„Not amused“ über Asterix-Studie

28. Juli 2011 von Laborjournal

Verkehrte Welt. Da zeigen deutsche Forscher mal Humor und wer beschwert sich? Engländer! Dabei sind doch gerade die für diese Art Humor bekannt.

Worum geht’s? Eine Gruppe von Neurochirurgen von der Universität Düsseldorf um den Assistenzarzt Marcel Kamp analysierte alle Fälle von potentiellen Schädel-Hirn-Traumata in den insgesamt 34 Asterix-Bänden. Die Ergebnisse veröffentlichten sie schließlich in Acta Neurochirurgica (Vol. 153(6), 1351-1355). Marcel Kamp erklärte, dass sie das Paper eigentlich als Weihnachts-Artikel vorgesehen hatten, und zwar „irgendwo zwischendrin — natürlich nicht ganz ernst, aber auch nicht nur als Witz“.

Der Spiegel fasste die Studie schließlich folgendermaßen zusammen:

Die Risikofaktoren für das Auftreten einer anfänglichen Bewusstseinsstörung nach einem Schädel-Hirn-Traum sind demnach:

  • Römische Nationalität,
  • Verlust des Helms,
  • Heraushängen der Zunge,
  • Zaubertrank-Einnahme der Gallier.

So weit, so wenig überraschend. Die Zahlen aus mehr als 50 Jahren Asterix beeindrucken dennoch: Die Betroffenen sind zu 99 Prozent erwachsene Männer. Unfälle sind seltene Ausnahmen, 98 Prozent der Traumata gingen auf Körperverletzung zurück — und 64 Prozent der Opfer waren Römer. Die Gallier bilden mit insgesamt 120 Fällen die zweitgrößte Risikogruppe. Die Piraten traf es immerhin 59 Mal.

Dabei gab es oft mehr als nur eine Beule: Bei jedem zweiten Fall handelte es sich um ein schweres Trauma nach der Glasgow-Koma-Skala, wie die Fachleute notieren. In knapp 27 Prozent der Fälle deutete eine seitlich aus dem Mund hängende Zunge zudem auf eine Störung des XII. Hirnnervs. Er steuert die Zungenbewegung.

Viele Opfer hätten zudem anfänglich unter Bewusstseinsstörungen gelitten, auch Anzeichen für Schädelbasisbrüche bemerkten die Chirurgen. Dennoch gingen alle Angriffe anscheinend glimpflich aus: Kein Todesfall oder dauerhafter neurologischer Schaden ist dokumentiert. Was allerdings nichts heißen muss, wie die Wissenschaftler betonen: Die merkwürdige Abwesenheit dramatischer Folgen könne auch an der nachlässigen Nachbeobachtung liegen.

Und auch in der Post-Publication-Peer-Review-Plattform Faculty of 1000 äußerten sich zwei ‚Evaluatoren‘ positiv über die Studie. Wobei der Zürcher Tiermediziner Max Gassmann zu der „excellent retrospective study“ augenzwinkernd-kritisch anmerkte:

This paper is a ‚must read‘ as it broadens the horizon of every scientist seeking a more light-hearted view on research. The reader will, however, realize that there are some aspects of concern in the present work. First, no statement on the ethical permission is mentioned. Most probably, the chairman of the Roman ethical committee was the emperor himself. If so, it can be assumed that Julius Caesar would have given his permission as his legionnaires would have dramatically benefited from this study.

Second, while the impact of regularly doping is discussed thoroughly in the text, the authors do not comment on one individual case, Obelix, who suffered from a single, acute and elevated exposure to the magic potion. Neither the long-lasting effect of this dramatic doping intake nor the severe injury he inflicted on his enemies is presented.

Irgendwie logisch, dass gerade die Engländer diese Studie vielfach aufgreifen würden. Unter anderem brachten etwa der Guardian wie auch der Daily Telegraph Artikel zu Kamp et al. Doch völlig überraschend reagierten viele Leser ausgesprochen humorlos — wie etwa die folgenden Kommentare zeigen:

1) I am an advocate for comics scholarship, but this study is a joke.

I have read the actual paper and there is never an attempt in it to recognise the difference between fact and fiction or between human beings and fictional characters.

In its „Materials and Methods“ section, the authors say that „All 34 Asterix comic books were screened for TBIs“ [sic] (Acta Neurochir 2011:1352). How can comic books be screened for traumatic brain injuries? Actual beings (animals, humans) can, but not books. And not comic book characters either.

2) I am just so glad that we did not fund such a mindless waste of time examining these comics […] For gods sake why does the DT waste time reporting such stupidity?

3) I hope, as a tax payer, that no public funds went to pay for this vomit! For heavens sake (polite), why are we educating these waste of time self abusers to do research. […] Aren’t there enough real illness and injury in the world that we have to have this excreta printed as news.

4) So I assume that all serious topics of academic research have been satisfactorily concluded, then?

Wir wissen natürlich nicht, wie unsere Leser zu solchen ’semi-seriösen‘ Studien stehen. Wir wissen allerdings, was Obelix dazu sagen würde: „Die spinnen, die Engländer!“

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6 Gedanken zu „„Not amused“ über Asterix-Studie“

  1. BadBoyBoogie sagt:

    Bin ebenfalls total empört! Die Autoren dieser „Studie“ äußerten sich anscheinend weder zu den oftmals lebenslangen, psychotraumatischen Folgen derartiger Gewaltexzesse noch zum Problem der immanenten und Gender-bezogenen Diskriminierung der GallierInnen, die am Zaubertrankkessel zumeist rüde abgewiesen werden. DARÜBER müsste man forschen!!!!!!

  2. Ralf Neumann sagt:

    Auch die Mediziner hätten noch genügend weitere Themen, wie dieser Kommentator — allerdings auch etwas humorfrei — bemerkt:

    […] the real question here should be Obelix’s obesity. It’s cronic. It’s encouraging a generation that it’s ok to be overweight. could the scientific community please come back with the answer to the questions we need to ask PLEASE!

    Oder auch dieser Kommentator:

    There is also a serious problem of obesity in Asterix, not just Obelix but other such as Unhygienix and Vitalstatistix to name a few. It is highly likely that diabetes, heart problems, cancer etc would have been rife within the village. The magic potion itself was not subject to any standardised clinical trials and is likely to have had serious long term side effects, with possible associated brain injury and mental illness. This is not to mention the inevitable impact of menhir carrying on the lower spine and incidence of sciatica.

  3. BadBoyBoogie sagt:

    Von wegen „encouraging a generation that it’s ok to be overweight“… ich sach nur: „ICH BIN NICHT DICK!!! (bloß a bissele untersetzt…)“

    Der arme Kerl ist doch nahezu depressiv wegen seines Leibesumfangs. Von „Ermutigen“ zu Pommeskonsum oder was auch immer kann somit keine Rede sein (und überhaupt: leichtes Übergewicht ist eh „gesünder“ als Hungerhaken-Statur).

  4. Ralf Neumann sagt:

    Übrigens, die anderen zwei erwähnten Übergewichtigen, „Unhygienix and Vitalstatistix“, sind die englischen Ausgaben von Verleihnix und Majestix.

  5. Wahrheit sagt:

    Totaler Bullshit. Realität ist: Die Leute kriegen keine anständige Forschung hin und publizieren so einen Unsinn, damit sie ihre Paper zum Habilitieren zusammenkriegen. Das ist die Wahrheit und das sind dann die Dozenten von morgen….

  6. Oje sagt:

    Ich denke nicht, dass es sich um mangelnden Humor handelt. Wer darüber lacht hat vielleicht einen primitiven Humor oder ist auch mit plumpen Ansätzen zu amüsieren. Ich denke es gibt wichtige Dinge, die Platz in einem Journal finden sollten. Dieser Artikel hat einem anderen Artikel den Platz genommen und das ist bedenklich und schade. Das so etwas in F1000 Berücksichtigung findet und sich Professoren hierzu positiv äußern verwundert nicht. Im Konzert der Eitelkeiten und des wissenschaftlichen Schaulaufens versuchen alle „cool“ zu sein und Individualität und Aufmerksamkeit zu bekommen: die Autoren dieser Fiktion, die Gutachter der Fiktion und die Leser, die es gut finden und etwas vom Glanze der „Coolness“ abbekommen wollen….wenn man den Schwachsinn cool findet, ist man eben hip. Wer richtige Wissenschaft macht braucht so etwas nicht.
    Was da publiziert wurde gehört nicht mal in eine Tageszeitung….es ist wie der englische Kommentar oben sagte…..einfach nur….waste of time.
    Und ich stimme dem letzten Kommentar zu…es geht wohl nur um Publicity und Füllmasse für die nicht ganz umfangreiche Publikationsliste. Vielleicht wäre es ratsam die Energie in die Qualität der vermeintlich wissenschaftlichen Arbeit zu investieren.

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