interruption lasting mere seconds, the key idea that was going to bring it all together into one brilliant worldview will be lost forever. What was this marvelous idea? Well, we’ll never know now will we! You will have produced the mental equivalent of a computer crash, and it will take hours and hours to reboot, during which time the grant writer will play unlimited games of solitaire or completely reorganize their MP3 files rather than work on the application. And it will all be your fault.

Köstlich! Und womöglich dürfte sich so mancher wiedererkennen.

Antrags-Timing

17. Juli 2011 von Laborjournal

Wie man im Laufrad der Antragsstellerei am ehesten das Tempo hält, ist ein offenes Geheimnis: Man hat das Projekt möglichst schon fast fertig, bevor man den Antrag dazu schreibt. Allerdings sollte man es damit nicht zu weit treiben — denn sonst rügt einen die DFG.

Im letzten Laborjournal schreiben wir unter „Inkubiert“ (S. 8):

Nach dem Antrag ist vor dem Antrag. […] Kaum ist ein Antrag durch, muss man schon den nächsten vorbereiten. Vor allem größere Gruppen haben daher schon seit einiger Zeit eine Art Patentrezept entwickelt: Projekt und zugehörigen Antrag zeitlich gegeneinander verschieben. Heißt also, man beantragt zwar Projekt n, startet mit den bewilligten Mitteln aber bereits (hauptsächlich) Projekt n+1. Konkret bedeutet das, dass man einen Antrag erst stellt, wenn das darin beantragte Projekt n so gut wie fertig ist — und dabei so tut, als wolle man Experimente machen, die man größtenteils schon längst in der Tasche hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

Paradox „Projekt“

5. Mai 2011 von Laborjournal

Zwar hatten wir erst kürzlich das Zitat des Monats. Dennoch wollen wir schon wieder zitieren — und das Zitierte natürlich zur Diskussion stellen. Diesmal geht es um das Buch „Forschungsprojekte — Zum Organisationswandel in der Wissenschaft“ der Berliner Soziologin Cristina Besio aus dem Jahre 2009. Darin schreibt sie an verschiedenen Stellen zum „Projektparadox“ in der Forschung:

Damit etwas projektiert werden kann, muss es noch unbekannt sein (andernfalls machte die Forschung keinen Sinn), gleichzeitig muss es aber bereits bekannt sein (weil sich sonst keine Forschungsplanung entwerfen ließe).

Zwischen der Vorstellung von Forschung als einem offenen, durch die Neugierde des Wissenschaftlers gelenkten Prozess und der Projektierung der Forschung herrscht eine offensichtliche Inkongruenz. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Ideenlose Forschung“

5. April 2011 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. Dr. P.D.A. Gogik, Neurodidaktologisches Institut Universität Lernfurt.

LJ: Hallo, Frau Gogik. Ihr Mitarbeiter hat mir gesagt, Sie begutachten gerade Anträge für Postdok-Stipendien.

Gogik: Richtig. 15 Anträge. Bin gerade einmal durch alle durch.

LJ: Und?

Gogik: Na ja. Ehrlich gesagt, begeistern tut mich keiner.

LJ: Woran hapert’s?

Gogik: Auf den ersten Blick klingen eigentlich alle ganz gut. Klar geschrieben, logisch aufgebaut, zielführende experimentelle Strategie,… Wenn man dann aber fragt, welche wirklich neuen Erkenntnisse könnte das Projekt bringen, bleibt bei allen Anträgen nicht mehr viel übrig. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Zu ambitioniert“

12. Oktober 2010 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Assistenzprofessor E.H.R. Geiz, Melanchologisches Institut TH Trübenwil.

LJ: Hallo, Herr Geiz. Irgendwas Schlimmes passiert?

Geiz: Hab’ gerade die Entscheidung über einen Antrag mitgeteilt bekommen.

LJ: Oh je, abgelehnt…

Geiz: Nein nein, glatt bewilligt.

LJ: Ah!… Ja… schön… Aber, Verzeihung, glücklich sehen Sie nicht gerade aus.

Geiz: Doch, doch — ich freu’ mich natürlich. Aber irgendwie ist es schon komisch…

LJ: Was denn?

Geiz: Die haben ihn zwar voll bewilligt — aber sie schreiben auch, dass ich das Projekt durchaus “ambitionierter” hätte formulieren und angehen können.

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Stell Dir vor, keiner gutachtet mehr

12. Januar 2010 von Laborjournal

Es ist noch gar nicht lange her, da war ein US-Professor derart genervt davon, wie oft ihn Forschungsorganisationen und Zeitschriften um Gutachten zu Föderanträgen und Manuskripten baten, dass er zu einer drastischen Maßnahme griff. Zuerst sortierte er gewissenhaft aus, welche Organisationen und Zeitschriften tatsächlich wichtig für ihn und seine Forschung waren; dann schrieb er allen anderen ein und denselben Brief mit der Kernaussage: „Ich schlage Euch folgenden Deal vor: Ihr schickt mir keine Manuskripte/Anträge mehr, und ich schicke Euch auch keine. Fazit: Ich muss nichts für Euch begutachten, und ihr nichts von mir.“ Klingt fair, oder?

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