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Man lernt nie aus

Erlebnisse einer TA (4)

Annette Tietz


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Die TA

Hätte ich den ganzen Tag Englisch reden wollen, hätte ich da nicht Englisch studiert? Als Frischling, gerade der MTA-Schule entsprungen, hat man ja nicht wirklich eine Vorstellung, was da so auf einen zukommt. Da kämpft man sich drei Jahre durch das Labyrinth des menschlichen Körpers, mit all seinen Regelkreisen, Funktionen und Krankheiten, glaubt, man bekommt diese ganzen lateinischen Wörter nie in sein armes Hirn, und was passiert? Am Ende kann man sich nicht mehr mit Otto-Normalverbraucher unterhalten, weil einem partout das deutsche Wort für Mamma-ca nicht einfällt.

Verlust der Muttersprache

Die Drohung, am Anfang der Ausbildung ausgesprochen, wird wahr: „Am Ende können Sie gar nicht mehr anders, da reden dann alle nur noch von megaloblastärer Anämie, hepatorenalem Syndrom oder Streptokinaseresistenztest.“

Ich habe es wirklich nicht geglaubt!

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Und es kam noch schlimmer: Nach dem Verlust der Muttersprache und der neu erworbenen Zugehörigkeit im Medizinermilieu fühlt man sich gewappnet für den neuen Alltag als technische Assistentin – sofern man in einem Routinelabor anfängt. Denn die Voraussetzungen dafür sind nach drei Jahren Ausbildung gegeben, zumindest was das Verständnis betrifft.

Schlägt man jedoch den anderen Weg ein und geht in die forschende Wissenschaft, fühlt man sich bei den unvorstellbar vielen neuen Abkürzungen und Begriffen sofort erschlagen. Warum kann man mich nicht einfach fragen, ob ich den Antikörper schon vorverdünnt habe? Warum lautet die Frage stattdessen: „Ist da schon die final dilution vom FITC-Isotyp im tube?“

Laborsekretärin?

Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich diesen Beruf gelernt habe oder ob ich nicht gerade bei der falschen Hausnummer eingebogen bin und mich in der Türe geirrt habe.

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So fragte mich mein erster Chef im Vorstellungsgespräch: „Kennen Sie schon ein FACS?“ Hatte ich mich fälschlicherweise als Sekretärin beworben und er erwartete nun, dass ich täglich irgendwelche Faxe durch die Maschine jage? „Ein Durchflusszytometer“, riss er mich aus meinen Gedanken. Durchflusszytometer, aha, nee, noch nie gehört. Auch wenn man in drei Jahren sehr viele, vielleicht auch zu viele neue Begriffe kennen lernt, ein Durchflusszytometer war da nicht dabei. „Und das hier ist unser Radioaktivlabor für Sondenlabeling und 3H-Thymidineinbau.“ Ich nickte nur sparsam und versuchte einen interessierten Eindruck zu machen.

Untiefen im Laboralltag

Wo war ich da gelandet? Hatte ich nicht schon genug gelernt, und wollte es möglichst sinnvoll anwenden? Fange ich wieder von vorne an und stürze in Untiefen, von denen man sich keinerlei Vorstellung machte?

Ja! Schaue ich mich in einem wissenschaftlichen Labor um, kommt mir außer der Kaffeemaschine im Kaffeeraum keines der Geräte bekannt vor. Überall blinkt es, und alle diese hochtechnischen Geräte sind sündhaft teuer, funktionieren nicht immer so, wie ich es will, scheinen ein Eigenleben zu führen und haben alle mehr Ausnahmen als Regeln.

Die Sprache der Wissenschaft

Überhaupt musste ich ziemlich schnell feststellen: Wissenschaft in Deutschland heißt keineswegs, dass man auch deutsch redet. Geschweige denn schreibt. Alle Protokolle sind in Englisch geschrieben, es hilft auch nicht, das Blatt zu wenden!

Anfangs habe ich noch im Inhaltsverzeichnis nach dem deutschen Protokoll für einen Kit gesucht, vergeblich. Auch Seminare und Besprechungen werden auf Englisch geführt, Diskussionen über Paper entfernen sich von der so hart antrainierten Muttersprache. Wäre auch zu komisch, wenn der eine auf polnisch erklärt und der andere auf indisch antwortet, oder?

Aber wie heißt es so schön: Man kann ja alles lernen.

Nach einiger Zeit merkt man gar nicht mehr, wie sich die Routine in die Wissenschaftssprache einschleicht und man sich nur noch mit Wissenschaftlern über seinen Beruf unterhält. Und so ertappte ich mich dabei, dass ich in der Mittagspause fragte: „Is there any coffee left?“



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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