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Buchbesprechung

Hubert Rehm


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André Øvredal (Regie und Drehbuch)
Trollhunter

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Norwegisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Französisch
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universal Pictures Germany GmbH
Erscheinungstermin: 1. September 2011
Produktionsjahr: 2010
Spieldauer: 100 Minuten
ASIN: B004TECRDQ
Preis: 8,15 EUR
Auch als Blu-ray erhältlich.
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Tipps zur Lösung der häufigsten Probleme bei der Fehlersuche in der LC, um Ausfallzeiten zu minimieren. mehr

Beiträge zur Biochemie seltsamer Lebewesen
Trolle fallen aus der Rolle

Troll, Weihrauch witternd und zunehmend übellaunig.

Der Regisseur André Øvredal hat im Jahre 2010 durch einen Dokumentarfilm von sich reden gemacht. Dieses Meisterstück der Recherche betritt auch wissenschaftlich Neuland.

Norwegen besitzt eine kleine, aber feine Filmindustrie. Das Abenteuerdrama Pathfinder/Ofelaš und die Komödie Elling sind Beispiele dafür. Doch nicht nur durch Spielfilme zeichnen sich die Norweger aus. Der hier besprochene Streifen nennt sich Trolljäger (auf norwegisch Trolljegeren); der Trailer ist im Netz unter www.youtube.com/watch?v=tqGWXQTJdL0 abrufbar. Troll­jäger beschreibt erstmals Biologie und Leben der norwegischen Trolle. Denn obwohl Trolle schon aus grauer Vorzeit bekannt sind, wusste man bisher wenig über sie.

Øvredals Filmteam liefert die ersten Aufnahmen und die ersten biologisch-/biochemischen Daten. Letztere basieren auf den langjährigen Beobachtungen des Trolljägers Hans. Danach handelt es sich bei Trollen um Säugetiere. Ihre Größe variiert von 6 bis 100 Metern. Die nachtaktiven Tiere schlafen tagsüber in Höhlen. Sie können 1000 bis 1200 Jahre alt werden, zeugen jedoch nur alle 15 Jahre ein Kind.

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Produktives Pipettieren von 1 bis 384 Kanälen mehr

Vom Aussehen her ähneln Trolle jenen älteren Herren, die sich in den Fußgängerzonen unserer Städte mit Schnapsflaschen unterhalten und mit Müll gefüllte Plastiktaschen mit sich herumtragen. Trolle jedoch trinken keinen Alkohol und rauchen auch nicht. Sie tragen zudem einen großen, am Ende buschigen Schwanz. Ihre Intelligenz dagegen sei gering entwickelt, versichert Trolljäger Hans.

Trolle ernähren sich von Fleisch. Als Genussmittel kauen sie Autoreifen. Die scheinen bei ihnen eine ähnliche Rolle zu spielen wie bei uns der Kaugummi. Welche Marke – Continental oder Pirelli – Trolle bevorzugen, muss wissenschaftlich noch erforscht werden.

Biologische Besonderheiten der Trolle sind ihre Fähigkeit, Christen zu riechen und bei Bestrahlung mit UV-Licht zu Stein zu erstarren. Ersteres führt öfter zu Unfällen, da Trolle bei Begegnungen mit Christen außer Rand und Band geraten. Der Kameramann von Øvredals Filmteam, ein gläubiger Christ, fiel einem wütenden Troll zum Opfer.

Wutausbrüche bei Weihrauch

Warum hassen Trolle Christen? Wie erriechen Trolle die Religionszugehörigkeit?

Wie Øvredals Nahaufnahmen zu entnehmen ist, besitzen Trolle gewaltige Riechkolben. Man kann daher auf einen Geruchssinn schließen, der den des Hundes übertrifft. Möglicherweise erkennen Trolle Kirchgänger an den feinen Resten von Weihrauch, die den Gläubigen nach dem Besuch eines Hochamtes anhaften. Weihrauch enthält ähnlich wie Tabakrauch das krebserregende Benzo(a)pyren, des weiteren psychoaktive Substanzen wie Incensol. Letzteres ist ein Agonist des Transient Receptor Potential Vanilloid-3-Kanals (TRPV3). Dieser Ionenkanal (sechs Transmembranregionen) ist durchlässig für Kationen. Er vermittelt in der Haut die Aufnahme von Wärmereizen. Im kalten norwegischen Klima wäre eine Störung der Temperaturmessung fatal für Trolle. Kein Wunder also, wenn sie auf Weihrauch mit Wutausbrüchen reagieren. Übrigens: Da Weihrauch in katholischen Gottesdiensten ungleich häufiger verwendet wird als in evangelischen, müssten Trolle Katholiken von Lutheranern unterscheiden können.

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Schwieriger zu erklären ist die Steinwerdung der Trolle, also ihre im Tierreich einmalige Fähigkeit, sich bei UV-Bestrahlung innerhalb von Sekunden in Gestein zu verwandeln. Die elegante Erklärung, Trolle hätten einen Silizium-Stoffwechsel, der, wenn er außer Kontrolle gerate, zur Versteinerung führe, trifft nicht zu. Trolle sind Säuger, also Wesen auf Kohlenstoffbasis. Sie können auch von normalen Viren infiziert werden, so vom Tollwutvirus (oder ist‘s der Trollwutvirus?). Diese Anfälligkeit hat, nebenbei bemerkt, zu den heutigen Schwierigkeiten der norwegischen Behörden mit den Trollen geführt: Sie brachen öfters aus den ihnen zugewiesenen Arealen aus.

In Øvredals Dokumentarfilm kommt zum Versteinerungsproblem eine Veterinärin zu Wort. Sie redet von einer UV-Licht induzierten Überproduktion von Vitamin D in der Trollhaut, die riesige Mengen an Ca2+ freisetzen würde. Das Ca2+ würde zur Lithofizierung (Versteinerung) der Trolle führen.


Professioneller Trolljäger (Links) mit unerfahrenen Praktikanten.

Woher stammt das Ca2+?

Leider geht die Veterinärin nicht genauer auf Art und Mechanismus der Versteinerung ein. Auch weitere Forschungsvorhaben werden nicht erwähnt. Das mag zum einen an den Filmern liegen. Die fürchteten wohl, mit einer in die Tiefe gehenden Darstellung von Wissenschaft ihr Publikum zu verprellen. Zum anderen hat der Verfasser den Eindruck, dass die norwegische Veterinärin mehr Interesse an dem Trolljäger Hans als an einer Aufklärung der Biologie der Trolle hatte.

Woher also nehmen die Trolle das Ca2+? Zwar bestehen ihre Knochen und Zähne, wie bei anderen Säugern auch, aus Calciumapatit, doch für eine Versteinerung eignen sich diese Ca2+-Quellen nicht. Die Ca2+-Mobilisierung aus Knochen ist ein langsamer Prozess, die Versteinerung läuft in Sekunden ab. Zudem: Je mehr Ca2+ der Knochen zur Versteinerung anderer Organe abgibt, umso weicher wird wiederum er selbst. Die Versteinerung muss also mit dem Ca2+ stattfinden, das sich bei der Bestrahlung extrazellulär in den Organen, im Blut und in den Zellen befindet.

Dieses Ca2+ braucht ein Anion um zu präzipitieren. In Frage kommen CO32- oder Phosphat. Carbonat spielt wohl keine Rolle: Kohlendioxid kann weder gespeichert werden noch sekundenschnell in die nötigen CO32--Ionen umgewandelt werden.

... und woraus besteht das Anion?

Bleibt Phosphat. Es tritt im Körper in löslicher Form hauptsächlich als ATP und ADP auf (nur eine lösliche Form kommt für eine sekundenschnelle Versteinerung in Betracht).

Bei Säugern liegt die intrazelluläre ATP-Konzentration bei 5 mM. Eine vollständige Dephosphorylierung zum Adenosin durch eine hypothetische UV- oder Vitamin-D-induzierte, trollspezifische General-Phosphatase ergäbe eine intrazelluläre Phosphatkonzentration von 15 mM. Diese sekundenschnelle ATP-Spaltung setzt natürlich große Mengen an Energie frei. Dies erklärt, warum Trolle bei UV-Bestrahlung manchmal auch explodieren statt zu versteinern. Øvredal sind dazu beeindruckende Aufnahmen gelungen.

Werden weitere Verbindungen dephosphoryliert, z.B. Glucose-6-Phosphat oder phosphorylierte Proteine, kann die freie Phosphatkonzentration aufs Doppelte oder noch höher steigen.

Die freie intrazelluläre Ca2+-Konzentration dagegen liegt bei 100-200 nM; die freie extrazelluläre Ca2+ Konzentration bei 1,3 mM, bei Trollen vielleicht höher, sagen wir 3 mM. Millimolare Konzentration an freien Ca2+-Ionen finden sich auch im endoplasmatischen und sarkoplasmatischen Reticulum. Nehmen wir weiter an, die Zelle würde, gleichzeitig zur Aktivierung der General-Phosphatase, mit extrazellulärem und retikulärem Ca2+ geflutet (dies könnte über Vitamin-D-sensitive, spannungsabhängige Ca2+-Kanäle oder über unspezifische Kationenkanäle geschehen). Dann hätten wir in der Zelle eine Phosphatkonzentration von 30 mM und eine Ca2+-Konzentration von 3 mM.

Unter diesen Bedingungen fällt tatsächlich Calciumhydrogenphosphat aus: Dessen Löslichkeit bei 25 °C beträgt 0,1 g/Liter, was 0,8 mM entspricht.

Genügt die ausgefallene Menge an Calciumhydrogenphosphat um die Zelle zu versteinern?

Zur Beantwortung dieser Frage empfiehlt der Verfasser, aus Trollfleischproben die Gene der hypothetischen General-Phosphatase und des Vitamin-D-abhängigen Ca2+-Kanals zu isolieren und ins Genom von Fibroblasten zu übertragen. Hinterher zwingt man die Fibroblasten, die Gene zu exprimieren. Die Zellen müssten sich in Sandkörner verwandeln.

Postdocs, auf nach Norwegen!

Interessante Fragen, interessante Experimente.

Dennoch schien die norwegische Regierung auf Trollforschung bisher wenig Wert zu legen. Die Veterinärin arbeitete allein in einem kleinen Labor. Auch wurde die Existenz von Trollen von amtlichen norwegischen Stellen bestritten und von der geheimen Trollsicherheitsbehörde vertuscht. Offenbar war den norwegischen Behörden die Existenz dieser Spezies peinlich.

Dies dürfte sich mit dem Erscheinen von Øvredals Film und mit dem damit einhergehenden Medienecho geändert haben. Für deutsche Doktoranden und Postdocs bietet sich nun im reichen Ölland Norwegen ein lohnendes Betätigungsfeld.

Trollhunter (Norwegen, 2010). Regie und Drehbuch: André Øvredal. Mit Otto Jespersen als Trolljäger Hans sowie Hans Morten Hansen, Tomas Alf Larsen und Johanna Mørck. 104 Minuten, ab 12 Jahre. DVD erschienen Ende 2011 bei Universal Pictures, ca. 10 Euro.


Letzte Änderungen: 11.07.2013


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