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Pharmakologin räumt Fehler ein

In LJ 09/2005 berichtete Siegfried Bär über eine Studie Leipziger Pharmazeuten, mit der sie meinten die Wirksamkeit homöopathischer Präparate bewiesen zu haben. Am 2. Dezember brachte die Universität Leipzig nun folgende Pressemitteilung:

(05.12.2005) "Ehe die Ständige Kommission der Universität Leipzig zur Untersuchung von Vorwürfen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens Mitte Dezember sich mit der wissenschaftlich beanstandeten Arbeit, der ein Beweis der Wirksamkeit homöopathischer Präparate nachgesagt wird, abschließend befasst, einschließlich der daraus abzuleitenden Konsequenzen, hat sich bereits die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie des Themas angenommen. Im Ergebnis dessen hat Frau Prof. Nieber ihren Anteil an dem für die Studie verliehenen Hans Heinrich Reckeweg-Preis zurückgegeben. Des Weiteren hat sie eine entsprechende Reaktion, ein Erratum, gegenüber dem Herausgeber der Zeitschrift Biologische Medizin, in der der inkriminierte Beitrag "In vitro-Testung von homöopathischen Verbindungen" erschienen war, angezeigt.

Dekanin Prof. Beck-Sickinger informierte, dass Frau Nieber aufgrund der Diskussionen in den letzten Monaten, der Auswertung unabhängiger Fachgutachten und nach einer nochmaligen Prüfung aller Daten Fehler bei der Gestaltung der Versuchsdurchführung und der Auswertung eingeräumt hat. Das betreffe vor allem das Fehlen von notwendigen Kontrollversuchen und das Nichteinbeziehen aller erhobenen Daten in die statistische Auswertung bei einigen Messreihen. Frau Nieber habe selbst eingestanden, dass ihr diese Mängel bei der Abfassung und Begutachtung der in ihrer Arbeitsgruppe entstandenen Arbeiten hätten auffallen müssen.

Frau Prof. Nieber hat weiter erklärt, dass sie und ihre Mitarbeiter in den zurückliegenden Wochen und Monaten die Methode der isolierten Kontraktionsmessung und die statistische Datenauswertung umgestellt und optimiert haben, um unbelastet andere Forschungsaufgaben angehen zu können."

Dazu meint Siegfried Bär

Frau Nieber hat ihren Anteil an dem Preis zurückgegeben, ein Erratum veröffentlicht und zugegeben, sich geirrt zu haben. Dies - so kann man die Pressemitteilung verstehen - auf Druck der Fakultät. Hätte sie es von sich aus getan, hätte ich vor ihr den Hut gezogen. So zieh ich ihn eben vor der Fakultät. Richtig, es hat lange gedauert. Aber das lag auch daran, dass einer der Gutachter erkrankt war. Richtig, einigen Leipzigern scheint zeitweise der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen zu sein. Aber die Mehrheit hat ihn doch behalten. Leipzig ist keine Osterhasen-Universität.

Was ist mit den anderen Autoren der Studie, Schmidt und Süß?

Die beiden haben weder widerrufen, noch ihren Anteil am Preis zurückgegeben. Die beiden gehören der Universität jedoch nicht mehr an - Süß ist emeritiert, Schmidt verschwunden. Die Universität hat also weder Einfluss, noch Druckmittel auf Schmidt und Süß. Sie kann nichts tun. Das kann man ihr nicht vorwerfen.

Frau Nieber dagegen ist nach wie vor Lehrstuhlinhaberin für Pharmakologie. Das Mindeste was man dieser Lehrstuhlinhaberin vorwerfen muss, ist, dass sie nicht imstande war, ihren Mitarbeitern einen pharmakologischen Standardtest beizubringen - und dies dann auch noch per Pressemitteilung an die große Glocke hing. Von welcher Qualität da die anderen Experimente der Gruppe Nieber sind, das will ich gar nicht wissen. Frau Nieber hat sich und die Universität Leipzig gnadenlos blamiert.

Bei der Blamage dürfte es denn auch nicht bleiben. Am 14. Dezember tagt die Leipziger Kommission für wissenschaftliches Fehlverhalten. Der Fall Nieber und die Konsequenzen sollen dabei zur Sprache und zum Abschluss kommen. Wir sind gespannt, was offensichtliches Versagen in Lehre und Forschung heutzutage für Folgen hat.



Letzte Änderungen: 05.12.2005
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