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Ran an die Hasen

Traumhafte Nachrichten: Wer jeden Tag ein bisschen Schokolade isst, der reduziert sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Also ran an die Schokohasen? Nicht wirklich, denn für den otpimalen Effekt darf man nur ein bisschen an den Ohren knabbern.

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(03.04.2010) Der unendlich süßen Versuchung, wird ja viel Gutes nachgesagt. Vor allem soll sie glücklich machen, weil sie Substanzen wie Phenylethylamin und Anadamid enthält, die das Gehirn beeinflussen. Was so aber leider nicht stimmt. Man müsste schon kiloweise Schokolade in sich hinein stopfen, um die Wirkung einer Amphetaminpille zu erreichen.

 

Schokolade enthält auch geringe Mengen des „positiven“ Neurotransmitters Serotonin – was Süßzähnen aber nicht viel nützt, denn das Hormon kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Und die Tatsache, dass Kakao Koffein und Theobromin enthält, macht sie auch nicht zum Stimmungsaufheller oder gar Aufputschmittel. Für diese Effekte greife man lieber zu einer Tasse Kaffee, denn die enthält so viel Koffein wie zwei ganze Riegel Dickmacher.

 

Aber: Kakao enthält eine große Vielzahl an Flavonoiden, denen man nachsagt, dass sie den Blutdruck und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Diesem vermeintlichen Effekt ist eine Gruppe Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam nachgegangen. Und was haben sie herausgefunden? Ja, tatsächlich sinkt das  Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, um knapp 40 Prozent, wenn man täglich Schokolade isst. Wermutstropfen für alle Fans von Schokohasen und -eiern: die Dosis für den optimalen Effekt liegt bei mageren 6 Gramm. Das entspricht einem halben Ohr vom kleinsten Goldhasen.

 

Die Daten sind das Resultat einer prospektiven Langzeitstudie (mittleres follow-up: acht Jahre) mit knapp 20.000 Teilnehmern, die jetzt im European Heart Journal veröffentlicht wurde (published online: March 30, 2010). Über den Mechanismus spekuliert Erstautor Brian Buijsse, dass die Flavonoide die Bioverfügbarkeit von Stickoxid in den Gefäßwänden steigern. Stickoxid wirkt gefäßerweiternd und wirkt dadurch hohem Blutdruck entgegen. Außerdem hemmt es die Verklumpung von Thromobozyten. Beides könnte also durchaus plausibel die gesundheitsfördernden Wirkungen erklären.

 

Schon 2006 hatte Buijsse eine kleinere Studie mit 470 älteren Männern ausgewertet, deren Ernährungsverhalten und Gesundheitszustand über 15 Jahre aufgezeichnet wurden Darin hatte er gezeigt, dass der Verzehr von vier Gramm Kakao – das entspricht 10 Gramm Bitterschokolade oder 40 Gramm Milchschokolade – den Blutdruck wie auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senkt.

 

Reichen die Daten aus, um Schokolade gleichsam als „süßes Aspirin“ vorsorglich einzunehmen? Selbst wenn es so wäre – wer kann schon nach einem Stückchen Bitterschokolade oder einem Riegel Vollmilchschokolade den Rest wieder weglegen? Die Autorin dieser Zeilen jedenfalls nicht – und deshalb wird sie ihren Osterhasen, wenn sie denn einen findet, am Stück verspachteln und anschließend Rotweindiät machen. Der soll ja auch gut gegen Herzinfarkt sein und er hat auf jeden Fall weniger Kalorien.

 

Karin Hollricher



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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