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Leibniz-Preisträger 2007

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat die Gewinner des Leibniz-Preises 2007 bekanntgegeben - Deutschlands höchstdotiertem Förderpreis. Auch drei Lebenswissenschaftler sind mit von der Partie.

(12.12.2006) Zehn Wissenschaftler, darunter drei aus den Life Sciences, dürfen sich über ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk freuen: Am 7. Dezember gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Gewinner des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises 2007 bekannt. Mit ihnen sind seit dem Start des Leibniz-Programms 1985 insgesamt 249 Wissenschaftler in den Genuss der großzügigen Förderung gekommen. Nach einer satten Aufstockung um 1 Mio € und einer Laufzeitverlängerung um zwei Jahre stehen den Preisträgern über sieben Jahre hinweg 2,5 Mio € für ihre Forschung zur Verfügung.

Die drei biomedizinischen Leibniz-Preisträger 2007

In Deutschland sind laut dem Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) mehr als fünf Millionen Menschen von der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus betroffen - rechnet man die Dunkelziffer mit ein, sind es sogar sieben bis acht Millionen. Jens Claus Brüning vom Institut für Genetik der Universität Köln beschäftigt sich mit den molekularen Grundlagen der Krankheit. Bis vor kurzem ging man davon aus, dass Insulin nur in Muskel-, Leber- und Fettzellen wirkt. Die Entdeckung von Insulinrezeptoren im Gehirn änderte das gängige Bild. Brüning klärte die Funktion dieser Gehirn-Insulinrezeptoren auf und zeigte, dass Fett- und Insulinstoffwechsel zusammenhängen und vom Gehirn aus zusammen mit der Nahrungsaufnahme gesteuert werden. Dabei identifizierte er Regionen im ventrolateralen Hypothalamus, in denen Leptinrezeptoren vorkommen. Das Proteohormon Leptin wird von Fettzellen (Adipozyten) ausgeschüttet, es zügelt den Appetit und kurbelt den Stoffwechsel an. Brünings Arbeiten sind daher nicht nur für die "Zuckerkrankheit" Diabetes von großer Bedeutung, sondern auch für die Behandlung von Fettleibigkeit (Adipositas), die in Deutschland mittlerweile rund zwanzig Prozent der Bevölkerung betrifft.

Seit das Dogma "Nervenzellen können und dürfen im Gehirn nicht neu gebildet werden" Ende der neunziger Jahre zu Fall gebracht wurde, sorgen neuronale Stammzellen für einigen Wirbel. Auch die Entwicklungsbiologin Magdalena Götz, Leiterin des GSF-Instituts für Stammzellforschung in Neuherberg, wirbelt mit - und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang insbesondere mit den molekularen Grundlagen der Gehirnentwicklung, speziell der Großhirnrinde. Unter anderem fand sie, dass die meisten Neuronen während der Gehirnentwicklung aus radialen Gliazellen entstehen. Diese Gliazellen verlieren indes später die Fähigkeit zur Differenzierung. Nur in zwei kleinen Gehirnregionen - dem Gyrus dentatus im Hippocampus und der subependymalen Region der Seitenventrikel - kommen noch im Adultstadium Astrozyten vor, die sich selbst erneuern und multipotent sind. Götz untersucht, welche Faktoren diese Zellen zur Bildung von Neuronen anregen und wie deren Differenzierung gesteuert wird. So zeigte sie etwa, dass der Transkriptionsfaktor Pax6 die Neubildung dopaminerger Nervenzellen anregt. Ein weiteres Ziel ihrer Arbeit ist, die Teilung und Differenzierung der Nervenzellen auch in anderen Gehirnregionen wieder anzuregen.

Der Leiter der Abteilung für Molekularbiologie am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen, Detlef Weigel, studiert Blütenentwicklung und Regulation des Blühzeitpunktes sowie die Evolution adaptiver Merkmale bei Pflanzen. In den letzten Jahren wurden gleich mehrere Signalwege aufgeklärt, über welche Pflanzen exogene Informationen, wie Licht und Temperatur, sowie endogene Informationen, etwa über den eigenen Ernährungsstatus, sammeln. Diese Signalwege kontrollieren die Expression sogenannter Integrator-Proteine, die das Bildungsgewebe dahingehend beeinflussen, dass anstelle von Laubblättern eine Blüte entsteht. Werden diese Integrator-Proteine - zum Beispiel LEAFY (LFY), FT und SOC1 - über einen bestimmten Schwellenwert hinaus exprimiert, lösen sie die Blütenbildung aus. Weigel charakterisierte unter anderem das Blüten-Identitätsgen LEAFY und brachte Pappelpflänzchen dazu, es zu exprimieren. Dadurch konnte er das Alter, ab dem die Pflanzen erstmals blühen, von acht Jahren auf wenige Monate reduzieren.

Miriam Ruhenstroth



Letzte Änderungen: 14.12.2006
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