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Buchbesprechung

von Gabi Spittau


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Elmar Weiler und Lutz Nover:
Allgemeine und molekulare Botanik.

Broschiert: 900 Seiten
Verlag: Thieme, Stuttgart; Auflage: 1., Aufl. (9. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783131476616
ISBN-13: 978-3131476616
Preis: EUR 54,95

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Generationswechsel

Botanik-Lehrbücher kratzen längst an der 1000-Seiten-Marke. Die „Strasburger“-Alternative aus dem Hause Thieme ist da keine Ausnahme.

Ach herrje! Die Allgemeine Botanik des Marburger Biologieprofessors Wilhelm Nultsch, die Generationen von Studenten das Fach Botanik näher gebracht hat, ist nicht mehr! Im Februar 2008 folgte der Lehrbuchklassiker nach elf Auflagen in 44 Jahren seinem inzwischen 84-jährigen und längst emeritierten Autor in den Ruhe­stand. Der „Nultsch“ hat seinen Lesern das wichtigste Botanikwissen verständlich, in kurzer Form und ohne viel Ballast vermittelt; das kompakte, nur 600 Gramm schwere Taschenbuch passte in jedes Studentenbudget und in jede Tasche. Man konnte es überall lesen: in der Straßenbahn, in der Badewanne oder während der Botanik­klausur unter dem Tisch.

Vor allem Letzteres sollte man mit dem 1,7 Kilogramm schweren, bedeutend umfangreicheren und entsprechend teureren Nachfolger nicht versuchen. Dafür steht in Allgemeine und molekulare Botanik, verfasst von Elmar Weiler (Pflanzenphysiologe und Rektor der Ruhr-Universität Bochum) und Lutz Nover (Zellbiologe am Biozentrum Niederursel der Uni Frankfurt) aber mehr drin. Der Schwerpunkt des in Zusammenarbeit mit Altmeister Nultsch entstandenen Lehrbuchs liegt bei den molekular­biologischen und biochemischen Grundlagen des pflanzlichen Zellgeschehens.

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Schon beim ersten Durchblättern fällt die für Thieme-Lehrbücher typische Struktur auf: durchgängig farbige Gestaltung, viele Abbildungen, markierte Merksätze, orangefarbene Boxen für spezielle Sachverhalte. In grünen „Plusboxen“ findet man interessante Zusatzinformationen, etwa übers Bierbrauen, die asexuelle Embryogenese und mehr. Jedes Kapitel wird durch eine kurze Zusammenfassung eingeleitet. Ein Glossar gibt es nicht, dafür aber ein Sachverzeichnis mit farbigen Markierungen, die auf Erläuterungen zu den Begriffen im Text hinweisen.

Ein nach Kapiteln gegliedertes Litera­turverzeichnis ist ebenfalls vorhanden; wozu nur?, fragt sich da die Rezensentin. Der typische Leser, sprich: Student, wird weder Zeit noch Lust haben, zusätzlich zum reichlichen Lernstoff auch noch die Primärliteratur nachzulesen. Das muss er als Doktorand noch früh genug.


Nultsch noch kein altes Eisen

Der „Weiler/Nover“ ist in 20 Kapitel unterteilt von denen die ersten zwölf von Co-Autor Weiler stammen. Sie behandeln zum Beispiel „Organisationsformen der Pflanzen“, „Kormus“ oder „Mineralstoff- und Wasserhaushalt“, mithin die Botanik im klassischen Sinne. Die restlichen acht Kapitel sind von Co-Autor Nover, der, wenn er nicht gerade Lehrbücher schreibt, am Main die molekulare Zellbiologie der Stress­antwort erforscht. Darin geht es um Themen wie „Genetik und Vererbung“, „Genexpression und ihre Kontrolle“ oder sein Hausthema „Pflanzen und Stress“. Was sich in elf Auflagen im „Nultsch“ bewährt hat ist immer noch gut – vor allem bei Themen, in denen es in letzter Zeit wenig neue Erkenntnisse gab. Das scheinen sich zumindest die Autoren gedacht zu haben, und so kamen der Rezensentin einige Passagen recht vertraut vor. Zum Beispiel die Kapitel „Innere und äußere Organisation der Sprossachse“, „Blatt“ und „Wurzel“. Die wurden im neuen Lehrbuch zwar zum Kapitel „Kormus“ zusammengefasst; dieses dann aber in die Unterpunkte „Sprossachse“, „Blatt“ und „Wurzel“ unterteilt, und die unterscheiden sich, abgesehen von einigen zusätzlichen Abbildungen, kaum von den betreffenden Passagen im alten „Nultsch“.

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Andere Kapitel, wie zum Beispiel „Fortpflanzung und Vermehrung bei Niederen und Höheren Pflanzen“ wurden dagegen komplett überarbeitet und wieder andere, wie zum Beispiel der Abschnitt über „Biotische Stressoren“, sind komplett neu.

Die Autoren stellen hohe Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit ihrer Leser. Allgemeine und molekulare Botanik ist kein Lehrbuch, das man mal eben neben­her liest, weil gerade kein Kommilitone in die Cafeteria mitkommen mag. Die Texte sind aufgrund einer Fülle von Fachbegriffen und komplexen Inhalten zum Teil schwer verdaulich. Man vermisst ein Glossar, denn vor allem Botanik-Neulinge dürften oft auf Begriffe stoßen, die sie nicht kennen. Das Sachverzeichnis kann dieses Manko nicht kompensieren, da man, wenn man einen Begriff sucht, erstmal ewig vor- und zurückblättern muss, bevor man diesen endlich im Text erläutert findet. Trotzdem ist der „Weiler/Nover“, nicht zuletzt wegen des gut stukturierten Aufbaus, der vielen Abbildungen und der interessanten Zusatzinformationen in den Boxen und „Plusboxen“, ganz gut gelungen.


Teils schwer verdaulich

Das Thieme-Werk grenzt sich durch eine höhere Gewichtung der molekularbiologischen und biochemischen Zusammenhänge klar von anderen Botanikbüchern wie dem Spektrum-Flaggschiff Strasburger Lehrbuch der Botanik ab (an Letzterem hat übrigens Elmar Weiler als Autor des Abschnitts „Pflanzenphysiologie“ sogar mitgewirkt). Wenn Sie ein Botaniklehrbuch suchen, in dem auch molekularbiologische und biochemische Themen nicht zu kurz kommen; wenn Sie über die Motivation und die nötige Beharrlichkeit verfügen, sich ernsthaft mit diesen auseinander zu setzen, dann sind Sie mit dem „Weiler/Nover“ sicherlich gut bedient.



Letzte Änderungen: 07.06.2011


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