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Buchbesprechung

Juliet Merz


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Volker Hahn:
Die souveräne Expertin – 77 Tipps für die verbale Wissenschaftskommunikation.
Herausgeber : Springer; 1. Aufl. 2020 Edition (7. November 2020)
Sprache : Deutsch
Taschenbuch : 216 Seiten
ISBN-10 : 3662617226
ISBN-13 : 978-3662617229
Preis: 16,99 Euro (E-Book), 22,99 Euro (Softcover)

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Mund auf, Wissenschaft raus

(10.05.2021) Wissenschaft ist faszinierend – zumindest für den beteiligten Wissenschaftler. Wer aber der großen Masse die eigene Forschung verständlich erklären und sie mitreißen möchte, sollte sich in guter Wissenschaftskommunikation üben. Das Buch von Volker Hahn gibt Tipps, wie das funktionieren kann.

In einer Zeit, in der Fakten ignoriert oder interessengeleitet umgedeutet werden, ist Wissenschaftskommunikation ein Hoffnungsträger, dieser Strömung entgegenzuwirken. Wissenschaftler stehen deshalb immer häufiger in der Pflicht. Sie sollen der Öffentlichkeit bereitwillig Einblicke in ihren Forschungsalltag gewähren. Damit auch fachfremde Mitmenschen nicht nur Bahnhof verstehen oder vor Langeweile jegliches Interesse für wissenschaftliche Themen verlieren, will gute Wissenschaftskommunikation gelernt sein. Wie man das am besten anstellt, thematisiert Volker Hahn in seinem Buch „Die souveräne Expertin“. Darin gibt der studierte Biogeochemiker 77 Tipps für die verbale Wissenschaftskommunikation, die er über die Jahre als Wissenschaftler, Journalist, Medientrainer und Pressestellenleiter, aktuell am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, gesammelt hat.

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Obwohl der Titel anderes erwarten lässt, richtet sich das Buch aber nicht ausschließlich an Wissenschaftlerinnen, sondern ebenso an die männliche Kollegenschaft. Ziel ist es, auf Fragen rund um die eigene Forschung souverän sowie verständlich antworten zu können und den Zuhörer zu begeistern, egal ob beim Zaungespräch mit dem Nachbarn, einem Vortrag auf einem wissenschaftlichen Symposium oder einem TV-Interview.

Kurz, knackig, hilfreich

Das gerade mal 190 Seiten dicke Büchlein ist kompakt und verzichtet auf ausschweifende Erklärungen. Kurz und knapp gibt der Autor Tipps für unterschiedliche Themen rund um die Kommunikation von Wissenschaft. Dabei erfährt der Leser beispielsweise, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist, wie man seinen Erzählstil verbessern kann oder was die eigene Körpersprache über einen verrät. Für alle, die nur wenig Zeit haben, verweist Hahn direkt zu Beginn auf die aus seiner Sicht wichtigsten fünf Tipps. Darunter Tipp 12: Den Journalisten überzeugen.

Hahn verdeutlicht anhand eines Beispiels (ein Tagesschau-Bericht über Erdbebenforschung), welche Macht Journalisten durch die Auswahl von Interview-Ausschnitten und das Formulieren des Textes haben und Ergebnisse oder Aussagen auf ganz unterschiedliche Art und Weise interpretieren sowie formulieren können. Deshalb reiche es nicht, ein gutes Interview einfach zu „absolvieren“. Wissenschaftler müssen laut Hahn den Journalisten für sich gewinnen und überzeugen. Ein inhaltlicher Austausch und respektvoller Umgang sei dafür entscheidend.

Gerade für Wissenschaftler, die noch wenig Erfahrung mit Interviews oder Vorträgen haben, sind die Tipps des Autors wertvoll und geben einen Einblick, was die Kommunizierenden bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit erwarten können. Etwa dass Radio- oder Fernsehjournalisten auch gerne mal eine Frage, die man gerade beantwortet hat, erneut stellen (Tipp 42) oder wie lange ein Drehtag mit einem TV-Team wirklich dauert.

Dabei beleuchtet Hahn auch die Schattenseiten der Wissenschaftskommunikation, etwa am Beispiel des Charité-Virologen Christian Drosten (Seite 4), der nicht nur in der Berichterstattung der Presse teils scharf kritisiert wurde, sondern dessen E-Mail-Postfach in Beschimpfungen und Morddrohungen ertrank. Was an dieser Stelle fehlt, sind Tipps, wie man mit ebendieser Kehrseite am besten umgeht. Wie verhalte ich mich als Wissenschaftler, wenn ich aufgrund einer Berichterstattung oder eines Posts in den sozialen Netzwerken Kritik oder Anfeindungen erhalte? Wie führe ich Diskussionen auf Twitter und anderen Plattformen, und sollte ich das überhaupt tun? Wie verarbeite ich psychischen Stress und wann werden Anfeindungen strafrechtlich relevant? Hier wären Interviews mit einem Psychotherapeuten und Anwalt sicher wertvoll gewesen.

Guter Anfang, aber ausbaufähig

Ein weiterer Kritikpunkt richtet sich an die teils unnötig langen Quellenangaben. Hahn unterlegt seine Tipps mit Zitaten von bekannten Wissenschaftskommunikatoren, wie etwa Mai Thi Nguyen-Kim. Die Auszüge an sich sind sehr gelungen, nur verweist Hahn immer wieder in ähnlichem Wortlaut: „Das Zitat stammt aus dem Hörbuch Komisch, alles chemisch!“, „Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim sagt im Vorwort ihres Hörbuches Komisch, alles chemisch! […]“ oder „Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim verbindet in ihrem Hörbuch Komisch, alles chemisch! oft […]“. Diese ständigen Wiederholungen (auch von anderen Quellen) stören besonders beim Lesen in einem Rutsch. Das hätte der Autor (oder Lektor) mit einem Verweis in der Fuß- oder Endnote kürzen können.

Am Ende von „Die souveräne Expertin“ findet der Leser Interviews mit Wissenschaftlern sowie Pressesprechern, die einen noch tieferen Einblick erlauben und die Tipp-Sammlung gelungen abrunden. Das Buch ist dabei nicht nur für Wissenschaftler geeignet, sondern gibt gewiss auch jungen Journalisten einen Einblick, wie gute Wissenschaftskommunikation funktionieren kann. Zum Beispiel die bei Tipp 37 angeführten Fragen dürften auch dem einen oder anderen Nachwuchsjournalisten eine hervorragende Inspiration für zukünftige Interviews bieten. Durch Hahns Erfahrungen als Journalist erlangt der Leser einen interessanten Einblick darüber, wie Journalisten arbeiten, was sie wollen, dürfen und gerne vermeiden, und was einen guten von einem schlechten Journalisten unterscheidet.

Fazit: Hahn bietet mit seinem Buch „Die souveräne Expertin“ einen guten Einstieg in die verbale Wissenschaftskommunikation, den er mit vielen Beispielen und Zitaten lebhaft vermittelt.





Letzte Änderungen: 10.05.2021


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