Wege zum Ruhm

13. März 2012 von Laborjournal

In der Serie The Life Scientific interviewt der englische Physiker Jim Al-Khalili für BBC Radio 4 regelmäßig…

… leading scientists about their life and work, finding out what inspires and motivates them and asking what their discoveries might do for mankind.

Ende letzten Jahres war Paul Nurse, Medizin-Nobelpreisträger 2001, dran. Auf die Frage, was seiner Meinung nach der Schlüssel zu seiner erfolgreichen Forscherkarriere gewesen sei, antwortete er, dass er bereits sehr früh die Entscheidung traf, ein „Big Problem“ verfolgen zu wollen — nämlich zu verstehen, wie Zellen sich teilen:

I realised that science was difficult and it often failed and if you were going to carry out a career like that you at least had to tackle a big problem. […] And so I thought it would be a very fundamental problem to understand how cells reproduce themselves and that’s the problem I set myself as a PhD which also didn’t go brilliantly, quite frankly, but it was a very, very strategic decision.

Das „Big Problem“ also als Schlüssel zum Erfolg?

Einen Monat später unterhielt sich Al-Khalili mit John Sulston, Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2002. Und dieser passte nun interessanterweise gar nicht in das ‚Big Problem‘-Erfolgsschema. Denn Sulstons Erfolge basierten weniger auf fundamentalen Fragestellungen, als vielmehr darauf, dass er konsequent die Grenzen des jeweils technologisch Machbaren erweiterte. Erst meisterte er (mit anderen) die Herkulesaufgabe für Caenorhabditis elegans in zehn Jahren Mikroskopiererei eine komplette Zellschicksalskarte (Cell fate map) aller Teilungen vom befruchteten Ei bis zum 959-Zellen-Tier zu erstellen. Danach widmete er sich der Komplett-Kartierung und Sequenzierung des Wurmgenoms, um hernach mit der gewonnenen Expertise zu einem der Protagonisten des Humangenomprojekts zu werden. Allesamt Projekte, die vor allem der gesamten Forschergemeinde umfangreiche neue Datensätze lieferten, aus denen diese wiederum neue Erkenntnisse zu ihren spezifischen Fragestellungen ziehen konnten — oder gar gänzlich neue Fragen formulieren konnten. (Kein Wunder, ist Sulston bis heute ein glühender Verfechter des absolut freien Zugangs zu jeglichen Forschungsdaten.)

Den offenkundigen Unterschied der Ansätze von Nurse versus Sulston fassen viele gerne unter den Schlagworten Hypothesen-basierte versus Hypothesen-generierende Forschung zusammen. Ruhm und Ehre kann man offenbar mit beiden erlangen.

Dass es mit dem sogenannten „Eureka“-Moment noch ein weiteres Muster (mit vielen Beispielen) für Forschungserfolg gibt, hatten wir bereits in diesem früheren Posting thematisiert. Wiewohl schon Louis Pasteur bemerkte, dass nur der vorbereitete Geist den oftmals versteckten Wert zufälliger oder unerwarteter Ergebnisse zu erkennen vermag (siehe Cartoon).

Und wie hat man nun am ehesten Erfolg in der Wissenschaft? Wir bleiben bei dem Statement, das in einem weiteren früheren Posting die Fantasiefigur „A.N. Gestaubt“ zum gleichen Thema abgegeben hat. Demnach gebe es zwar gewisse Grundstrukturen für Forschungserfolg, …

… dummerweise jedoch gibt es nicht den einen Königsweg, der sicher zu jedweder Erkenntnis führt. Ist ja auch klar, denn immerhin erforscht die Wissenschaft prinzipiell das Unbekannte. Woher soll man da vorher wissen, wie man am besten dorthin gelangt.


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