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Das Seifenverhängnis

(27.11.2018) Saubere Hände sind das A und O im Labor. Unsere (andere) TA kreiert in den Spendern moderne Seifenkunst – aber nicht allen gefällt‘s.
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Am 15. Oktober dieses Jahres begingen wir zum zweiten Mal den internationalen Tag des Händewaschens. Von diesen Welttagen gibt es ja so einige. Am 2. Februar ist der Welttag der Feuchtgebiete, am 17. Mai Welttag des Backens. Ob und auf welche Weise man solche Tage feiert, bleibt jedem selbst überlassen.

Der 23. April ist übrigens der Welttag des Labors. Um an diesem Ort arbeiten zu dürfen, lernten wir in der Berufsschule nebst anderen Dingen auch das korrekte S1-taugliche Händewaschen. Dabei werden auch so abseitsliegende Finger wie der Daumen mitberücksichtigt, der beim gewöhnlichen Hände­waschen des Öfteren vernachlässigt wird.

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Damit am 15. Oktober also auch der letzten Bakterie der Garaus gemacht werden kann, und weil Seifenspender im Labor überhaupt stets gut befüllt sein müssen, musste jemand sich darum kümmern. Ich meldete mich freiwillig und freute mich, endlich mal wieder einen Diensteinkauf tätigen zu können. Sonst bin ich ja zumeist im Innendienst eingesetzt, und gibt es eine schönere Art, diesen Welttag zu feiern, als im Drogeriemarkt Seifenspender­nachfüllbeutel mit klangvollen Namen wie Meeresrauschen und Diamantglitzer auszusu­chen? Für die bodenständigeren Kollegen wählte ich Pfirsich und Aloe Vera.

Zurück im Labor stand ich allerdings vor einer kniffligen Entscheidung. Passte Diamant­glitzer eher in den Autoklaven-Raum oder zu den Zentrifugen? Gleichzeitig war es mir wichtig, die Spender farblich passend zu befüllen. Eben so, dass ansprechende Farbkombi­nationen mit den im Spender verbliebenen Seifenresten entstanden. Als krönenden Abschluss kreierte ich in dem Seifenspender, der meinem Arbeitsplatz am nächstgelegen war, sogar einen phänomenalen Farbgradienten, der, passend zur Jahreszeit, von sonnigem Gelb zu einem kräftigen Orange changierte. Diese Kombination griff perfekt das aktuelle Thema des anstehenden Übergangs von Sommer zu Herbst auf. Stolz auf mein Werk ging ich einen Tee trinken.

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Später am Tag bekam ich die Quittungen für mein hingebungsvolles Engagement. Es begann mit dem Kommentar eines Postdocs, der bei uns vorbeischaute und fasziniert vor meinem exklusiven Werk „Sommer zu Herbst im Seifenspender“ stehen blieb. Er beaugen­scheinigte meine Kreation lange und sorgfältig – Ah, ein Kunstkenner! Gewiss erschloss sich ihm der tiefere Sinn hinter dem von mir gestalteten Farbenspiel. Ich fühlte mich ein bisschen wie eine Künstlerin auf ihrer ersten Vernissage. Endlich wandte er sich direkt an mich, um das Werk mit seiner Schöpferin zu diskutieren. „Ist die Seife ausgeflockt?“ Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Nein, das soll so!“

Was für ein Kunstbanause. Kein Zugang zu moderner Seifenkunst. Wer hat den auf meine Vernissage eingeladen? Meine Kunstwerke sind eben nichts für die breite Masse. Dieses Los teile ich mit vielen großen Künstlern. Zur Strafe fasste ich den Beschluss, den Spender in seinem Labor nicht zu signieren. Das hatte er nun davon.

Als ich kurz darauf meiner TA-Kollegin von meinem künstlerisch ambitionierten Schaffen erzählte, bekam ich die nächste Quittung. „Gut, dass ich meinen Spender immer selbst auffülle. Ich bin allergisch gegen Aloe Vera“, verkündete sie. Au backe! Ich versuchte krampfhaft mich daran zu erinnern, aus welcher Nachfüllpackung ich in meinem unaufhalt­samen Enthusiasmus den Spender in ihrem Labor befüllt habe. Das Ergebnis gefiel ihr überhaupt nicht.

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Also verbrachte ich die nächste Viertelstunde damit, die Seife aus ihrem Spender zu kippen und diesen anschließend gründlichst auszuspülen. Dabei überlegte ich, was passiert wäre, hätte sie nicht die Bemerkung über ihre Allergie fallen gelassen: Hände waschen, anaphylaktischer Schock, Exitus. „Technische Laborangestellte tötet Kollegin mit Aloe-Vera-Seife“. Eine solche Schlagzeile liest man nicht alle Tage in der Zeitung. Beinahe hätte ich nicht nur Seifengradienten, sondern auch den Welttag des allergischen Schocks kreiert.

Das war das letzte Mal, dass ich mich freiwillig für so eine Aufgabe gemeldet habe. Bei meinem nächsten Außendienst kaufe ich Kaffee! Der zugehörige Feiertag wäre übrigens der 1. Oktober.

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 27.11.2018

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