Silvia Bulfone-Paus und die wilde 13

13. Dezember 2011 von Laborjournal

Zwölf Publikationen der Immunologin Silvia Bulfone-Paus vom Forschungszentrum Borstel sind wegen manipulierter Daten bereits zurückgezogen (siehe auch Laborjournal 7-8/2011, S. 16 ff. und 21). Jetzt kam mit dem 2000er-Paper „An Interleukin-2-IgG-Fas Ligand Fusion Protein Suppresses Delayed-Type Hypersensitivity in Mice by Triggering Apoptosis in Activated T Cells as a Novel Strategy for Immunosuppression“ in Transplantation (vol. 69: 1386-91) nochmals eine hinzu.

In der Retraction Note heißt es etwas spärlich:

The Editors and Publisher retract the article by Bulfone-Paus et al. published in Transplantation (Vol. 69, pp. 1386–1391, April 15, 2000) because of the inaccurate information provided for Figures 4 and 5.

Jörg Zwirner wies bereits im Juni in seinem Abnormal Science Blog darauf hin, dass Teile der Fig. 5 offenbar 1:1 aus einer früheren Erstautor-Publikation von Silvia Bulfone-Paus in Nature Medicine (Nat Med. 1997; 3: 1124-8) übernommen wurden — obwohl die betreffenden Experimente angeblich in verschiedenen Mäusestämmen durchgeführt wurden. Über Fig. 4 schrieb er damals nicht.

Diese „Nummer 13“ ist allerdings noch aus einem ganz anderen Grund „wild“. Denn als „die Bösen“ entlarvte die unabhängige wissenschaftliche Untersuchungskommission  Bulfone-Paus‘ damalige Postdocs Elena Bulanova und Vadim Budagian. Im vorläufigen Bericht hieß es:

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass es innerhalb der Laborgruppe „Immunbiologie“ über Jahre hinweg zu wissenschaftlichem Fehlverhalten gekommen ist. In 6 von insgesamt 8 der analysierten Publikationen, bei denen die beiden ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter, Dr. E. Bulanova und Dr. V. Budagian, als Erstautoren zeichneten, wurde Manipulation von Abbildungen festgestellt, d.h. die Manipulation der Wiedergabe von wissenschaftlichen Ergebnissen.

Silvia Bulfone-Paus selbst wird zwar gerügt, aber prinzipiell aus der Schusslinie genommen:

Die Kommission ist der Auffassung, dass von einer mangelnden Wahrnehmung der Aufsichtspflicht der Seniorautorin/Arbeitsgruppenleiterin ausgegangen werden muss, auch wenn es sich bei den Erstautoren der beanstandeten Publikationen um erfahrene Wissenschaftler handelt. Die Seniorautorin/Arbeitsgruppenleiterin trägt daher in dieser Funktion auch eine wesentliche Verantwortung für das wissenschaftliche Fehlverhalten innerhalb ihrer Arbeitsgruppe.

In der Autorenliste von Retraktion Nummer 13 ist nun allerdings weit und breit keine Spur von Bulanova und Budagian. Vielmehr ist Frau Bulfone-Paus selbst Erstautorin des zurückgezogenen Transplantation-Papers, wie auch des Nature Medicine-Papers, aus dem offenbar Teilabbildungen übernommen und neu etikettiert wurden. Zudem ist das Muster der mutmaßlichen Manipulation ähnlich, wie es Frau Bulfone-Paus selbst im Laborjournal-Interview vor einem halben Jahr (Heft 7-8/2011, S. 21) für die Bulanova/Budagian-Retraktionen beschrieben hat:

Es geht bei diesen Manipulationen nicht um Fabrikation von Kerndaten, sondern meistens um Kontrollen — zum Beispiel wurden vorhandene Gel-Banden künstlich nachgebessert und verstärkt, vermutlich um Daten zu „optimieren“.

In der erwähnten Fig. 5 der zurückgezogenen „Nummer 13“ waren es zwar keine Gelbanden, dafür aber ebenfalls die Milzschnitte einer angeblichen Negativ-Kontrolle, die jetzt als „inakkurat“ beanstandet werden.

Das letzte Wort in dem Fall scheint daher noch lange nicht gesprochen. Auch wenn es gerüchteweise heißt, dass Frau Bulfone-Paus im Frühjahr wieder in ihre niedergelegten Ämter zurückkehren soll.

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