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Bahn frei für Kommerz: BMBF spendiert Gründerkohle

Edelgard hat nochmal tief ins Portmonnaie gegriffen und weitere 150 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Wer die bekommen soll? Junge Gründer aus den Biowissenschaften, die "neue Verfahren entwickeln und deren kommerzielle Verwertung vorbereiten".

(23.08.2005) Die Namen werden immer schrulliger: Nach BioChancePLUS und EXIST-SEED, nach InnoProfile, QuantPro und SysMO war zuletzt bei GenoMik-Plus Geld zu ergattern. Die neueste Wortschöpfung* aus dem Hause BMBF nennt sich "ExistGo-Bio". Gemeint ist das am vergangenen Freitag von der Bundesforschungsministerin vorgestellte, neue Förderprogramm für Biotechnologen.

Unter dem ambitionierten Slogan "Wir machen Biotechnologen zu erfolgreichen Gründern" und der Bezeichnung "ExistGo-Bio" will BMBF-Chefin Edelgard Bulmahn in den kommenden zehn Jahren 150 Millionen Euro an junge Biotech-Gründer ausschütten. Macht 15 Millionen pro Jahr, was die zunächst groß erscheinende Summe doch ein wenig relativiert.

Die Geförderten sollen mit ExistGo-Bio "neue Verfahren in den Biowissenschaften entwickeln und deren kommerzielle Verwertung vorbereiten", so die Bundesforschungsministerin. Man wolle "wissensbasierte Firmengründungen erleichtern und als wichtigen Beschäftigungsmotor nutzen". Wie man auf diesem Wege gleichzeitig "die unternehmerische Kompetenz der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler [fördern]" will, blieb allerdings etwas unklar.

Bulmahn wolle mit "ExistGo-Bio" auch hochqualifizierte Nachwuchskräfte aus dem Ausland ansprechen, die bereits mehrjährige Erfahrungen bei Forschung und Entwicklung in Unternehmen oder Kliniken gesammelt haben, heißt es in der entsprechenden Presseerklärung des BMBFs. Die geförderten Teams sollen in fünf aufeinander folgenden Ausschreibungen ausgewählt und bis zu sechs Jahre lang unterstützt werden und während dieser Zeit "auf das Know How erfahrener Manager" zurückgreifen können.

ExistGo-Bio ist zugleich Beginn der neuen Förderinitiative "ExistGo", mit der Wissenschaftler auf Unternehmensgründungen vorbereitet werden sollen; nach den Biowissenschaften sollen weitere Sparten der Hochtechnologie folgen. In allen Unterprogrammen will die Politik Ausgründungen fördern und die entstehenden Unternehmen für eine Aufnahme in den Hochtechnologie-Gründerfonds des Bundeswirtschaftsministeriums vorbereiten. Ob das Programm allerdings auch nach einem eventuellen Machtwechsel in Berlin fortgesetzt wird, ist ungewiss.

Winfried Köppelle

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* BioChancePLUS: Gegenstand der Förderung sind anwendungsorientierte, risikoreiche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die dem Bereich der modernen Biotechnologie zuzuordnen sind und eine entscheidende Rolle für die antragstellenden Firmen bei der Positionierung am Markt spielen.

Mit EXIST-SEED werden Existenzgründungen aus Hochschulen in der Vorphase der Unternehmensentwicklung vor Erstellung eines Businessplans und vor der eigentlichen Gründung gefördert.

InnoProfile zielt auf die technologie- und branchenspezifische Zusammenarbeit zwischen Nachwuchsforschungsgruppen an Institutionen der öffentlich finanzierten Forschung und denjenigen Unternehmen vor Ort, die das wirtschaftliche Kompetenzprofil ihrer Region prägen, deren Markt- und Technologieentwicklung ein besonderes Potenzial aufweist und die ein wesentlicher Bestandteil der Wertschöpfung in der Region sind oder werden können.

Mit QuantPro will die Bundesregierung innovative Ansätze unterstützen, die durch zeitliche und räumliche Auflösung molekularer Vorgänge zu neuen systemischen Erkenntnissen in den Abläufen der Zelle führen und diese Erkenntnisse schnell zur Anwendung bringen.

Gegenstand der in SysMO geförderten Projekte ist es, mit Blick auf konkrete biologische Fragestellungen (z. B. Genregulation, Differenzierung, Metabolismus) Verfahren zur standardisierten Datengenerierung (z. B. Gen- und Proteinexpression, Protein-Protein-Interaktion) einzusetzen, diese in silico zu simulieren, danach im Experiment zu verifizieren und anschließend wieder zur Verfeinerung der Computersimulation einzusetzen.

Ziel der Förderung im Rahmen von GenoMik-Plus ist es, auf der Grundlage globaler genombasierter Forschungsansätze und Hochdurchsatzverfahren die umfassende Analyse der Funktion der Genome von Bakterien mit Blick auf mögliche Anwendungen zu vertiefen.

(jeweils zitiert aus den Originalausschreibungen des BMBFs)



Letzte Änderungen: 22.08.2005
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