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Buchbesprechung

Larissa Tetsch


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Katharina von der Gathen und Anke Kuhl:
Das Liebesleben der Tiere

Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Klett Kinderbuch (8. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954701693
ISBN-13: 978-3954701698
Preis: 18 Euro (gebunden)

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Tierische Liebesspiele

Fast alle höher entwickelten Lebewesen vermehren sich durch Sex. Dabei gibt es nichts, was es nicht gibt – wie dieser vergnügliche Blick ins Tierreich zeigt.

Sex sells! Das war schon immer so und wird wahrscheinlich auch immer so bleiben. Relativ neu ist dagegen, dass das Thema sein Schmuddelimage überwunden und inzwischen sogar Einzug ins Kinderzimmer gehalten hat. So hat das Autoren-Duo Katharina von der Gathen und Anke Kuhl nun ein Buch geschrieben, das bereits Grundschulkindern die Vielfalt des Liebeslebens nahe bringen soll – allerdings im Tierreich.

Das Buch „Das Liebesleben der Tiere“ richtet sich an Kinder ab acht Jahren, eignet sich aber als kurzweilige Lektüre für jedermann, einerlei ob biologisch vorgebildet oder nicht. Thematisch gliedert es sich in drei große Komplexe: die Verführungskünste (sprich die Balz), der eigentliche Paarungsakt und alles, was danach kommt (also Schwangerschaft, Geburt und Familienleben).

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Man mag es kaum glauben: Wegschnecken lieben es/sich sportlich. Foto: Pixabay
Lustig und lehrreich

Jedes Tier wird mit seinen sexuellen Vorlieben auf nur etwa einer halben Seite abgehandelt. Das bedeutet natürlich, dass die Autoren nicht ins Detail gehen können, was aber auch nicht die Intention des Buches ist. Stattdessen geben die kurzen Texte einen amüsanten Überblick über die vielfältigen Fortpflanzungsstrategien im Tierreich, indem sie sich bei jedem vorgestellten Tier auf einen ganz besonderen Aspekt fokussieren. Gleichzeitig nutzen die Autoren die Gelegenheit, Unterschiede in den Paarungsstrategien von einzelnen Tiergruppen herauszuarbeiten, sodass das Buch durchaus lehrreich ist.

Katharina von der Gathen hatte als Sexualpädagogin bereits zuvor ein erfolgreiches Aufklärungsbuch für Kinder geschrieben. Daraus ergab sich die Idee für das vorliegende Buch, denn im Aufklärungsgespräch wollten immer wieder Kinder wissen: „Wie machen das eigentlich die Tiere?“ Ein Grund für die Autorin, sich schlau zu machen und sich unter fachlicher Beratung durch Ruben Holland vom Zoo Leipzig genauer mit den Sexualpraktiken im Tierreich zu beschäftigen.

Anke Kuhl übernahm die Illustration des Werkes, die eine zentrale Bedeutung für dessen Unterhaltungswert hat. Die Zeichnungen sind ein Genuss und bringen die jeweilige Besonderheit im Paarungsverhalten humorvoll auf den Punkt. Besonders ansprechend sind hier die illustrierten Ausklappseiten.

Schnell wird klar, dass es im Tierreich nichts gibt, was es nicht gibt: Tiere, die im Leben nur ein einziges Mal Sex haben, die es quasi ununterbrochen miteinander „treiben“ oder bei denen sich gleich ganze Kolonien miteinander vergnügen. Mauersegler und Wegschnecken lieben es sportlich – die einen paaren sich im Flug, die anderen hängen gemeinschaftlich von einem Baum.

Haie dagegen sind nicht zimperlich und fügen den Weibchen beim Liebesspiel mit den Zähnen schwere Verletzungen zu, während Bettwanzen ihre messerscharfen Geschlechtsorgane dazu nutzen, ihren Samen direkt in die Bauchhöhle des Weibchens zu injizieren. Da ist man doch lieber ein Mensch! Umeinander geworben wird übrigens – und dazu gibt es Pendants auch bei Homo sapiens – durch Balztänze, Liebeslieder, Parfums oder einfach rohe körperliche Gewalt.

Spannend sind auch die Tricks, mit denen manche Männchen ihre Vorherrschaft bei der Paarung sichern. Die Schmetterlings-Herren der Kohlweißlinge etwa besprühen ihre Weibchen nach dem Geschlechtsakt mit einem abschreckenden Parfum, sodass diese für Konkurrenten unattraktiv werden. Maulwürfe verschließen die Geschlechtsöffnung „ihres“ Weibchens mit einem Pfropf aus einem harzähnlichen Material, um sicher zu gehen, dass kein anderer mehr zum Zug kommt. Im Gegensatz dazu sind die Weibchen mancher Tierarten – beispielsweise Hennen – in der Lage, Sperma eines bestimmten Männchens nachträglich wieder auszusortieren.

Tierische Toleranz

Ganz im Stile eines Aufklärungsbuches sind die Seiten, auf denen Unterschiede im Fortpflanzungsverhalten sowie die Gestalt der Geschlechtsorgane von Säugern, Vögeln, Amphibien, Reptilien, Fischen und Insekten herausgearbeitet und miteinander verglichen werden.

Im letzten Abschnitt bricht das Buch dann eine Lanze für die Toleranz gegenüber anderen Formen von Familie. So sind viele Fälle von homosexuellen Tier-Lebensgemeinschaften dokumentiert, etwa von Delfin-Männchen, die als Paar zusammenleben und gemeinsam eine Partnerin begatten oder Trauerschwan-Männchen, die gemeinsam Eier eines Weibchens ausbrüten. Andere Tiere sind streng alleinerziehend oder werden unfreiwillig zu Pflegeeltern wie die Singvögel, die das Pech haben, von einem Kuckuck heimgesucht zu werden.

Insgesamt ist das Buch nicht nur informativ, sondern vor allem unglaublich unterhaltsam. So eignet es sich dazu, mit Kindern unkompliziert über das Thema „Sex“ ins Gespräch zu kommen und ganz nebenbei gleichzeitig Verständnis für andere Lebensformen zu wecken – frei nach dem Motto „Ich so, Du so!“ wie der Titel eines anderen Buches mit Beteiligung von Anke Kuhl lautet.





Letzte Änderungen: 10.10.2018


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