Langsam, aber sicher?

23. September 2020 von Laborjournal

Es ist schon eine Weile her, da erinnerte auf Twitter ein kanadischer Zellbiologe an Barbara McClintock, die Entdeckerin mobiler genetischer Elemente. Genauer gesagt, referierte er lediglich eine kleine Anekdote über die Nobelpreisträgerin von 1983. Demnach wurde sie einmal gefragt, ob es nicht ärgerlich sei, mit Maispflanzen zu arbeiten, da sie doch eine so langsame Generationszeit von sechs Monaten haben. „Nein, ganz und gar nicht“, soll die Genetikerin darauf geantwortet haben. Tatsächlich würden ihr nicht mal diese sechs Monate genug Zeit geben, um gründlich über ihre Daten nachzudenken und sorgfältig die nächsten Experimente zu planen.

Klar, dass der Twitterer die Anekdote zu einem Plädoyer für eine Entschleunigung der Forschung nutzte – für sogenannte „Slow Science“. „Es scheint, dass wir in der Wissenschaft mittlerweile das Hauptaugenmerk auf Geschwindigkeit legen“, schrieb er im nächsten Tweet. Und er sinnierte weiter: „Vielleicht sollten wir der ‚Langsamkeit‘ wieder mehr Raum geben, sowie sorgfältige Betrachtung und gründliche Aufarbeitung stärker wertschätzen. Wir sollten gerade diejenigen besonders respektieren, die sich dem Hamsterrad des Publikationsdrucks entziehen und sich stattdessen die nötige Zeit nehmen, um eingehend über ihre eigenen Daten und diejenigen anderer Gruppen nachzudenken.“ Und er schloss: „Wissenschaft ist schließlich kein Wettrennen, sondern ein Prozess – und geht auf diese Weise mal schnell und mal langsam voran.“

Natürlich erhielt der Kanadier viel wohlmeinenden Zuspruch. Der Tübinger Max-Planck-Direktor Detlef Weigel steuerte etwa noch die Anekdote bei, dass ein US-Kollege ob der langen Generationszeit von Arabidopsis mal ganz ähnlich antwortete: Er habe dadurch mehr Zeit, zwischen den Experimenten in den Bergen wandern zu gehen.

Gut gemeint, das alles. Und richtig sowieso. Dass das Forschungssystem heute mit gefährlich überdrehtem Motor läuft, ist vielen klar. Aber dennoch: Erzählen Sie das mal als Dauerstellen-Inhaber ihren befristet eingestellten Mitarbeitern, die vor drohendem Vertragsende in ein bis zwei Jahren noch dringend Daten brauchen: Dass sie zwei Gänge rausnehmen und sich auf „Slow Science“ besinnen sollen…

Ralf Neumann

Weigel Style

15. Dezember 2012 von Laborjournal

Quasi als Weihnachtsgruß stellte die Gruppe von Detlef Weigel am Tübinger MPI für Entwicklungsbiologie das folgende Video ihrer „Gangnam Style“-Parodie auf Youtube. Hier kommt:… „WEIGEL STYLE“ (unbedingt Untertitel (= CC, Captions) aktivieren):

Richtig klasse! Und gaaanz am Schluss tanzt der Chef selbst…

Was bleibt, ist die wirklich erfreuliche Feststellung, dass eine derart erfolgreiche Gruppe neben der Forschung offenbar noch genug Zeit, Lust, Hirn, Humor und Energie für so etwas übrig hat.

(Das „Gangnam Style“-Original gibt’s übrigens hier.)

Tricks im Dunkeln

24. Mai 2012 von Laborjournal

Kollegen-Schelte riecht immer ein wenig komisch. Dennoch, heute halten wir uns einfach mal die Nasen zu — und richten den Finger auf biotechnologie.de.

Letzte Woche tauchte dort folgende Meldung auf: Gen-Trick: Pflanze keimt im Dunkeln“. Damit war biotechnologie.de nicht allein, denn parallel berichteten noch jede Menge anderer Medien über das Paper der Karlsruher Botaniker um Tilman Lamparter (Plant Cell 2012 May 11, Epub ahead of print). Zum Beispiel auch der Spiegel, bei dem die Überschrift allerdings lautete: Chemischer Trick gaukelt Pflanzen Licht vor“.

Ein Trick also. Aber was für einer? Ein chemischer oder ein genetischer? Oder beides? Liegt da womöglich jemand daneben mit seiner Überschrift?

Die Antwort lautet: Ja! Aber nicht das BMBF-gesponsorte Fachportal biotechnologie.de, sondern vielmehr Deutschlands größtes Publikumsmagazin mit rotem Cover trifft die Sache deutlich besser. Denn direkt mit Genen hatte nicht zu tun, was Lamparter und Co. mit dem Moos Ceratodon als auch mit Arabidopsis veranstalteten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Pflanzen mit Familiensinn

15. Oktober 2009 von Laborjournal

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Pflanzen erkennen, ob ihre direkten Nachbarn mit ihnen verwandt sind oder nicht. Das behaupten zumindest die Pflanzenforscher um Harsh Bais und Susan Dudley. Mit Geschwistern, so die Wissenschaftler, leben Pflanzen in friedlicher Koexistenz und teilen sich womöglich gar die vorhandenen Nährstoffe, Nicht-Geschwistern dagegen sagen sie umgehend den Kampf an. Diesen Beitrag weiterlesen »

Info
Info
Info