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Wirkstoff des Monats: Anifrolumab

von Karin Hollricher (Laborjournal-Ausgabe 9, 2021)


Stichwort

(13.09.2021) Hinter dem Namen verbirgt sich ein Wirkstoff von AstraZeneca zur Behandlung von systemischem Lupus erythematodes (SLE) bei Erwachsenen.

Anifrolumab ist ein vollständig humaner Antikörper gegen die Untereinheit 1 des Typ-1-Interferon-Rezeptors. Er wurde kürzlich von der amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft den Zulassungsantrag, sodass der Wirkstoff-Kandidat möglicherweise bald auch hiesigen Betroffenen zur Verfügung steht.

SLE ist eine Autoimmunerkrankung mit massiven chronischen Entzündungsreaktionen an verschiedenen Organen. Neunzig Prozent der Betroffenen sind weiblich. Wodurch und warum SLE entsteht, ist unbekannt. Also konzentrieren sich Therapieentwickler derzeit primär darauf, die Symptome zu reduzieren.

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Seit etwa vierzig Jahren weiß man, dass viele Betroffene hohe Interferon-Spiegel haben. Diese Moleküle wurden später als Interferone (IFN) des Typs 1 identifiziert. Transkriptionsanalysen zeigten, dass bei über der Hälfte der Erkrankten Gene hoch aktiv sind, die von Typ-1-IFN gesteuert werden. Etliche dieser Gene – die man als die IFN-Signatur von SLE bezeichnet – werden aber auch von Typ-2- und Typ-3-Interferonen beeinflusst.

Da unklar ist, welche Ereignisse die chronische Aktivierung der Immunstimulanzien auslösen, ist das angetrebte Ziel einer Therapie, IFN-Signalwege zu blockieren. Klinische Studien zeigten, dass Antagonisten des Typ-1-IFN-Rezeptors (IFNAR) die Symptome bei Patientinnen lindern können, aber längst nicht bei allen.

In einer ersten Studie zeigte sich der Antikörper Anifrolumab als wenig effektiv. In der Folgestudie hingegen erreichte er dann doch die primären Endpunkte: deutliche Verbesserung der Parameter für Entzündungen und Krankheitsaktivität. Diese Studie wurde nach anderen Kriterien ausgewertet als ihre Vorgängerin (Nat. Rev. Rheumat. 16: 125). 48 Prozent der überwiegend weiblichen Probanden mit hoher IFN-Signatur erreichten unter der Therapie demnach die primären Endpunkte, während es in der Placebogruppe nur knapp 31 Prozent schafften (N. Engl. J. Med. 382: 211-21). Allerdings fördert eine Therapie mit IFN-Rezeptor-Inhibitoren auch den Ausbruch von Herpes-zoster-Infektionen.

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Schwerer SLE wird derzeit in erster Linie mit Hydroxychloroquin, Glukokortikoiden und Zytostatika behandelt. Seit 2011 steht mit dem Antikörper Belimumab ein Inhibitor des Zytokins Baff (B-Zellen aktivierender Faktor) zur Verfügung.