„Re-Inkubiert“ (1)

26. Juli 2013 von Laborjournal

(Urlaubszeit in der Laborjournal-Redaktion. Nicht zuletzt deshalb machen wir es in den kommenden Wochen wie das TV: Wir bringen Wiederholungen. Bis Ende August erscheint jede Woche, jeweils im Wechsel mit einem weiteren „Best of Science“-Cartoon, eine bereits in Laborjournal print publizierte Folge unserer „Inkubiert“-Kolumne. Sicher, alle schon ein wenig älter — aber eigentlich noch immer aktuell.)

 

Wer nix publiziert, zählt nix in der Forschung. Und wer wenig publiziert, sollte sich am besten auch rechtzeitig nach einer anderen Tätigkeit umsehen. Man kann kritteln und klagen, soviel man will — dass eine deutliche Korrelation zwischen Zahl der Paper und Zahl der Sprossen auf der Karriereleiter besteht, ist heute einfach Fakt. Und auch die vielen negativen Begleiterscheinungen sind inzwischen weithin bekannt. Zuvorderst natürlich der Zwang zum immer schnelleren Artikel-Austoß — oftmals mit der Folge anhaltender Paper-Diarrhoe: Der Ausstoß wird immer dünner und wässriger, verliert an Farbe und Substanz — nur stinken tut er manchmal intensiver. Entsprechende „Abführmittel“ gibt es einige, die meisten sind zumindest zweifelhaft. Der Institutsleiter etwa bevorzugt das Fläschchen mit der Aufschrift „Ehrenautorenschaft“; Postdocs bis Außerordentliche dürften sich eher der Salami-Taktik bedienen, auch bekannt als „Prinzip der kleinsten publizierbaren Einheiten“. Ganz ähnlich, vielleicht noch ein wenig raffinierter, funktioniert das Verfahren des größtmöglichen Überlapps: Ich publiziere erst die Ergebnisse A, B, C und D, im nächsten Paper dann B, C, D zusammen mit E, danach C, D, E mit F, und so weiter. Also gerade noch keine wirklichen Doppelveröffentlichungen, denn die sind ja verboten. Genauso wie Abschreiben und Daten Erfinden, aber das machen ja nur völlig Gewissenlose. Einzig effektive „Therapeuten“ sind die Gutachter, die im Idealfall mit ihren Ablehnungen so manchen „Dünnpfiff“ vorübergehend kurieren können. Doch auch diese Front bröckelt: Als etwa der Editor des Journal of Occupational and Environmental Medicine kürzlich ein Manuskript des US-Forschers David Egilman ablehnte, kaufte dieser kurzerhand eine Doppelseite Werbefläche im nächsten Heft und ließ es dort im Originallaut drucken. Schon enorm, welche Originalität und Kreativität Forscher entwickeln können, um zu Veröffentlichungen zu kommen. Vielleicht sollten sie die mal lieber in ihre Experimente investieren.

(aus Laborjournal 9-2005, Foto: © cameraman — Fotolia.com)

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Ein Gedanke zu „„Re-Inkubiert“ (1)“

  1. D.S. sagt:

    Es ist leider genauso wie es in dem Blogeintrag steht. Es zählt nur publizieren und sonst nix. Schlimm das es so ist!

    Eine Frage am Rande wo ja eh gerade Ferien sind. Was haltet Ihr davon die Texte die auf der normalen Laborjournal-Seite stehen zur Diskussion freizugeben. Gerne würde ich, und sicherlich andere auch, mal auf diese Beiträge antworten.

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