Der hohe Preis der Strahlkraft

13. Juni 2016 von Laborjournal

Gerade folgenden netten Ausschnitt aus einem Laborjournal-Text von 2003 (!) wiedergefunden:

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Mit der Wissenschaft ist es wie mit der Glühbirne.

Betrachten wir zu­erst die Glühbirne. Deren Leuchten ist uns viel wert — aus gutem Grund: Wir stolpern im Trüben nicht über ungeahnte Hindernisse, und wir erkennen im Dunkeln Dinge, die uns ansonsten verborgen blieben. Kurzum: Wir finden uns damit besser zurecht in der Welt.

funzelDer Aufwand aber, um Birnen zum Leuchten zu bringen, ist groß, ja erscheint geradezu unvernünftig ineffizient. Viel elektrische Energie fließt hinein, doch nur wenige Prozent werden in Licht umgewandelt — der Löwenanteil wird stattdessen nutzlos zur Wärmeproduktion verschwendet. Anders geht es einfach nicht. Bislang ging noch jeder Versuch, dieses vermeintlich schlechte Verhältnis zu verbessern, unweigerlich auf Kosten der Leuchtkraft.

Es bleibt also dabei: Wenn man satt leuchtende Glühbirnen will, muss man einen Haufen fehlgeleitete Energie in Kauf nehmen.

Ähnlich ist es in der Wissenschaft: Nicht umsonst heißt es, dass die Forschung im besten Fall „Licht ins Dunkel“ bringt. Man dringt ein in dunkles, unbekanntes Terrain und durchleuchtet es; man denkt bisher Ungedachtes und erkennt am Ende bislang Unbekanntes. Ganz klar, dass dies immer riskant ist und zu viel mehr Fehlschlägen führt als zu „strahlenden“ Entdeckungen.

Auch hier verpufft also viel Energie vermeintlich nutzlos. Und viele Mittel. Doch wie bei der Glühbirne scheint dies zu einem gewissen Grad die unvermeidliche Kehrseite für die „strahlende Leuchtkraft“ der Forschung.

Wahrhaben wollen die Forschungspolitiker dies aber jedoch nicht. Statt dessen trachten sie hartnäckig danach, die Risiken für Fehlschläge in der Forschung zu minimieren. Und merken nicht, dass sie der Wissenschaft damit zugleich die nötige Gesamtenergie zum „satten Leuchten“ nehmen. Am Ende bleibt vielleicht nur ein mageres Lichtlein, das nicht mehr ausreicht, um in wahrhaft dunkles Terrain aufzubrechen. Lieber leuchtet man ein paar schummerige Ecken in ansonsten gut beleuchteten Räumen aus.

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Bei der Beleuchtung hat sich in Sachen Energieeffizienz ja ein wenig getan in der Zwischenzeit. Und in der Wissenschaft?

Wo sind die „Doktorväter“?

8. März 2013 von Laborjournal

„Doktorvater“ (oder „Doktormutter“). Wer sagt das heute eigentlich noch? Liegt das am etwas altbackenen Klang? Hat unsere dynamische, sich ständig modernisierende Sprache den „Doktorvater“ über den Tellerrand gekippt, wo er jetzt im nebeligen Sumpf süßlich-verklärter Nostalgie dümpelt? Verdrängt durch das pragmatisch-schnodderige „mein Prof“ oder die Allerweltsfloskel „mein Chef“?

Oder steht „Doktorvater“ heute auf der Liste der gefährdeten Wörter, weil die, die der Begriff bezeichnen soll, heute ebenso fast ausgestorben sind? Die gelehrten Persönlichkeiten, die ihren Schülern tatsächlich noch Vorbild sind — fachlich sowieso, aber auch als Mensch und Charakter; aus deren reichen Erfahrungsschatz man sich zum Wohle der eigenen Erkenntnis bedienen kann; die einen aber auch zu Konflikten zwingen wie mit dem leiblichen Vater; an denen man das eigene Profil durch ständige Reibung schärft und von denen man sich, wenn der rechte Zeitpunkt gekommen ist, sauber abnabelt.  Diesen Beitrag weiterlesen »

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