Tricks im Dunkeln

24. Mai 2012 von Laborjournal

Kollegen-Schelte riecht immer ein wenig komisch. Dennoch, heute halten wir uns einfach mal die Nasen zu — und richten den Finger auf biotechnologie.de.

Letzte Woche tauchte dort folgende Meldung auf: Gen-Trick: Pflanze keimt im Dunkeln“. Damit war biotechnologie.de nicht allein, denn parallel berichteten noch jede Menge anderer Medien über das Paper der Karlsruher Botaniker um Tilman Lamparter (Plant Cell 2012 May 11, Epub ahead of print). Zum Beispiel auch der Spiegel, bei dem die Überschrift allerdings lautete: Chemischer Trick gaukelt Pflanzen Licht vor“.

Ein Trick also. Aber was für einer? Ein chemischer oder ein genetischer? Oder beides? Liegt da womöglich jemand daneben mit seiner Überschrift?

Die Antwort lautet: Ja! Aber nicht das BMBF-gesponsorte Fachportal biotechnologie.de, sondern vielmehr Deutschlands größtes Publikumsmagazin mit rotem Cover trifft die Sache deutlich besser. Denn direkt mit Genen hatte nicht zu tun, was Lamparter und Co. mit dem Moos Ceratodon als auch mit Arabidopsis veranstalteten.

Der Trick war tatsächlich ein chemischer, mit dem Lamparters Team direkt die pflanzlichen Photorezeptoren der Phytochrom-Familie anvisierte. Diese Proteine binden in höheren Pflanzen normalerweise das Rotlicht-absorbierende Pigment Phytochromobilin, woraufhin sie als Photosensoren eine ganze Reihe lichtgesteuerter Entwicklungsprozesse anwerfen — wie etwa Samenkeimung, Hemmung des Sprosswachstums, Chlorophyllsynthese und „Ergrünung“, Öffnung der Keimblätter,… Logisch daher, dass all diese Entwicklungsprozesse ausbleiben und das Pflänzchen stattdessen „vergeilt“, wenn es im Dunklen auskeimen muss (siehe Foto).

Lamparter et al. schafften es jetzt, in den Keimlingen das Phytochromobilin aus dem Phytochrom-Protein rauszuschmeißen und durch synthetische Moleküle namens Phycocyanobiline zu ersetzen. Diese Phycocyanobilin-Bindung wiederum arretierte das gesamte Phytochrom-Molekül dauerhaft im aktiven Zustand — mit dem Resultat, dass die Pflanzen auch im Dunkeln „meinten“, sie wären im Licht. Entsprechend entwickelten sie sich auch völlig „lichtgemäß“ im Dunkeln weiter. Dies allerdings nur, bis alle Vorratsstoffe aus dem Samen aufgebraucht waren — dann gingen sie ein, da die Pflanzen trotz allem ohne Licht keine Energie durch Photosynthese gewinnen konnten.

Auch wenn Lamparter und Co. die eine oder andere Mutante für ihre Versuche hinzuzogen, spielten Gene folglich keine große Rolle. Und schon gar nicht verwendeten sie einen „Gen-Trick“. „Chemischer Trick“ beleuchtet die Sache schon besser. Oder, ebenfalls noch akzeptabel: „Molekularer Trick“

 

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2 Gedanken zu „Tricks im Dunkeln“

  1. Ralf Neumann sagt:

    Gerade kam eine E-Mail von biotechnologie.de herein, in der es unter anderem heißt:

    Uns ist erst die Tage dein Blog-Eintrag mit der berechtigten Überschrift-Kritik aufgefallen. Danke dafür, ich habe das mittlerweile in „biochemischer Trick“ umgeändert. Wir achten beim Titeln in der Regel sehr auf korrekte Aussagen, für den Kollegen, der den Text geschrieben hatte, ging aus PM und Abstract der betont biochemische Ansatz nicht so klar hervor, so dass wir uns beim Titeln der Kürze wegen auf Gen-Trick geeinigt haben. Wir habens geändert und auch unten auf deinen Blog-Eintrag verlinkt, damit die Historie gewahrt ist. Noch besserer Stil wäre es natürlich gewesen, wenn ihr uns gleich nach der Veröffentlichung im Blog einen kurzen Hinweis geschickt hättet, dann hätten wir das etwas schneller auf diese Weise ausräumen können.

    Na ja, liebe „Kollegen“…

  2. Robert sagt:

    Also ich habe mit LED-Beleuchtung wie zB. auf http://www.pflanzenlicht.com erhältlich die besten Erfahrungen gemacht.

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