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CRISPR-Hilfe aus Litauen

(7.12.17) Gehört New England Biolabs (NEB) zu den Global Playern im milliardenschweren CRISPR/Cas-Geschäft? Zumindest Marktanalysten scheinen sich darüber uneins zu sein. Mit einer neuen Kooperation will das Unternehmen künftig jeden Zweifel daran ausräumen.

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Seit der Gründung in den Mittsiebzigern des letzten Jahrhunderts hat sich New England Biolabs (NEB) als führender Enzym-Produzent für Molekularbiologie und Genomik etabliert. Mit den neuen Techniken des Genome Editing ist jedoch seit knapp vier Jahren kräftig Bewegung in die Szene gekommen. Stur und starr auf der Stelle stehen zu bleiben, kann demnach schnell bedeuten, hinten runter zu fallen. Das weiß man natürlich auch bei New England Biolabs – und bewegt sich. Neuester Move: eine mehrjährige Zusammenarbeit zur Identifizierung und Vermarktung von CRISPR/Cas-Nukleasen mit dem litauischen Start-up-Unternehmen CasZyme.

Nehmen wir diese Meldung jedoch zunächst, um einen Blick auf die Rahmenbedingungen zu werfen. Man braucht kein Hellseher zu sein, um vorherzusagen, dass Genome Editing und insbesondere die Technologien rund um das CRISPR/Cas-System einen Riesenmarkt versprechen. Genauso klar ist daher, dass gewisse Marktforschungs- und Unternehmensberatungs-Agenturen diesbezüglich schon mal kräftig ihre Rechenschieber bemühen. So berechneten etwa gerade erst MarketsandMarkets, dass der globale Genome-Editing-Markt in diesem Jahr knapp 3,2 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro) beträgt – und in den nächsten fünf Jahren mit 6,3 Milliarden US-Dollar (5,3 Milliarden Euro) noch auf nahezu das Doppelte anwachsen wird. Das Technologie-Spektrum des Genome-Editing-Markts unterteilt MarketsandMarkets dabei in CRISPR, TALEN, Zinkfinger-Nukleasen, Antisense- sowie andere Technologien wie das PiggyBac Transposon-System, Flp-In, Adenine Base Editor (ADE) und Jump-In.

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Den Löwenanteil des Markts würden nach den Analysten von MarketsandMarkets jedoch – wen wundert’s? – CRISPR-Technologien einnehmen. Deren Kollegen von Bioinformatics LLC waren diesbezüglich bereits im Sommer konkreter geworden – und prognostizierten bis 2021 einen globalen Markt von jährlich 3,6 Milliarden US-Dollar (3 Milliarden Euro) allein für CRISPR/Cas9-basierende Systeme.

Mal drin, mal nicht

Interessant ist, wen die Analysten dabei als Major Players in diesem Markt sehen. So listet MarketsandMarkets etwa folgende Namen auf: Thermo Fisher Scientific, (USA), Merck (Deutschland), Horizon Discovery Group (UK), GenScript (USA), Sangamo BioSciences (USA), Integrated DNA Technologies (USA), Lonza Group (Schweiz), OriGene Technologies (USA), Transposagen Biopharmaceuticals (USA), Editas Medicine (USA), CRISPR Therapeutics (Schweiz) und eben New England Biolabs (USA). Deren Kollegen von Geopolmonitor haben dagegen folgende Firmen auf dem Zettel: Caribou Biosciences, Addgene, CRISPR Therapeutics, Merck, Mirus Bio LLC, Editas Medicine, Takara Bio USA, Thermo Fisher Scientific und Horizon Discovery Group.

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Im Gegensatz zu MarketsandMarkets sieht Geopolmonitor New England Biolabs also bisher nicht als Global Player im CRISPR-Markt. Inkwood Research hat sie in ihrem Report „16 Leading Companies in the Global CRISPR Market“ hingegen dabei. Die nächste Analyse von ReportLinker wieder nicht.

Ohne die einzelnen Marktanalysen jetzt im Detail anzuschauen, dürfte das schon ausreichen, um festzustellen: Völlig unzweifelhaft steht New England Biolabs bislang offenbar noch nicht als Global Player im CRISPR/Cas-Genome-Editing-Markt fest. Und die frische Verbandelung der Enzym-Spezialisten mit den Litauern von CasZyme deutet ja schließlich darauf hin, dass auch New England Biolabs selbst hier noch Handlungsbedarf beziehungsweise Ausweitungspotential sieht.

Mit "vergessenem Pionier" ins Rampenlicht

Ziel der neuen Vereinbarung ist, mithilfe der Expertise von CasZyme neue Cas-Nukleasen zu charakterisieren, die New England Biolabs dann weltweit herstellen und kommerziell vertreiben wird. Diese Expertise gründet sich vor allem auf die Person von Virginijus Šikšnys, Professor an der Universität Vilnius, der 2012 mit seinem Team demonstrierte, dass man CRISPR/Cas9 dazu verwenden kann, präzise DNA-Doppelstrangbrüche zu erzeugen (PNAS 109(39): E2579-86). Überdies identifizierten und charakterisierten Šikšnys et al. bereits weitere Cas-Nukleasen wie etwa Cas3 (EMBO Journal 30: 1335-42). Und mindestens genauso interessant: Zusammen mit zwei anderen Teams zeigten die Litauer, dass man die CRISPR/Cas- Komponenten eines Bakteriums völlig reibungslos in einem ganz anderen zum Laufen bringen kann (Nucleic Acids Res. 39: 9275-82). Nicht umsonst coverte die Neue Zürcher Zeitung Šikšnys im September 2016 als einen der „vergessenen Pioniere“ bei der Entdeckung von CRISPR/Cas. Wenige Monate später gründete er CasZyme.

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Kein Wunder, dass Ted Davis, Direktor für Produktentwicklung bei New England Biolabs, angesichts dieses Hintergrunds Optimismus über die künftige Kooperation versprüht: „Die wissenschaftlichen Gründer von CasZyme sind Pioniere in der CRISPR/Cas-Forschung, mit denen wir unser Verständnis von Schlüsselenzymen des bakteriellen Immunsystemen zur Erkennung von Nukleinsäuren vorantreiben wollen. Wir freuen uns auf diese gemeinsame Aufgabe, von der wir glauben, dass sie uns am Ende neue Anwendungen von Cas-Enzymen in vitro und in vivo ermöglichen wird."

Und wenn das alles tatsächlich so klappen sollte, könnte die neue Zusammenarbeit New England Biolabs womöglich auch endgültig einen festen Platz in den Global Player-Listen aller künftigen CRISPR/Cas-Marktanalysen bescheren. Dabei sollte auch kaum stören, dass CasZyme erst wenige Wochen zuvor eine ganz ähnliche Kooperation mit dem US-Pflanzenzucht- und Saatgutgiganten DuPont Pioneer eingegangen ist.

Ralf Neumann



Letzte Änderungen: 21.12.2017

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