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Buchbesprechung

Sigrid März


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Ulrich Stempel:
Bionik - Im Versuchslabor der Natur
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: FRANZIS Verlag GmbH; Auflage: 1 (30. Juli 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3645605479
ISBN-13: 978-3645605472
Preis: 17,95 Euro (Softcover), 9,99 Euro (E-Book)

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Bionik kinderleicht

Klettverschluss, Biogasanlagen oder Wärmedämmung – seit jeher ist die Natur unerschöpflicher Ideengeber für technische Entwicklungen, erforscht und umgesetzt im Wissenschaftszweig der Bionik. Mithilfe dieses Buches soll das Interesse potenzieller Nachwuchsforscher geweckt werden.

Ein weiteres Buch über Bionik für Kinder. Bei einschlägigen Buchverkaufsportalen findet sich bereits eine stattliche Liste an entsprechender Literatur inklusive diverser Experimentierkästen. Insbesondere Letztere haben es dem „Bionik – Im Versuchslabor der Natur“-Autor Ulrich Stempel offenbar angetan, ist er doch verantwortlich für zum Beispiel „Die große Baubox: Magnetismus erforschen und verstehen“ oder „Der kleine Hacker: Strom aus Obst und Gemüse.“ Jetzt also ein Bionik-Buch.

Zunächst einmal erklärt der Autor seinen jungen Lesern, was Bionik überhaupt ist – und zwar das „Übertragen von biologischen Strategien der Natur auf menschengemachte Technik“ (S. 7). Beispiele hierfür kennt sicherlich jeder: Lotus-Blätter, Gecko-Füße oder Pusteblumenschirmchen. Das macht Bücher wie das vorliegende spannend. Denn der Adressat erfährt nicht nur Hintergrunddetails zu Techniken, sondern wird aufgefordert, das Erlernte in kleinen Experimenten direkt umzusetzen, um so die Welt der Bionik hautnah zu erfahren.

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Für alle etwas dabei

Auf gut hundert der 144 Seiten finden sich dann auch 24 Experimente, die an Informa­tionstiefe und Komplexität sehr unterschiedlich sind. Somit sollte für jedes Kind (Empfehlung: ab zehn Jahren) etwas dabei sein. Der Aufbau der Experimentierleitfäden ist immer gleich: Potenzielle Dauer des Experiments, Liste der benötigten Utensilien, Versuchsdurchführung und die Erklärung des Hintergrunds (wie kam es zur Entdeckung, welches Vorbild in der Natur, Tierwelt, Pflanzenwelt gibt es) sowie in der Rubrik „Das kann man damit machen“ die praktische Anwendung oder Alternativen zu dieser Technik.

Die Experimente sind mit erklärenden Fotos sowie Grafiken versehen und ermöglichen so intuitives Nachbasteln. Für die Versuchsgegenstände reicht oftmals ein Griff in die heimische Grabbelkiste oder den Werkzeugkoffer. Lediglich gegen Ende der Versuchsreihe stehen Dinge wie Peltier-Elemente oder Wärmeleitpaste auf dem Plan, die vermutlich nicht jeder Haushalt in großer Stückzahl vorrätig hat. Oder eine Schwimmfarnpflanze.

Vergöttert und verteufelt

Alsdann kann fröhlich losexperimentiert werden. Gleich am Anfang steht in der Kategorie „Oberflächen und ihre wundersamen Eigenschaften“ der Klettverschluss. Diese Erfindung wird von Eltern vergöttert („Morgens mal eben Schuhe ans Kind.“) und von Pädagogen verteufelt („Die Kinder lernen heutzutage das Schleifebinden nicht mehr.“). Im praktischen Teil befestigt der Experimentator an einem Holzbrett Klettbänder und steigert ein angehängtes Gewicht so lange, bis Häkchen- und Stoffstreifen sich voneinander lösen.

Wir erfahren, dass einst der Schweizer Ingenieur Georges de Mestral versuchte, widerspenstige Klettfrüchte (der Kleinen Klette, vermutet die Rezensentin) aus dem Fell seines Hundes zu prökeln, als ihn der Geistesblitz zu dieser Erfindung ereilte. Die Rezensentin gehört definitiv zur vergötternden Eltern-Gruppe und wird Herrn de Mestral in ewiger Dankbarkeit verbunden sein.

Weiter geht es mit dem selbstreinigenden Lotuseffekt, dem effizienten Rückstoßantrieb der Quallen und dem Stabilitätsphänomen des Bambus. Diverse Papierfalttechniken simulieren das perfekte Faltsystem sich öffnender Knospen oder die Herstellung ultrastabiler Konstruktionen mit möglichst wenig Baumaterialeinsatz. Die Samen der Zanonia sind das Vorbild für ein papiernes Fluggerät, bei dem sich je nach Büroklammerpositionierung die Flugeigenschaften ändern.

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Eine Materialliste und schrittweise Anleitung zeigen den Nachwuchsforschern, was zu beachten ist. Foto: FRANZIS-Verlag

Biogasanlagen hingegen sind quasi Kuhmägen in groß, und auch das kann der Jungforscher nachbasteln: In einer Plastikflasche mit ordentlich Gammel und einem Brühwürfel darin entsteht nach wenigen Tagen unter anderem Methan, welches einen über den Flaschenhals gestülpten Ballon aufpustet.

Etwas aufwendiger wird es, wenn Termitenhügelpendants zur Veranschaulichung perfekter Klimatisierung oder ein Allrad-Modellauto gebaut werden. Letzteres hat als Vorbild Spinnen und Insekten, die sich mühelos auch in schwierigem Gelände fortbewegen.

Der zweite Teil des Buches bringt nach der Praxis nun die Theorie, erklärt Begriffe wie Bio-Push oder Techno-Pull und führt den Leser in die bunte Welt der Bioniknomenklatur ein. Denn offenbar gibt es mindestens elf unterschiedliche Bionik-Spezies, von Struktur- und Bewegungsbionik über Klima- und Neurobionik bis zu Evolutions- und Anthropobionik. Was in den Hintergrunderklärungen zu den Experimenten oftmals an Tiefe fehlt, wird nun geballt ins Schülerhirn verbracht. Das ist schade, eine geschickte Verquickung beider Teile hätte die Informationshäppchen erheblich unauffälliger und damit möglicherweise effizienter transportiert.

Das gesamte Buch ist ansprechend und altersgerecht illustriert. Konsequent duzt der Autor seine jugendlichen Leser, was dem Werk einen locker-flockigen Stil gibt. Die Experimente sind größtenteils für Kinder ab zehn Jahren machbar, wenngleich hier und da sicherlich die helfende Hand eines Erziehungsberechtigten vonnöten ist.

Fazit: Solides Handwerk, aber vom Hocker gehauen hat es die Rezensentin nicht.





Letzte Änderungen: 09.05.2019


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