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Von Mücken und Tigermücken

Bürger sammeln Stechmücken für einen Übersichtsatlas

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(3. Mai 2012) Wird man hierzulande von einer Mücke gestochen, hat man meist nicht mehr zu befürchten, als eine juckende Quaddel. Inzwischen finden aber immer mehr „exotische“ Stechmücken den Weg nach Mitteleuropa. Werden diese Mücken heimisch, könnten sie eines Tages Krankheiten wie beispielsweise Gelb- oder Denguefieber übertragen. Mit Bürgerhilfe wollen das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg nun einen „Mückenatlas“ erstellen, um einen Überblick darüber zu bekommen, welche Mückenarten heute in Deutschland vorkommen.

Aus den letzten Jahrzehnten gibt es kaum Daten über die Verbreitung von Stechmücken in Deutschland. „In der Tat wissen wir nicht, welche Arten wo auftauchen. Hierzu gibt es aus den letzten Jahrzehnten nur punktuelle Untersuchungen“, erklärt Helge Kampen, Leiter des Labors für Insektenkunde am FLI. „Im Rahmen unseres Hauptforschungsprojektes haben wir derzeit etwa 100 Stechmückenfallen über ganz Deutschland verteilt stehen. Die Zahl ist natürlich für die Gesamtfläche Deutschlands verschwindend gering. Mehr geht aber aus finanziellen und personellen Gründen nicht.“ Der klammen Forschung können „Bürgerwissenschaftler“ zu Hilfe kommen, indem sie in ihrer Freizeit ein paar Exemplare der Plagegeister sammeln.

Der Vorteil: Für den Einzelnen ist es nur ein kleiner Aufwand beim Spaziergang die ein oder andere Stechmücke zu fangen, einzufrieren und an das ZALF zu schicken, wo Experten die Bestimmung übernehmen und mit molekularbiologischen Screenings bestimmen, ob humanpathogene Viren im Umlauf sind. Die Bürger tasten sich so an die Wissenschaft heran und helfen den Wissenschaftlern enorm. Vor allem kommen sie auch auch an Orte, an denen keine Fallen stehen. „Wir wollen von möglichst vielen Standorten Deutschlands Mücken haben, damit wir eine gute Auflösung unserer Verbreitungskarten bekommen“, erklärt Kampen. „Die Quantität an Mücken pro Standort ist uns dabei weniger wichtig als die Quantität an geografisch unterschiedlichen Standorten.“

Von weltweit 3.500 Stechmückenarten, hat man 49 in Deutschland nachgewiesen. Die Forscher sind daran interessiert, ob neue Arten, die humanpathogene Viren in sich tragen, hier heimisch werden und zu welchen Jahreszeiten sie auftreten. „Wir fürchten insbesondere neu einwandernde Arten, wie die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus, die sich seit einiger Zeit weltweit ausbreitet“, so Kampen. Die Asiatische Tigermücke überträgt beispielsweise das Dengue- und das Chikungunya-Virus. 2011 fand man ein Weibchen und 2007 Eier der Asiatischen Tigermücke in Deutschland. In Italien gab es 2007 bereits einen Ausbruch von Chikungunyafieber, bei dem innerhalb kurzer Zeit über 150 Patienten an hohem Fieber und Gelenkschmerzen erkrankten. Damals wurde das Virus wahrscheinlich von einem Reisenden aus Indien eingeschleppt und durch Asiatische Tigermücken, die dort bereits etabliert sind, weitergetragen. Ansonsten reisen die Eier von Asiatischen Tigermücken zum Beispiel in gebrauchten Autoreifen umher, weil die Weibchen sie gerne im Regenwasser im Inneren der Reifen ablegen.

Seit die Malaria Mitte der 1950er Jahre in Deutschland ausgerottet wurde, gab es hier allerdings keine Fälle von durch Stechmücken übertragenen Krankheiten. Durch sich ändernde klimatische Bedingungen könnten die Asiatische Tigermücke und andere Stechmücken sich weiter nach Norden ausbreiten und zu Vektoren für Viren werden. Um das rechtzeitig zu bemerken, gehen Bürger und Wissenschaftler gemeinsam für die Forschung auf Mückenjagd.

 


Valérie Labonté
Bild: Alexey Bannykh / Fotolia.com



Letzte Änderungen: 20.12.2012
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