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Buchbesprechung

Larissa Tetsch


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Christopher Kemp:
Die verlorenen Arten. Große Expeditionen in die Sammlungen naturkundlicher Museen.
Verlag Antje Kunstmann, München (2019)
Gebundene Ausgabe : 280 Seiten
ISBN-10 : 3956142918
ISBN-13 : 978-3956142918
Preis: 25 Euro (gebunden), 19,99 Euro (E-Book)

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Verborgene Schätze

(08.12.2020) Wer neue Arten entdecken möchte, muss nicht unbedingt in die Natur hinausgehen. Auch die Schränke und Vitrinen von Naturkundemuseen haben in dieser Hinsicht einiges zu bieten, wie das Buch „Die verlorenen Arten“ verrät.

Neue Arten – egal, ob Tier, Pflanze oder Bakterium – werden entdeckt, wenn Wissenschaftler ihr Labor verlassen und sich hinaus in die Welt begeben. Ein solcher Naturforscher ist dann entweder klassisch mit Schmetterlingsnetz und Lupe bewaffnet, oder er trägt ein Mikroskop, vielleicht sogar ein kleines PCR-Gerät mit sich herum. Meist muss er in noch unerforschte, unwirtliche Gegenden vordringen – wie die Tiefsee oder die Polarregionen – und dort unter widrigsten Umständen alle möglichen Entbehrungen auf sich nehmen. Ein solcher Forscher muss vor allem eins mitbringen: Abenteuerlust und die Bereitschaft, alle Bequemlichkeit hinter sich zu lassen.

Das ist das Bild, das wohl die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie an die Entdeckung neuer Arten denken. Tatsächlich kann man eine Art aber auch entdecken, ohne dafür einen Fuß ins Freiland zu setzen. Hier kommen die Taxonomen ins Spiel, eine Forschergruppe, die ebenfalls häufig mit einem Klischee zu kämpfen hat. So sitzen Taxonomen nach Ansicht der meisten Menschen den ganzen Tag in einem abgeschotteten Zimmer im Keller eines Museums zwischen hohen Schränken und verstaubten Vitrinen und sortieren dort tote Tiere, die in Alkohol eingelegt oder auf Nadeln aufgespießt sind. So ganz falsch ist dieses Bild vielleicht nicht. Aber genau hier sitzen die Taxonomen an der Quelle, um neue Arten zu entdecken.

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Wenn Naturforscher auf Expedition gehen, bringen sie im besten Fall Unmengen von Organismen und anderem biologischen Material mit nach Hause. Dieses wird in den naturkundlichen Sammlungen großer Museen gelagert, um dort in den folgenden Jahren Schritt für Schritt ausgewertet zu werden. Aus verschiedenen Gründen kommt es dazu aber nicht mehr. Entweder weil die entsprechenden Wissenschaftler die Institution verlassen oder mit einem anderen Projekt begonnen haben. Manchmal gehen gesammelte Organismen auch einfach verloren und werden erst nach vielen Jahren ganz zufällig wieder entdeckt.

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Olinguito(Anden-Makibär)-Schädel im Field Museum of Natural History in Chicago, USA. Foto: Christopher Kemp
Verstaut und vergessen

Es sind diese Geschichten, die den amerikanischen Epidemiologen und Wissenschaftsjournalisten Christopher Kemp dazu inspiriert haben, ein Buch über verlorene Arten zu schreiben. Dafür begibt er sich auf 25 „große Expeditionen in die Sammlungen naturkundlicher Museen“. Jedes Buchkapitel stellt eine Art und ihre Entdeckungsgeschichte vor, wobei fast allen gemein ist, dass die entsprechenden Exponate viele Jahre, oft Jahrzehnte, in einer Sammlung auf ihre Wiederentdeckung gewartet haben. Warum das in Zukunft zunehmend häufiger passieren wird, legt Kemp an verschiedenen Stellen dar. So leiden auf der einen Seite die meisten naturkundlichen Sammlungen unter einer chronischen Unterfinanzierung, die dazu führt, dass Material oft nur noch archiviert und nicht mehr wissenschaftlich bearbeitet wird. Auf der anderen Seite fehlen immer mehr ausgebildete Taxonomen, die überhaupt noch in der Lage sind, feine Unterschiede zwischen eng verwandten Arten zu erkennen.

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Etwa die Hälfte der Artenporträts entfallen jeweils auf Wirbeltiere und auf Wirbellose, bevor zum Abschluss dann noch drei etwas anders geartete Fundstücke präsentiert werden: eine Pflanzenart, in Gips eingegossene Fossilien und von Frühmenschen angefertigte Ritzzeichnungen auf einer Muschelschale.

Lebendig und mit viel Liebe zum Detail beschreibt Kemp die einzigartigen Sammlungsstücke samt ihrer jeweiligen Entdeckungsgeschichte. Dafür hat er die entsprechenden Museen bereist und mit den beteiligten Wissenschaftlern gesprochen. Auf mehreren Bildseiten in der Mitte des Buches sind alle Fundstücke und zum Teil ihre Entdecker abgelichtet. Der Autor bemüht sich sehr, zusätzlich Informationen zum Lebensraum und den Besonderheiten der verschiedenen Arten zusammenzutragen. Doch leider ist dazu oft gar nicht viel bekannt – oder das, was man darüber weiß, ist nicht unbedingt spektakulär. Es lässt sich deshalb nicht vermeiden, dass sich am Ende die Geschichten irgendwann gleichen – vom erstmaligen Fund einer Art, ihrem Verschwinden im Museum, der mehr oder weniger langen Zeit der Vergessenheit und der späteren Wiederentdeckung und wissenschaftlichen Erstbeschreibung. Gegen die sich dann einstellende Langeweile hilft, das Buch nicht in einem Rutsch zu lesen oder einfach direkt nur einzelne Geschichten herauszugreifen.





Letzte Änderungen: 08.12.2020


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