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Herz und Nieren aus dem Heimlabor

Eine neue, verblüffend einfache Stammzell-Methode ermöglicht auch biomedizinischen Laien die Zucht menschlicher Organe.
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(1. April 2014) Finnische Forscher haben einen simplen Kniff gefunden, um komplette menschliche Organe aus pluripotenten Stammzellen zu züchten. Das Protokoll ist so einfach, dass selbst ambitionierte Laien Organe wie Leber, Niere oder Herz heranziehen können – im heimischen Hobbykeller.

 

Entwickelt hat die Methode eine Arbeitsgruppe um Professor Kalle Verkannti. Der finnische Stammzellpionier äußerte sich gestern auf einer Pressekonferenz zu den Hintergründen der Entdeckung: „Unser neues Protokoll zur Erzeugung menschlicher Organe aus pluripotenten Zellen ist wirklich äußerst simpel. Sämtliche Geräte sind in jedem gut sortierten Baumarkt erhältlich. Reagenzien und Nährmedien stellen wir aus handelsüblichen Zutaten her. Wir haben auch großen Wert darauf gelegt, die Methode präzise und verständlich aufzuschreiben, so dass Interessierte unsere Experimente problemlos zuhause nachkochen können“.

 

Ein Fachartikel mit dem exakten Protokoll der Versuche soll demnächst in einem angesehenen Journal erscheinen. Gleich fünf – zunächst durchaus skeptische – Gutachter hatten zuvor monatelangen jeden Aspekt des Papers genauestens unter die Lupe genommen.

 

Unser Redakteur Raul Newman konnte bereits einen exklusiven Blick auf das Manuskript werfen. Demnach besteht die Organzucht-Prozedur im Wesentlichen aus drei Schritten:

 

1. Ein Tropfen Blut wird über Nacht in einer lauwarmen Weißwein-Vinaigrette inkubiert, um pluripotente Stammzellen zu erzeugen. Dieser entscheidende Schritt wurde ganz ähnlich bereits zuvor in der Literatur beschrieben (siehe hier).

 

2. Zentrifugations- und Reinigungsschritte schließen sich an, die im Hobbylabor problemlos mit einer Salatschleuder und etwas Spülmittel durchgeführt werden können, wie ein Mitarbeiter des finnischen Labors verrät.

 

3. Schließlich wachsen die verschiedenen Organe in speziellen Nährmedien innerhalb von nur zwei bis drei Wochen heran. Sämtliche Bestandteile dieser Medien seien im Supermarkt erhältlich, versichert Professor Verkannti (Von unserem Redakteur nach dem genauen Rezept befragt, gab er sich jedoch ausweichend: „Jetzt warten sie mal ab. Es ist ganz einfach, wirklich. Sie werden sehen!“).

 

Obwohl der Fachartikel mit dem exakten Protokoll noch nicht erschienen ist, wurden offenbar unter der Hand bereits Vorabdrucke herumgereicht. Jedenfalls kursieren bei Twitter unter dem Hashtag #Organselfie Fotos von bio-begeisterten Bürgern, die mit selbst gezüchteten Nieren, Lebern und Herzen posieren.

 

„Dass Stammzellforschung so einfach sein kann, hätte ich nie gedacht. Die Zukunft ist hier“, schreibt etwa @KayHorfert aus Freiberg, und hängt ein Foto an, das ihn mit einem dunkelroten Leberlappen in der Hand zeigt. „Auch nicht schwerer als Gurken züchten“, twittert @ForscherErnst, der sich vor sieben prächtigen Nieren fotografierte. Sogar frühe Entwicklungsstadien des Gehirns wurden unbestätigten Berichten zufolge im Garagen-Labor eines pensionierten Biolehrers gesichtet.

 

Der von Laborjournal befragte Stammzellexperte Dr. Leo Taylor gibt zu, dass er anfangs skeptisch war. „Es klingt einfach zu unglaublich. Meine erste Reaktion war: So einfach ist die Biologie nicht!“ Aber die unzweideutigen Abbildungen in der Originalarbeit haben ihn überzeugt: „Professor Verkannti hat seinem Ruf als Maverick wieder alle Ehre gemacht. Die Stammzell-Community wurde von diesem sensationellen Durchbruch einmal mehr komplett überrumpelt“.

 

Das Ticket zur Nobelpreisverleihung nach Stockholm ist jedenfalls schon gebucht, wie unsere Schweden-Korrespondentin Ester Aprilsson aus gut informierten Kreisen erfahren hat.

 

John Fencer

 

 

Foto:  MiaK, via Wikimedia (cc 3.0 attribution-share alike)



Letzte Änderungen: 30.09.2015

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