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Viele Hasen - frohe Ostern!

Über fünf Jahre lang zählten Trierer Biogeographen die Populationsdichte der Feldhasen in ganz Deutschland - und verkünden nun, dass man sich nicht um zu wenig Ostereier sorgen müsse.

(14.04.2006) Klar, dass die Trierer Biogeographen irgendwann einmal diese Chance nutzen mussten: Schließlich beobachten sie schon seit 2000 bundesweit die Populationsdichte der Feldhasen. Dies allerdings ist nur ein Teil des Projekts "Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands" (WILD), in dem die Trierer zusammen mit Kollegen vom Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie der Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft der Landesforstanstalt Eberswalde umfassend Deutschlands Wildtierarten erfassen.

Dennoch kurz vor Ostern liegt es natürlich nahe Feldhasen zu Osterhasen mutieren zu lassen und flugs eine Pressemeldung zu den bisherigen Ergebnissen zu verschicken - Titel: "Die Ostereier sind in diesem Jahr gesichert - Neue Forschungsergebnisse belegen: Dem Feldhasen geht es besser." Irgendwie muss man ja auf sich aufmerksam machen.

Sie haben es aber auch wirklich schwer, die allerklassischsten unter den biologischen Disziplinen. Das war schon gestern so, in den Hochtagen der Biochemie sowie Zell- und Molekularbiologie - und ist heute im Zeitalter von -omik, Bioinfomatik und Systembiologie nicht anders.

"Feld-Wald-und-Wiesen-Biologen" nennen die modernen Pipetten- und Automatenforscher ihre "klassischen" Kollegen schon lange ein wenig abschätzig. Und es ändert auch wenig, wenn diese ihrerseits versuchen, sich mit moderneren Namen zu schmücken: "Whole Organism Biology" liest man da etwa bisweilen, "Systems Ecology" oder "Conservational Biology".

Dabei ist nicht nur dies ein Zeichen, dass es die klassischen Fächer noch gibt. Im Gegenteil, sie erleben heutzutage gar den einen oder anderen Aufschwung, der natürlich auch wieder einhergeht mit neuen technischen Möglichkeiten der Datenerhebung. Die Auswertung von Satellitenbeobachtungen ist nur ein Beispiel.

Solche Hightech-Methoden haben die Trier Feldhasenzähler indes nicht verwendet. Vielmehr haben sie "in nächtlichen Suchfahrten durch Wald und Flur die Vorkommen des Feldhasen in allen Bundesländern Deutschlands überprüft". Und zwar per sogenannter "Scheinwerfertaxation". Diese Zählmethode beschreibt beispielsweise der Landesjagdverband Bayern folgendermaßen: "Mit einem Handsuchscheinwerfer, der rechtwinklig zur Fahrtrichtung des Fahrzeugs eingesetzt wird, werden nachts repräsentative Probeflächen eines Reviers entlang von vorher festgelegten Fahrtstrecken abgeleuchtet. Die Vegetation der Suchflächen ist ebenfalls vorher festgestellt worden."

Offenbar sind den Trierern dabei in den letzten Jahren genug "Meister Lampe" vor die Lampen geraten, um jetzt öffentlich ihr optimistisches Fazit zu verbreiten. In Rheinland-Pfalz etwa zeigten die Ergebnisse, dass der Feldhase in einigen Naturräumen wieder in hohen Dichten vorkommt. Im Oberrheingebiet könnten nächtlichen Beobachtern bis über 50 Hasen pro 100 Hektar begegnen.

Wo der Waldanteil jedoch höher ist, die Flächennutzung nicht hasenfreundlich und der Füchse zu viele, gingen dagegen auch die Hasendichten zurück. So lebten etwa in der Eifel oder im Hunsrück nur fünf bis zehn Hasen pro Hektar. "Die müssen halt mehr schaffen, um Ostern die Eier an alle Kinder zu bringen", kalauern die Trierer in der Oster-Pressemeldung.

Sie haben aber noch etwas herausgefunden: "Interessanterweise leben sehr viele Hasen mitten im Ruhrgebiet, wo Zählungen seit 2002 zum Teil über 100 Hasen pro 100 Hektar ergeben", schreiben sie. Und schließen insgesamt: "Mümmelmann geht es also wieder besser."

Nix für ungut, aber das ist doch schon mal was, das froh macht - an Ostern! Oder?

Ralf Neumann



Letzte Änderungen: 14.04.2006
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