Plötzlich ist das Paper weg

27. Februar 2013 von Laborjournal

Man stelle sich folgendes vor: Forscher Neu hatte einst aus diversen Gründen beschlossen, nur noch in Open-Access-Online-Only-Zeitschriften zu veröffentlichen. Als er also seine nächste Geschichte beisammen hatte, forschte er im Internet nach dem bestgeeigneten Titel — und schickte das Manuskript schließlich zum Journal of Experimental Surprises [*Name erfunden!*]. Alles klappte wunderbar, und schon kurze Zeit später konnte er sein Paper auf den Monitor rufen. Dennoch beschloss er aus einem nicht wirklich greifbaren Gefühl heraus, sein eingereichtes Manuskript nicht zu löschen, speicherte zudem das PDF seines JES-Papers auf seinen Rechner — und machte davon gar noch ein Dutzend Ausdrucke. Man konnte ja nie wissen…

Vier Jahre später wollte Neu in seinem JES-Paper schnell online etwas nachschauen. Doch das Journal of Experimental Surprises gab es nicht mehr. Diesen Beitrag weiterlesen »

Nature entdeckt den Profit in Open Access

15. November 2012 von Laborjournal

Immer mehr Forschungsförderer verlangen als Voraussetzung für die Projektförderung, dass die Wissenschaftler die resultierenden Publikationen frei zugänglich, also „Open Access“, veröffentlichen. Einige von ihnen gehen indes noch einen Schritt weiter und verpflichten die Forscher, zusätzlich dafür zu sorgen, dass deren Artikel unter eine sogenannte offene Creative Commons (CC) Lizenz gestellt werden, die dem Nutzer weitreichende Verwendungsoptionen eröffnet.

So fordern etwa der Wellcome Trust und die Research Councils UK (RCUK) in England, die von ihnen geförderten Projekte unter der CC-Lizenzvariante „By“ (CC-By) zu veröffentlichen. Diese offenste aller Varianten erfüllt explizit die Ansprüche der sogenannten Open Definition, wodurch Nutzer die jeweiligen Artikel kostenfrei sowohl privat wie auch kommerziell weiterverwerten können. Lediglich die Urheberschaft der Artikel muss hierbei vermerkt sein.

Die Argumentation der Forschungsförderer ist dabei so simpel wie einleuchtend. Die Entstehungskosten der Publikationen, so sagen sie, seien bereits durch die öffentliche Hand beglichen. Also sollten sie auch für jeden frei nutzbar sein.

Da die Forscher auf diese Weise zunehmend an die Open Access-Politik ihrer Förderorganisationen gebunden werden, gerät damit so manches altehrwürdiges Wissenschaftsblatt unter Zugzwang. Diesen Beitrag weiterlesen »

Boykott gegen Elsevier

30. Januar 2012 von Laborjournal

Die Forschergemeinde macht mobil gegen das Geschäftsgebahren des Scientific Publishing-Giganten Elsevier. Schon lange geht es vielen auf den Geist, dass man die Elsevier-Journals für großes Geld kaufen muss, um die  Ergebnisse der Kollegen, inklusive der eigenen, lesen zu können — obwohl diese zum allergrößten Teil durch die Leistungen Steuerzahler-geförderter Forschung entstanden sind.

Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt offenbar der neueste Geschäftstrick der Holländer, nach dem man Zeitschriften nur noch in „Bündeln“ abonnieren kann. Konkret heißt das, dass Bibliotheken Elsevier-Edelblätter wie etwa die Cell-Journals im Paket mit etlichen ungewollten „Ladenhütern“ bestellen müssen, die kaum einen interessieren. Und das kostet natürlich gleich mal einen ganzen Happen mehr als die jeweiligen Edelblätter alleine.

Die Community jedenfalls scheint jetzt ernst zu machen. Seit einigen Tagen läuft auf der Seite „The Cost of Knowledge“ folgende Protestaktion gegen die Elsevier-Politik, in der die Unterzeichner erklären, dass sie den Verlag jetzt solange boykottieren werden, bis er sein Geschäftsmodell radikal ändert:

(Mehr Details dazu gibt es auch auf der Seite des Initiators, Fields-Medaillen-Gewinner Tim Gowers.)

Bislang haben auf der Seite über 1.600 Forscher Elsevier wissen lassen, dass sie für den Verlag in Zukunft…:

… won’t publish, won’t referee, won’t do editorial work.

Von Sonntag nachmittag auf Montag morgen alleine sind knapp 300 neue Unterzeichner dazugestoßen. Es könnte also tatsächlich eine „kritische Masse“ zusammenkommen. Durchaus zurecht, wie auch wir von der Laborjournal-Redaktion meinen.

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