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Berufsrisiko

Erlebnisse einer TA (18)

Annette Tietz


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Die TA

Neben vielen Methoden, Regeln und Vorschriften lernt man als TA vor allem zwei Dinge: genaues Arbeiten und Ordnung halten. Man liest sich Protokolle genau durch und versucht sich möglichst penibel an die vorgegebenen Mengen/Temperaturen/Zeiten und so weiter zu halten. Man versucht mehrere Experimente ineinander zu verschachteln, um den Zeitverlust minimal zu halten. Werden bestimmte Reagenzien leer, bestellt man sie sofort nach, damit man erst gar nicht in Panik geraten muss, sollte mal wieder eine Schublade leer sein.

So tragen auch sämtliche geöffneten Testkits ein Öffnungsdatum, damit man im Zweifelsfall nachvollziehen kann, ob der Versuch deswegen nicht funktioniert hat, weil man zu alte Substanzen verwendet hat. Im Labor ist das auch durchaus sinnvoll und mehr oder weniger überlebenswichtig. Leider musste ich schon feststellen, dass sich bestimmte Abläufe auch im privaten Bereich eingeschlichen haben.

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Laboralltag zu Hause

So kam es tatsächlich schon vor, dass ich beim Kuchen backen wegen fehlender zehn Gramm Butter noch mal in den Supermarkt gedüst bin, weil ich mir einbildete, dass das Resultat (Kuchen) nicht mit dem Resultat (Kuchen vor drei Monaten) übereinstimmen könnte und somit das Ergebnis nicht vergleichbar sei.

Als ich neulich einen geriebenen Käse aus meinem Kühlschrank hervorkramte wunderte ich mich über folgende Aufschrift: opened 21.06.07. Etwas verwirrt hielt ich die Packung in der Hand und versuchte mich daran zu erinnern, ob ich jetzt tatsächlich den schwarzen Edding in die Hand genommen hatte, um auf die Käsepackung das Öffnungsdatum zu schreiben. Da es meine Handschrift war, stellte ich mich darauf ein, dass von nun an wohl sämtliche Haushaltswaren ein von mir persönlich ausgestelltes Öffnungsdatum tragen.

Das alleine wäre ja noch gar nicht so abwegig... Ich suchte neulich sogar etwas, womit ich meinen Messbecher zudecken kann. Schließlich hatte ich flüssige Sahne und Milch zusammen geschüttet, und das muss ja auch gemischt werden. Klar denkt man da sofort an Parafilm, aber hätten Sie den denn zu Hause? Ich bisher noch nicht...! Auch musste ich feststellen, dass es nicht gerade von Vorteil ist, dass ich keinen durchsichtigen Messbecher besitze. Wie sollte ich denn da den Meniskus einstellen? Das wird wohl meine nächste Anschaffung sein.

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Protokoll eines Abendessens

Neulich ertappte ich mich dabei, mir einen Kochplan aufzustellen. Darin stand eine genau geplante Reihenfolge, was wann zu welcher Zeit gekocht, geschält oder in den Ofen geschoben werden muss, um möglichst wenig Zeitverlust und zu einer bestimmten Zeit alle Ergebnisse gleichzeitig vorliegen zu haben.

In einem Kochrezept stolperte ich über die Angabe einer Zutat: „eine Handvoll” sollte ich dazu geben. Irgendwie ungenau. Ich stellte mir gerade vor, wie in einem Protokoll geschrieben steht: „eine Handvoll ETDA zugeben”. Während ich mir noch über diese ungenaue Angabe den Kopf zerbrach, kam mein ganzer Zeitplan durcheinander und ich beschloss die Ofen-Inkubationszeit um fünf Minuten zu verkürzen.

Ich habe sogar schon angefangen eine Bestandsaufnahme meines Küchenschrankes anzufertigen, damit von allem immer genug da ist und es zu keinen Engpässen kommt (siehe Butter). Meine Kollegin erzählte mir neulich, dass sie es begrüßen würde, auch zu Hause eine Liste an den Vorratsschrank zu hängen, in die man, wie im Labor üblich, das einträgt, was man herausgenommen hat. Allerdings zeigte sich ihr einjähriger Sohn davon völlig unbeeindruckt.

Ich glaube mittlerweile, dass diese Angewohnheiten unter „Berufsrisiko” abzulegen sind und hoffe, dass der TA-Beruf keine weiteren Nebenwirkungen nach sich zieht. Ansonsten könnte man sich sicher vertrauensvoll an seinen Chef oder die telefonische Beratung gewisser Firmen wenden. Auch auf die Gefahr hin, dass man sich wegen seiner nicht vorhandenen Schwangerschaft rechtfertigen muss.

Es fehlt eigentlich nur noch, dass man seine Gäste nach dem Essen fragt, ob das Geschmacksresultat innerhalb der Standardabweichung liegt...



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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