Der ganz normale Wahnsinn im Labor… (1)

17. Juni 2013 von Laborjournal

Es ist ein Alptraum. Deine Gelkammer ist verschwunden, samt Gel. Trotz unübersehbarer Signierung: „Pfoten weg, sonst Backe.“ Dabei bist Du heute extra früh raus, um Dir einen der heiß begehrten Elektrophoreseplätze zu sichern — und jetzt ist das Gel weg.

Natürlich ist der Übeltäter schnell gefasst: „Ich muss doch dieses Gel noch fertigkriegen für meine Arbeit“, stammelt Pubsi. „Es sind aber noch zwei Slots frei, wenn Du willst?“ Zwei Slots? Ich brauche sieben…

Na super! Und was nun? Paper lesen? Keine Lust. Puffer machen? Zwecklos. Noch ehe Du zwei Leuten „Guten Tag“ gesagt hast, sind die auch wieder leer — natürlich nur „geborgt“, versteht sich. Außerdem hat irgendein Trottel schon wieder meine Pipetten entführt, und ich will nicht jeden Tag aufs neue Ostern  spielen.

Eigentlich müsste ich ja dringend ein paar Kulturen ansetzen. Doch ist der Schüttler genau bis Übermorgen belegt. Hammerversuch von Schmuus — riesige Kolben mit Zeugs, das aussieht wie Urin (und auch so riecht). Am Schüttler hängt ein Zettel: „Benutzung nur nach Absprache“, steht da drauf. „Ansonsten entferne ich jedes Objekt von diesem Teil“. Noch ist der Schüttler leer, ich nutze die Gunst der Stunde und belade ihn hämisch grinsend mit ein paar Wasser-Kolben. Zuvor habe ich sie beschriftet: „Zum Entfernen! (für Schmuus)“. Damit seine offensichtliche Entschlossenheit nicht gänzlich unbefriedigt bleibt.

Die letzten Sequenzen könnte ich mir noch mal durchschauen. Wenn der Computer nicht schon besetzt wäre. So früh am Morgen? Haben die alle kein Zuhause, oder was? Es geht hier zu wie im Affenhaus.

Der Sequencer ist auf vier Wochen im Voraus ausgebucht. Doch halt! Sehe ich da etwa meinen Namen blinken? Heute? Vier freie Bahnen auf dem Gel, nur für mich — Juchuh! Ich muss sie irgendwann mal prophylaktisch reserviert haben, falls ich sie gerade heute brauche. Und in der Tat, sie kommen mir gar nicht ungelegen. Schnell den Kit raussuchen. Nach 30 min Kramen hab ich ihn dann auch, zum Glück ist noch genug da. Jetzt noch schnell Pipetten geklaut und los geht’s. An den beiden PCR–Geräten jedoch wird mein Tatendrang sofort wieder massiv gebremst — natürlich sind beide randvoll. Wie sollte es auch anders sein an einem Tag wie heute.

Manche Menschen kämpfen ihr Leben lang gegen das Chaos und kommen einfach nicht dagegen an. Und hier bei uns scheint sich dieser Menschenschlag irgendwie zu häufen…

Doch plötzlich sticht mir eine Gelform ins Auge, ein bisschen kaputt schon, aber noch reparabel. Vorsichtig kleben und jetzt nicht mehr aus den Augen lassen, am besten mit zum Frühstück nehmen. Auf ins Getümmel, jetzt kann der Tag beginnen.

Dabei hattest Du eigentlich gerade beschlossen aufzuräumen. Hmm…, ach was! Was Du auf morgen verschieben kannst, ist es irgendwie auch nicht wert, schon heute getan zu werden.

(Die Geschichte erreichte die Laborjournal-Redaktion einst sinngemäß per E-Mail. Wer noch mehr über den ganz normalen Alltag im Labor zu erzählen hat — immer her damit: redaktion@laborjournal.de)

(Foto: kryptajuliett — Fotolia.com)

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