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Der betrügerische Krebsmediziner

Winfried Köppelle


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Rätsel

(20.08.2014) Er malträtierte seine Patientinnen jahrelang mit hochgiftigen Chemikalien und täuschte Behandlungserfolge vor, wo keine waren. Dann verschwand er spurlos.

Der Mann ist ein Phantom. Kein Foto im Netz, keine Adresse, kein aktueller Aufenthaltsort. Der Verbleib des einst umjubelten Mediziners aus Südafrika, dessen phänomenale Heilmethoden in den 1990ern für Furore sorgten, ist ungeklärt – fast möchte man meinen, er habe nie existiert. Selbst im Online-Lexikon Wikipedia taucht er nur am Rande auf: einmal in einem Kapitel über eine sensationelle neue Krebstherapie, ein weiteres Mal im Kapitel „Betrug und Fälschung in der Wissenschaft“. Wer war dieser Mann, der sich jahrelang in Blitzlichtgewittern sonnte und dessen Stern wenig später in einem der größten Betrugsskandale der Biomedizin verglühte?

Über seine Herkunft, ja selbst über seine Staatsangehörigkeit war nichts herauszubekommen. Man müsste wohl vor Ort recherchieren, in Südafrikas wichtigster Metropole und beim Dekan der Fakultät für Gesundheitswissenschaften nachfragen. Der müsste sich eigentlich noch an seinen Kollegen erinnern, der vor zwanzig Jahren an der Hochschule mit den vier Buchstaben ein mächtiger Institutsdirektor war; ein Krebsmediziner, der verzweifelten, um ihr Leben bangenden Mammakarzinom-Patientinnen neue Hoffnung gab.

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Superstar der Hochdosis-Chemotherapie

1972 tauchte sein Name erstmals in der Literatur auf – als Erstautor einer Abhandlung über Herzbeutelentzündungen (mutmaßlich seine Doktorarbeit). 23 Jahre und gut 200 Fachartikel später war er Chefarzt und publizierte im Journal of Clinical Oncology jene richtungweisende Studie, die ihn schlagartig bekannt machen sollte: Er wies erstmals die Überlegenheit der Hochdosis-Chemotherapie (HDC) nach. Die Kritiker dieser für Patienten sehr belastenden Behandlungsmethode waren fortan in der Defensive.

Ausgehend vom legendären Dana–Farber Cancer Institute in Boston, hatte die HDC in den 1980ern ihren Siegeszug durch die Krebsstationen angetreten – und unter dem Motto von STAMP (Solid Tumor Autologous Marrow Program) glaubte man, auch solide Tumore wie Brustkrebs besiegen zu können: Man entnahm den Patientinnen einen Teil ihres Knochenmarks, radierte anschließend die Tumorherde sowie – als nicht zu umgehenden Kollateralschaden – auch das blutbildende System mit einer massiven chemischen Attacke aus, und gab den vom Krebs Befreiten hinterher ihr Knochenmark zurück. Tausende brustkrebskranke Frauen verlangten nach dieser Extremtherapie, für die bis zu 400.000 Dollar berechnet wurden. Die Behandlungszentren schossen aus dem Boden und Todkranke klagten bei den widerstrebenden Krankenkassen ihren Anspruch auf die vermeintlich rettende Therapie ein, trotz noch immer fehlender Wirksamkeitsnachweise. Da kam unser Gesuchter, Superstar der Hochdosis-Onkologen, gerade recht: Mehr als neunzig Prozent seiner Patientinnen habe er vom Krebs geheilt. Die Kollegen waren sprachlos.

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Im Mai 1999 allerdings überreizte er sein Blatt. Auf der Jahrestagung der US-Krebsgesellschaft wurden drei nach vielen Mühen (keine Patientin wollte im vermeintlich todgeweihten Kontrollarm landen) realisierte Studien präsentiert – mit ernüchterndem Ergebnis: Die HDC zeige keinerlei Überlebensvorteil gegenüber bisherigen Krebstherapien. Dass eine vierte Studie, nämlich von unserem Gesuchten, erneut wundersame Heilerfolge verkündete, sollte ihm das Genick brechen. Ein nach Südafrika gereistes Untersuchungsteam entlarvte die von ihm präsentierten Daten als größtenteils erfunden. Die Wunderheilungen waren Humbug, die Hochdosis-Chemotherapie gegen Brustkrebs ein grausamer Irrweg.

Seitdem ist er spurlos verschwunden. Ob er noch als Arzt praktiziert, den Beruf oder das Land gewechselt hat oder gar tot ist, bleibt rätselhaft. Wie heißt er?




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Der gesuchte, betrügerische Krebsmediziner ist der Südafrikaner Werner Bezwoda (*ca. 1947). Der Chefarzt der Johannesburger University of Witwatersrand (WITS) stieg Mitte der 1990er Jahre zu einer weltweiten Kapazität für Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation auf. Laut den von ihm erhobenen Studiendaten überlebten Frauen mit Mammakarzinom Bezwodas extrem strapaziöse Behandlung deutlich länger als die gängige Chemotherapie; zehntausende Krebskranke klammerten daraufhin all ihre Hoffnung daran. Später entlarvte man Bezwoda als notorischen Hochstapler und seine Studien als Humbug: Unterlagen waren verschwunden, Altersangaben falsch, und manch angeblicher Proband nie von ihm behandelt worden. Offenbar praktiziert er noch: Aufmerksame LJ-Leser stießen in Johannesburg auf einen Onkologen gleichen Namens.




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