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Buchbesprechung

Larissa Tetsch


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Johannes Krause mit Thomas Trappe:
Die Reise unserer Gene
Ullstein (2019)
Sprache: Deutsch,
288 Seiten
Preis: 22 Euro (gebunden), 19,99 Euro (E-Book)

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Wer wir sind

Wir haben alle „Migrationshintergrund“. Das verraten die Gene unserer Vorfahren und unsere eigenen, die sich heute mit Hightech-Methoden entschlüsseln lassen.

„Die Reise unserer Gene“ ist ein Buch mit politischer Bedeutung. Dies stellen die Autoren, Johannes Krause und sein Co-Autor Thomas Trappe, bereits im Prolog klar. Dazu passt die Verlagswahl, denn Propyläen ist die Sachbuch-Sparte der Ullstein-Verlagsgruppe, die sich vor allem auf die Vermittlung fundierter Informationen zu Geschichts- und Politikthemen spezialisiert hat.

„Die Reise unserer Gene“ entstand im Sommer 2015 unter den Eindrücken der Einwanderungswelle aus dem Nahen Osten nach Westeuropa über die sogenannte Balkanroute. In einer Zeit also, in der in vielen mitteleuropäischen Ländern, darunter Deutschland, die Gesellschaft gespalten und politische Parteien mit rechtem Gedankengut auf dem Vormarsch waren. Die Angst der Mitteleuropäer vor Überfremdung durch die Einwanderer aus dem Südosten möchten Krause und Trappe nun ad absurdum führen, und das ausgerechnet mit einem Blick in unsere ferne Vergangenheit. Geradlinig, leicht verständlich und spannend erzählt legen sie anhand der neusten Forschungsergebnisse der Paläogenetik dar, dass wir alle „Mischlinge“ sind, die aus diversen Einwanderungswellen der letzten Jahrtausende hervorgegangen sind. Sogar Erbgut anderer Menschen-Arten wie des Neandertalers findet sich im Genom von beinahe jedem von uns – und das desto mehr, je weiter sich die Menschheit von ihrer afrikanischen „Wiege“ entfernt hat.

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Knochenjob für Genetiker

Die Paläogenetik gewinnt ihre Erkenntnisse vor allem aus der Sequenzanalyse „alter“ DNA, also solcher, die beispielsweise aus archäologischen Knochenfunden gewonnen wird. Die Technik auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahrzehnten derart schnell weiterentwickelt, dass heute auf einer einzigen Sequenziermaschine pro Tag etwa 300 Genome ausgelesen werden können, während die Entschlüsselung des ersten menschlichen Genoms um die Jahrhundertwende noch zehn Jahre benötigte.

Zudem kann alte DNA heute effizienter, schonender und vor allem deutlich reiner isoliert werden als in den 2000er Jahren, als kontaminierte Proben und die dadurch bedingten Fehlinterpretationen das gesamte Forschungsgebiet in Verruf brachten. So spekulieren die Autoren mit einem Augenzwinkern, das Genom, das der schwedische Genetiker ­Svante Pääbo 1984 aus einer ägyptischen Mumie isolierte, könne sein eigenes gewesen sein. Unabhängig davon war die Arbeit des heute am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig forschenden Genetikers wegweisend und begründete den Forschungszweig der Paläogenetik. Zu deren führenden Köpfen zählt heute auch Krause, der bei Pääbo promovierte und dabei an der Analyse des ersten Neandertaler-Genoms beteiligt war. Sein persönliches Highlight, wie Krause berichtet, da er in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Wohnhauses von Johann Carl Fuhlrott, dem Entdecker des Neandertalers, aufgewachsen ist. Solche persönlichen Bezüge machen das in der Ich-Perspektive geschriebene Buch anschaulich und lebendig.

Seit 2014 ist Krause Direktor am damals neu gegründeten Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. Thomas Trappe dagegen arbeitet als Journalist für verschiedene überregionale Tages- und Wochenzeitungen. In „Die Reise unserer Gene“ schafft er es hervorragend, die von Krause dargestellten wissenschaftlichen Aussagen zur Paläogenetik in die aktuellen politischen Diskussionen einzubetten.

Gene sind grenzenlos

„Die Reise unserer Gene“ wendet sich an den genetischen Laien. Dazu bedienen sich die Autoren einer leicht verständlichen Sprache; genetisches Fachvokabular und Methoden werden in Fußnoten am Ende des Buches erklärt. Dies wurde mit dem Sprung auf die Spiegel-Bestsellerliste belohnt. Gleichzeitig ist „Die Reise unserer Gene“ aber auch für Fachleute lesenswert. Die Kapitel über die Ausbreitung der Pest und anderer Infektionskrankheiten beinhalten beispielsweise alles, was das Herz des Mikrobiologen begehrt. Grundsätzlich ist das Buch chronologisch aufgebaut, von einer Zeit vor 90.000 Jahren, als noch mehrere Menschen-Arten durch Europa streiften, bis heute. Jedes Kapitel beginnt mit einer Kurzzusammenfassung, einer Europakarte mit eingezeichneten Wanderungs­bewegungen und einem Zeitstrahl. Am Ende kommen die Autoren noch einmal auf ihr politisches Anliegen zurück und beziehen hier klar Stellung: Nationale Grenzen sind genetisch nicht zu belegen, es gibt keine Menschenrassen (was Krause und Kollegen in der Jenaer Erklärung „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“ im September dieses Jahres noch mal klarstellten, und das medial große Wellen geschlagen hatte) und technische sowie kulturelle Neuerungen sind immer durch eine Mischung aus Migration und Austausch zustande gekommen. Nachzulesen sind die Spuren von Einwanderung, Verdrängung und Kooperation auch heute noch – in unseren Genen.





Letzte Änderungen: 10.10.2019


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