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Tipp 149:
Elektronik auf Tauchstation - Elektro-Balneologie

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Trick 149

Eigentlich beschäftigt sich Peter Nielsen (l.) als Gruppenleiter am Freiburger MPI mit der ­Genexpression bei der Entwicklung von B-Zellen während Christoph Gartmann die dortige Servicegruppe für die elektronische Verarbeitung wissenschaftlicher Daten leitet. Aber manchmal betätigen sich die beiden auch als Balneologen für Elektrogeräte.

Im ersten Moment dachte­ der LJ-Redakteur an einen Aprilscherz. Das ist der untenstehende Tipp aber nicht, denn er funktioniert tatsächlich.

Im Labor wie auch im normalen Alltag begegnet man auf Schritt und Tritt Handys, PDAs, Navigationsgeräten, Netbooks oder Computern. Wie alle elektronischen Geräte haben diese eine Aversion gegen Nässe. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass sie mit Kaffee, Wasser, Schweiß, Pufferlösungen, Kamillentee mit Honig oder schnödem Putzwasser in mehr oder minder ausgiebigen Kontakt kommen was üblicherweise einen Totalausfall zur Folge hat. Wohl dem, der dann Zugang zu einem gut ausgestatteten Labor und einer EDV- oder Elektronikwerkstatt hat.

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Es empfiehlt sich, ein Gerät mit Wasserschaden sofort auszuschalten, weil sonst Kurzschlüsse entstehen können. Um festzustellen ob das gute Stück noch funktioniert, sollte man es vor einem Test soweit als möglich trocknen (evtl. ein bis zwei Tage bei Raumtemperatur stehen lassen). Wenn das Gerät den kurzen Funktionstest nicht übersteht, empfehlen wir die folgende Badekur, um es wieder fit zu machen.

Zunächst öffnet man das Gerät, zerlegt es soweit als möglich und baut Akkus oder Batterien aus (manchmal muss man diese auch auslöten). Dasselbe gilt für Festplatten. Diese Bauteile sind von Hause aus wasserdicht und haben demzufolge keine weitere Behandlung nötig. Die restlichen Komponenten, auch Touchscreens, sind meist erstaunlich robust und überstehen die nachfolgende Prozedur klaglos.

Die Teile spült man ausgiebig in destilliertem! (nicht deionisiertem) Wasser oder taucht sie unter und badet sie für ein bis zwei Stunden. Falls vorhanden hilft ein Schütteltisch, die Bauteile in dem Wasserbad sachte zu schwenken. Dieser erste Behandlungschritt entfernt Kamillentee, Honig, Salze und Tenside. Übrig bleiben Wasser und eventuell auch noch Kaffeefett. Also folgt ein zweiter Spül- und Tauchgang in 80%-igem Ethanol analog zum Ersten. Das Ethanol löst die Fettrückstände und nimmt auch etwas Wasser auf und verdunstet schnell.
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Anschließend trocknet man die gewaschenen Geräteteile. Die gröbste Feuchtigkeit, die meist in schlecht zugänglichen Stellen sitzt, etwa zwischen den Display-Schichten, wird man durch fünf bis zehnminütiges zentrifugieren bei 10 bis 20 g los. Danach tun ein Exsikkator in entsprechender Größe und eine Vakuumpumpe gute Dienste. Da sich Nässe in den feinen Ritzen und Winkeln elektronischer Bauteile hartnäckig halten kann, trocknet man über Nacht.

Alternativ oder zusätzlich kann man die Teile auch im Trockenschrank bei 37 bis 42 °C inkubieren, das Vakuum hat sich bei uns aber als effizienter erwiesen. Nachfolgend muss man die Teile wieder zusammenbauen oder löten (dabei können Digitalfotos, die man während des Zerlegungsvorgangs gemacht hat, hilfreich sein).

Für Tastaturen haben wir einen etwas modifzierten Tipp: die Tasten entfernt man und packt den Rest in die heimische Spülmaschine, die man mit sehr wenig Spülmittel laufen lässt. Für die Trocknung der Tastatur ist ein großer Exsikkator nötig. Wer diesen nicht hat, kann hierfür die Ultrazentrifuge zweckentfremden. Die Rotorkammer der Ultrazentrifuge (ohne Rotor) lässt sich vakuumieren und bietet genügend Platz für eine komplette Tastatur. Die so missbrauchte Zentrifuge sollte man aber möglichst nicht in Rotation versetzen und laufen lassen.

Wir haben dieses Verfahren an Handy, PDA, Notebook und Tastaturen erfolgreich getestet. Das Risiko, das Sie dabei eingehen, ist übrigens sehr gering, denn wenn die Bade-Prozedur schief geht, ist das Gerät genauso kaputt wie vor der Aktion.

Peter Nielsen & ChristophGartmann
(Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Uni Freiburg)





Anmerkung des Webmasters:

Die folgenden Bilder sind nichts für schwache Nerven. Das Verhältnis zu Ihrem iPod, Ihrer Tastatur und Ihrer Maus könnte nachhaltig leiden. Bitte scrollen Sie nur weiter nach unten, wenn Sie ganz sicher sind, daß Sie dazu bereit sind.


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Letzte Änderungen: 23.05.2011


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