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Komplexe Trends

Archiv: Schöne Biologie

Ralf Neumann


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Schöne Biologie

Unter „Inkubiert“ (S. 8) steht es ja schon in diesem Heft: Will man sein Manuskript heutzutage möglichst schnell abgelehnt bekommen, dann streue man nur reichlich Spekulatives darin ein. Schreiben vielleicht auch deswegen manche Bioforscher immer wieder ganze Bücher? Weil sie darin noch am ehesten nach Lust und Laune herumspekulieren dürfen?

Peter Corning etwa gehört dazu. Gerade erschien das neueste Buch des inzwischen 83-jährigen Direktors des Institute for the Study of Complex Systems in Seattle – mit dem Titel: „Synergistic Selection: How Cooperation Has Shaped Evolution and the Rise of Humankind“. Dieser verschleiert allerdings ein wenig die eigentliche Kernfrage seiner Abhandlung, die da vielmehr lautet: Wie kann man den Langzeit-Trend der Evolution zu immer größerer Komplexität erklären? Seine Antwort formuliert er unter anderem als die x-te Anlehnung an das allseits bekannte Dobzhansky-Zitat: „Nothing about the evolution of biological complexity makes sense except in the light of synergy.

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Synergieeffekte sieht Corning folglich als die entscheidende Triebkraft, mit der die Evolution bis heute stetig komplexere Formen und Systeme hervorbrachte. Effekte also, die entstehen, wenn zwei oder mehr Gene, Zellstrukturen, Systeme zusammenwirken – und das Ergebnis irgendwie mehr ist als die reine Summe der beteiligten Teile. Diese Möglichkeit, durch mannigfaltige Kombinationen der Zusammenarbeit (Cooperation) immer wieder Synergieeffekte zu erzeugen, habe laut Corning die Evolution quasi mit einer Art Kreativ-Rüstzeug ausgestattet, mit dem sie letztlich ursächlich dafür sorgte, dass in ihrem Verlauf immer komplexere Lebewesen entstanden.

Schöne Spekulation. Aber braucht es sie überhaupt? Nehmen wir also Ockhams berühmtes Rasiermesser (– Wem das nichts sagt, muss es leider googeln –) und schnibbeln mal ein wenig an dieser „Theorie“ herum. Vielleicht ist ja alles tatsächlich viel einfacher...

Dass die Evolution mit der Zeit immer komplexere Organismen hervorgebracht hat, liegt doch vor allem daran: an der Zeit! Bis zum heutigen Tage hatte das Wechselspiel zwischen Variation und Selektion einfach deutlich mehr Zeit, in der belebten Welt herumzuschustern, als bis vor einigen Millionen Jahren. Und da für Zufallsprozesse wie Mutationen mit fortschreitender Zeit auch die Wahrscheinlichkeit für jedes einzelne diskrete Ereignis steigt, kamen immer wieder auch etwas komplexere Wesen heraus. Bewältigten diese jetzt noch die Herausforderungen ihrer Umwelt etwas besser als die Mehrheit ihrer Zeitgenossen, setzten sie sich von da ab als stabile Linie fest. Und die belebte Welt schien insgesamt ein wenig komplexer geworden zu sein.

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Natürlich kann das im Einzelfall durch neu entstandene kooperative Synergieeffekte geschehen sein. Noch öfter aber sicherlich durch jede Menge andere Prozesse ohne jedweden Synergieeffekt – wie etwa durch den Erwerb gänzlich neuer Funktionen durch Genduplikationen, alternative Spleißformen oder De-novo-Gen-Entstehung.

Wahrscheinlich ist die ganze Sache mit der Komplexität als Trend der Evolution aber sowieso völlig überschätzt. Denn Komplexität ist für Lebewesen vor allem eins: teuer. Nicht zuletzt deswegen versucht dieEvolution stetig, Überflüssiges gnadenlos herauszuselektieren und damit gleichsam Komplexität zu reduzieren, sofern es dem Fortpflanzungserfolg nicht schadet. Unzählige Beispiele gibt es dafür: Augen bei Dunkelhöhlen-Bewohnern, Chloroplasten bei unterirdischen Orchideen, ganze Stoffwechselwege bei Parasiten,...

So gesehen scheint der Trend, Komplexität zu reduzieren, stärker als der Trend, sie zu erhöhen oder zumindest zu erhalten. Aber schön, dass wir mal darüber spekuliert haben.



Letzte Änderungen: 08.05.2018


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