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Ein wissenschaftliches Märchen

(13.05.2019) In unserer Reihe „Labormärchen“ erzählt unsere (andere) TA die Geschichte: „Wie der Krallenfrosch zum Modellorganismus wurde“.
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Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin, die arbeitete unbewacht von jedwedem Drachen und ungehindert von jeglicher Dornenhecke in einem großen Labor, das lag auf einem hohen Berg, in der Nähe einer großen Stadt und wurde von einem edelmütigen König regiert.

Hier taten außer der wunderschönen Prinzessin auch viele Wichtel und Elfen Dienst, vermischten seltsame Substanzen miteinander, prüften, ob dabei etwas passierte und wenn ja, was genau das war. So versuchten sie zu verstehen, wie die Natur und besonders die Pflanzenwelt funktionierte.

Dabei verbrauchten sie viel Material, speziell die 50-ml-Phiolen gingen immer rasch zur Neige. Diese Phiolen bekamen sie vom Unternehmen eines tapferen, roten Ritters geliefert, der bei ihrem Einzug in das große Schloss vor acht Jahren das beste Angebot gemacht hatte.

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So gingen viele Jahre ins Land, und stets beauftragte die wunderschöne Prinzessin den roten Ritter mit der Beschaffung der für ihre Arbeit so unentbehrlichen Phiolen. Eines Tages jedoch kam ein blauer Ritter daher und umwarb die wunderschöne Prinzessin mit einem neuen Angebot. Die Prinzessin zierte sich zuerst. Sie wollte dem roten Ritter nicht untreu werden, obgleich das Angebot des blauen Ritters geringfügig besser war.

Eines Tages jedoch, die Prinzessin hatte gerade wieder eine Großbestellung Phiolen bei dem roten Ritter in Auftrag gegeben, verkündete dieser plötzlich, es gebe Verzögerungen bei der Phiolen-Herstellung. Die Matrizen müssten ausgetauscht werden, weswegen die Lieferung bis zu sechs Wochen dauern könne. Nun wollte die Prinzessin aber keinesfalls solange warten und wechselte, verärgert über diese Enttäuschung, spontan den Phiolen-Anbieter. Sie kontaktierte den blauen Ritter, welcher nur zwei Tage später lieferte. Mit seinen Phiolen konnten die Zwerge und Elfen ebenso gut arbeiten, wie mit denen des roten Ritters, alle waren zufrieden.

Obwohl es nur ein überbrückender Seitensprung gewesen war und die Prinzessin schon bei der nächsten Bestellung, als der rote Ritter schließlich liefern konnte, wieder zu ihm zurückkehrte, sollte dieser flüchtige Phiolen-Anbieterwechsel bald das Ende ihrer lang­jährigen Beziehung bedeuten.

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Eines Tages begann ein neuer Oberwichtel im Labor der wunderschönen Prinzessin. Dieser stellte entsetzt fest, dass die Phiolen des roten Ritters, mit denen im Schloss­laboratorium seit Jahren erfolgreich RNA-Experimente durchgeführt wurden, gar nicht als RNAse-frei klassifiziert waren. Also kontaktierte die Prinzessin den roten Ritter mit einer entsprechenden Anfrage, und als dieser eine zeitnahe Antwort schuldig blieb, bestellte sie auf Geheiß des Oberwichtels fortan die Phiolen beim blauen Ritter, dessen Phiolen die entsprechende Zertifizierung aufwiesen.

Der rote Ritter meldete sich nicht. Die Prinzessin war von Gram und Trauer erfüllt. Wollte er denn nicht mit dem Rivalen um ihre Gunst streiten? Ihn zum Duell fordern? Hatten sie nicht eine innige Geschäftsbeziehung gehabt, basierend auf regelmäßigen Großbestel­lungen, einwandfreier Ware und pünktlichen Zahlungen? Warum meldete er sich nicht? Betrog er sie vielleicht gar mit anderen Kunden?

Mehrere Wochen vergingen und die Trauer der wunderschönen Prinzessin wandelte sich in glühenden Zorn auf den roten Ritter. Wenn er sich nicht meldete, würde sie ihn eben für alle Ewigkeit aus ihrem Herzen sowie ihrer Accountliste verbannen.

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An jenem Tag, als ihr dieser Gedanke kam, tauchte der rote Ritter ohne telefonische Ankündigung bei ihr im Labor auf und sprach: „Die neuen Matrizen sind jetzt eingebaut!“.

Die Prinzessin starrte ihn fassungslos an. War das seine einzige Erklärung? Bekam sie kein Trostpflaster für all die durchlittenen Tage? Keine Gutschrift, keinen Blumenstrauß oder einen Drachenschwanz?

Sie stieß den roten Prinzen von sich, gegen die Wand, wobei er sich in einem reversen Prozess von einem Prinzen in einen handgroßen Frosch verwandelte. Nicht irgendeinen, sondern einen Krallenfrosch (Xenopus leavis). Die Prinzessin betrachtete das Amphib auf dem Boden und ihr kam da so eine Idee … und wenn sie nicht gestorben sind, so forschen sie noch heute.

Und die Moral von der Geschicht‘? Ruf deine Prinzessin rasch zurück, denn dort draußen sind der phiolenverkaufenden Prinzen gar viele.

Maike Ruprecht

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Letzte Änderungen: 13.05.2019

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