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Mifegyne

von Andreas Dumont (Laborjournal-Ausgabe 01, 2000)


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Was in Frankreich schon lange keine Katze mehr hinter dein Ofen hervorlockt, ist hierzulande noch ein heißes Eisen: die Abtreibungspille Mifegyne. Besser bekannt unter dem Namen RU486, die Nummer 486 aus der Molekülschmiede der Hoechst-Tochter Roussel-Uclaf. Bei der Suche nach dem Erfinder tauchen einige falsche Namen auf. Hat es der Vater der Pille - Etienne Emile Baulieu - etwa mit der Angst zu tun bekommen? Eher zufällig entdeckte er Anfang der 80er Jahre die abtreibende Wirkung des Moleküls.

In Frankreich ist Mifegyne bereits seit 1988 auf dem Markt, später folgten China, England und Schweden. Vor allem in Deutschland, in den USA und natürlich im Vatikan schlugen die Wogen hoch. Viele bezeichneten Mifegyne als "Mörderpille" oder zogen gar Vergleiche mit Zyklon B. Die Gegner formierten sich und riefen zum Boykott aller Firmenprodukte auf, teilweise mit Erfolg, Hoechst stellte für Deutschland und einige andere Länder keinen Zulassungsantrag.

Erst mit dem Verkauf der Lizenzrechte an die französische Firma Exelgyn 1997 änderte sich die Politik: Für acht Länder der EU erfolgte ein Antrag auf Zulassung, die in Deutschland dieses Jahr am 6. Juli erteilt worden ist. Zuständige Behörde ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Berlin. Seit Anfang Dezember ist Mifegyn nun auf dem deutschen Markt. Es ist jedoch nicht wie eine Kopfwehtablette in der Apotheke erhältlich, sondern nur an Einrichtungen, die zum Schwangerschaftsabbruch berechtigt sind,

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Die Wirkungsweise ist recht einfach: Der weibliche Körper produziert das Geschlechtshormon Progesteron, das zur Gruppe der Steroidhormone gehört, Es bewirkt im Zusammenspiel mit Östradiol den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, damit sich der Embryo einnisten und entwickeln kann. Bindet Progesteron an den Progesteron-Rezeptor, kommt es zu einer Konformationsänderung des Rezeptors. Dadurch wird ein Hitzeschock-Protein freigesetzt, der Rezeptor kann an Elemente der DNA binden und die Transkription progesteronabhängiger Gene einleiten, Mifegyne ist dem Progesteron strukturell sehr ähnlich: Es besitzt das gleiche Cholesterin-Grundgerüst, aber eine Methylgruppe und eine Seitenkette weniger. Stattdessen hat es eine zusätzliche 4-(Dimethylamino)-Phenylgruppe. Es wirkt als Anti-Progesteron, indem es mit dem Progesteron kompetitiert und die Progesteron-Rezeptoren der Gebärmutterschleimhaut blockiert. Das Hitzeschock-Protein bindet nun noch fester an den Rezeptor, die entsprechenden Gene werden nicht mehr exprimiert. Progesteron verliert seine Wirkung, die Gebärmutterschleimhaut löst sich und wird ausgeschieden, Eine zusätzlich verabreichte geringe Dosis Prostaglandin bewirkt eine Kontraktion der Gebärmutter und beschleunigt somit den Vorgang.

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Die Abtreibung mittels Pille darf in Deutschland bis zum 49. Tag erfolgen. Der Embryo ist dann 0,2-1 cm groß. Laut Umfragen in Frankreich bevorzugen Frauen, die sowohl mit Mifegyne als auch mit anderen Methoden abgetrieben haben, mit großer Mehrheit die Pille. Als Vorteile von Mifegyn gelten geringere Schmerzen, sie kann außerdem früher angewendet werden als andere Methoden und ist zudem deutlich billiger. Gesundheitlich gilt Mifegyne als unbedenklich.

Bislang haben rund 500.000 Frauen damit abgetrieben, dabei kam es zu einem Todesfall. Eine Zunahme der Abtreibungen in den "Pillenländern" Frankreich, England und Schweden ist nicht zu beobachten.

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Letzte Änderungen: 20.10.2004


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