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Kieler Schnittchen kieloben?

Im nächsten Laborjournal (Ausgabe 11/2007) werden Sie einen Artikel finden, in dem es um die Beurteilbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse und die Arbeitsweise von Universitätskommissionen geht. Im Folgenden liefern wir eine kurze Zusammenfassung und die fraglichen Photos zum selber Untersuchen.

(05.11.2007) Die Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens der Universität Kiel hat sich jüngst mit einem Fall beschäftigt in dem eine Professorin ihrem Doktoranden vorwirft, er habe in einer Publikation ein fehlerhaftes Bild veröffentlicht. Der Doktorand streitet das ab. Bei der Professorin handelt es sich um die Botanikerin Karin Krupinska, Leiterin der zentralen Mikroskopie, bei dem Doktoranden um den 45-jährigen Bioingenieur Stephan Pfeiffer. Gegenstand des Streites ist die Abb. 3 der Publikation Pfeiffer et al. Protoplasma (2003) 222, 129-137.

Pfeiffer et al. stellen ein neues Verfahren zur Untersuchung der Ultrastruktur von fluoreszierenden Zellen am Beispiel eines Gewebeblocks aus einem Erbsenblatt vor. Das Gewebe wurde durch Hochdruckgefrieren und Gefriersubstitution schonend fixiert, dehydriert und in Lowicryl HM20 einbettet. Mit der konfokalen Laserfluoreszenzmikroskopie (kLFM) wurden von dem Gewebeblock 52 optische Schnitte, jeder mit einer Dicke von 1 m erstellt (kLFM reicht mit einer Auflösung von 200-250 nm bis zu einer Tiefe von 70 m). Aus den optischen Schnitten wurde ein 3D-Bild errechnet. Um interessierende Zellen in einem bestimmten optischen Schnitt in höherer Auflösung zu betrachten, entfernt man das überstehende Gewebe und schneidet dann Ultradünnschnitte (50-60 nm). Es sei möglich, über die Positionsinformation die interessanten Zellen im Transmissions-Elektronenmikroskop (TEM) wieder zu finden. Diesmal in einer Auflösung von 3 nm.

In Abb. 3b wird die kLFM-Aufnahme eines optischen Schnittes gezeigt. Die ausgewählten Zellen wurden rot umrandet. In Abb. 3c sollen die gleichen Zellen in einer TEM-Aufnahme zu sehen sein. Darum geht es: Entsprechen sich die Zellen oder nicht? Der Erstautor behauptet "Ja", die Seniorautorin "Nein". Frau Krupinska gründet ihr Urteil dabei vor allem auf ein Übersichtsbild, aus dem Abb. 3c ausgeschnitten wurde und das Herr Pfeiffer auf einem Poster vorstellte. Das Übersichtsbild wird im folgenden Posterbild genannt.

Die Kieler Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens hatte zur Klärung der Streitfrage einen Gutachter bestellt. Dessen Urteil war: "Die Vorwürfe von Frau Krupinska sind haltlos." Die Kieler Kommission hatte daraufhin das Verfahren eingestellt.

Der Entwickler der Methode und frühere Vorgesetzte von Stephan Pfeiffer, Roger Wepf, meint jedoch, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass sich Abb. 3b und 3c entsprechen. Der gleichen Meinung ist Peter Nick, Chefredakteur von Protoplasma, und ein von Laborjournal bestellter Gutachter aus dem Ausland.

Die Details zu dieser Affäre finden Sie im neuen Laborjournal (11/2007).

Damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können, haben wir die Abb. 3 und eine Kombination von Abb. 3b und 3c und dem Posterbild hier ins Netz gestellt.



Fig. 1

Bild 1: Abb. 3 aus der Veröffentlichung in Protoplasma (Protoplasma 2003, 222:129):

a. Optischer Schnitt (rote Linie) in Gewebeblock; CLSM=confocal laser scanning microscopy.

b. im Konfokalbild ausgewählte Zellen sind rot umrandet.

c. TEM-Aufnahme derselben (?) Zellen (TEM = transmission electron microscopy).

Fig. 2

Bild 2: Zusammenstellung der Bilder aus Veröffentlichung und Poster zum Vergleich:

links: TEM-Bild ("Abb. 3c");

Mitte: Bild auf Tagungsposter, Herkunft von Abb. 3c;

rechts: CLSM-Aufnahme eines optischen Schnitts ("Abb. 3b") (aus: Protoplasma 2003, 222:129).

Hubert Rehm



Letzte Änderungen: 13.11.2007
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