Nachwuchsforscher ohne Ideen?

26. November 2018 von Laborjournal

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Haben Nachwuchsforscher keine guten Ideen mehr? Man könnte es meinen, wenn man sich so umhört.

Eine Protagonistin der hiesigen Mikrobiologie berichtet beispielsweise folgendes über die Sammel-Begutachtung von 15 Anträgen für Postdoc-Stipendien:

Auf den ersten Blick klingen alle ganz gut. Klar geschrieben, logisch aufgebaut, zielführende experimentelle Strategie,… Wenn man aber fragt, welche wirklich neuen Erkenntnisse das Projekt bringen könnte, bleibt bei allen Anträgen nicht mehr viel übrig. Da will etwa der eine mit Organismus X machen, was schon mit A, B und C gemacht wurde. Oder die andere mit einer neuen Methode einen Prozess beobachten, der schon ausreichend detailliert beschrieben ist. Ich habe das Gefühl, den Leuten fallen immer weniger interessante Fragen ein. Es fehlen echte Ideen…

Und auf die Frage, woran das liegen könnte, antwortet sie:

An der Ausbildung. Es gibt keine Veranstaltungen, in denen man gezielt versucht, den Leuten kreative Wissenschaft beizubringen: Wie man echte Themen erkennt, gute Fragen stellt und Ideen entwickelt — und wie man daraus schließlich testbare Hypothesen ableitet und aussagekräftige Experimente konstruiert.

Passend dazu der folgende Bericht eines alten Querdenkers der Zellbiologie:

Vor ein paar Monaten habe ich während einer Tagung die übliche Postersession besucht. Alles junge Leute — und ein Poster langweiliger als das andere. Keine wirklichen Fragen. Stattdessen ging es meist darum, über ein kleines Detail noch mehr Details herauszubekommen. Ich habe mir dann den an sich traurigen Spaß gemacht, die Leute der Reihe nach zu fragen, wie sie denn überhaupt zu ihren Projekten gekommen sind. Und wissen Sie, was die alle geantwortet haben?… — „Hab’ ich von meinem Betreuer angewiesen bekommen.“

Das Schöne an beiden Anekdoten ist, dass sie nicht platt auf die „blöden“ Nachwuchsforschern als Verantwortliche für die vermeintliche Kreativitäts- und Ideenkrise einhacken. Vielmehr schimmern allzu klar schlampige Ausbildung und Betreuung als wahre Wurzeln des Übels hindurch.

Ralf Neumann

(Wir bringen an dieser Stelle öfter mal bereits früher publizierte Texte, um abzuklopfen, ob sich an den geschilderten Themen und Problem seitdem etwas geändert hat. Der obige Text erschien als „Inkubiert“ in Laborjournal 6/2015 (S. 8). Aktuelle Meinungen dazu?)

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Ein Gedanke zu „Nachwuchsforscher ohne Ideen?“

  1. bombjack sagt:

    Hm….was ist eine gute Idee?

    Wie risikoreich ist eine gute Idee und vor allem wie schaut es mit der Bereitschaft aus eine gute Idee zu finanzieren, besonders auch wenn es nicht so klar ist, was dabei herauskommt?

    Publish or perish dürfte da auch einen ziemlichen Teil dazu beitragen….

    bombjack

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