Wer macht hier Wissenschaft, und wer Pseudowissenschaft?

24. Juli 2019 von Laborjournal

Erinnert sich noch jemand an den Kasseler „Gnomen-Klüngel“? Vor über zwölf Jahren zielte Siegfried Bär unter dieser Überschrift mit spitzer Feder auf gewisse Versuche, der Anthroposophie mittels zweier ziemlich skurriler Stiftungsprofessuren an der Universität Kassel zu akademischen Weihen zu verhelfen. Um Biodynamische Landwirtschaft nach Rudolf Steiner ging es da, um Biokristallisation — ja sogar um die Erforschung von Gnomen und Elfen.

Offenbar wird der Artikel tatsächlich noch vereinzelt gelesen, denn erst kürzlich bekamen wir wieder eine E-Mail, mit der die Verfasserinnen scharf gegen den Artikel protestierten und die Anthroposophie vehement verteidigten. Solche Beschwerden hatten wir natür­lich einige erhalten, als der Artikel frisch veröffentlicht war. Was an dieser E-Mail jedoch — neben dem zeitlichen Abstand — besonders war: Unterzeichnet hatten sie zwei Wissenschaftlerinnen eines medizinischen Forschungsinstituts.

Unter anderem werfen sie uns darin folgendes vor:

Ihr Bericht über die Anthroposophen […] stellt das Maximum an Intoleranz und Polemik dar. Wir können daher nicht glauben, dass ihre Zeitschrift tatsächlich einem wahrhaft wissenschaftlichen Ansatz folgt, wenn dort offensichtlich nur Menschen arbeiten, die unterschiedliche Sichtweisen und Denkrichtungen nicht tolerieren.

Wie bitte? Wir mussten uns wirklich die Augen reiben. Allerdings: So krass dieser Vorwurf auch klingt, war es bei weitem nicht das erste und einzige Beispiel, das uns zweifeln ließ, ob man als ausgebildeter Wissenschaftler, der weiterhin an einem wissenschaftlichen Institut arbeitet, auch immer weiß, was Wissenschaft eigentlich ist. Und vor allem: Ob ihm klar ist, was Wissenschaft tatsächlich von Pseudowissenschaft trennt.     Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitat des Monats (23)

21. November 2014 von Laborjournal

Wie erwirbt man sich einen wahrhaft guten Ruf als Wissenschaftler? 1985 bemerkte der US-Physiker und Nobelpreisträger  Richard Feynman vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasaden dazu in seinem Buch „Surely You’re Joking, Mr. Feynman!„:

We’ve learned from experience that the truth will come out. Other experimenters will repeat your experiment and find out whether you were wrong or right. Nature’s phenomena will agree or they’ll disagree with your theory. And, although you may gain some temporary fame and excitement, you will not gain a good reputation as a scientist if you haven’t tried to be very careful in this kind of work. And it’s this type of integrity, this kind of care not to fool yourself, that is missing to a large extent in much of the research in cargo cult science.

Den Begriff „Cargo Cult Science“ hatte Feynman selbst in einer Rede vor dem Caltech-Abschlussjahrgang 1974 eingeführt. Er steht im Wesentlichen für Arbeiten und Aktivitäten, die durch einen hohen Symbolgehalt zwar nach toller Wissenschaft aussehen, tatsächlich aber nur wenig realen wissenschaftlichen Nutzwert haben. Feynman meinte damit zunächst gar nicht mal vorrangig pseudowissenschaftliche Strömungen (dafür wurde er später auch eingesetzt), sondern zielte vielmehr auf Vorgehensweisen im Wissenschaftsbetrieb ab, die zwar formale Kriterien erfüllen, denen es jedoch an wissenschaftlicher Integrität mangelt. Laut Feynman ist für jeden die Gefahr gegeben, zum „Cargo Cult Scientist“ abzusteigen — insbesondere durch die vielen Versuchungen zur Selbsttäuschung. Um dem nachhaltig entgegen zu wirken, müssten Wissenschaftler immer bereit sein, ihre eigenen Theorien und Resultate in Frage zu stellen — und sie im gegebenen Fall selbstlos über Bord zu werfen.

Zitat des Monats

19. April 2011 von Laborjournal

Ein kleines Plädoyer für den Erhalt der reinen, Neugier-getriebenen Grundlagenforschung aus dem Buch The Demon-Haunted World: Science as a Candle in the Dark von Carl Sagan:

Maxwell wasn’t thinking of radio, radar, and television when he first scratched out the fundamental equations of electromagnetism; Newton wasn’t dreaming of space flight or communications satellites when he first understood the motion of the Moon; Roentgen wasn’t contemplating medical diagnosis when he investigated a penetrating radiation so mysterious he called it „X-rays“; Curie wasn’t thinking of cancer therapy when she painstakingly extracted minute amounts of radium from tons of pitchblende; Fleming wasn’t planning on saving the lives of millions with antibiotics when he noticed a circle free of bacteria around a growth of mold; Watson and Crick weren’t imagining the cure of genetic diseases when they puzzled over the X-ray diffractometry of DNA; Rowland and Molina weren’t planning to implicate CFCs in ozone depletion when they began studying the role of halogens in stratospheric photochemistry.

These discoveries and a multitude of others that grace and characterize our time, to some of which our very lives are beholden, were made ultimately by scientists given the opportunity to explore what in their opinion were basic questions in nature.

Cutting off fundamental, curiosity-driven science is like eating the seed corn. We may have a little more to eat next winter, but what will we plant so we and our children will have enough to get through the winters to come?

Das Buch gibt’s auch auf deutsch, unter dem Titel Der Drache in meiner Garage. Oder die Kunst der Wissenschaft Unsinn zu entlarven. Allerdings nur noch gebraucht bei Amazon.

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