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Wirkstoff des Monats: Kybella

von Karin Hollricher (Laborjournal-Ausgabe 12, 2020)


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(11.11.2020) Seit Oktober ist eine Fett-weg-Spritze auf dem Markt. Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Bereits seit 2016 in der EU zugelassen, aber jetzt erst in Läden zu kaufen ist Kybella. Der Wirkstoff war von der irischen Firma Allergan entwickelt worden, die im Mai 2020 von der US-amerikanischen AbbVie gekauft wurde.

Die Indikation ist überraschend präzise: Die Spritzen sind nur für Erwachsene, die ein deutliches Doppelkinn haben und psychisch daran leiden, aber nicht fettleibig sind.

Der wirksame Stoff in Kybella ist die sekundäre Gallensäure Desoxycholsäure. Sie wirkt wie ein Detergenz und greift Zellmembranen an, und zwar in vitro diejenigen aller Zellen (Dermatol. Surg. 36: 899-908). Die Zellen im Fettgewebe scheinen allerdings besonders empfindlich zu sein. Denn injiziert man die Substanz in das Fettgewebe, sterben als Erstes die in diesem Fall lästigen Adipozyten. Warum das so ist, weiß man noch nicht wirklich.

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In vier klinischen Phase-3-Studien in Nordamerika und Europa wurde die Wirksamkeit von Desoxycholsäure auf die Fettdepots unter dem Kinn untersucht. Eine dieser Studien ist die doppelt verblindete REFINE-1 (Dermatol. Surg. 42, 38-49). Hier testeten jeweils etwa 250 Personen in Verum- und Placebogruppe die Wirkung der Spritzen. 83 Prozent von ihnen waren weiblich, das Durchschnittsalter betrug 49 Jahre und der mittlere Body Mass Index lag bei 29. Damit waren die Probandinnen samt der gut dreißig Männer also als ziemlich dick, aber gerade noch nicht als fettleibig einzustufen.

Für die Auswertung mussten die Teilnehmerinnen beurteilen, ob ihr Doppelkinn geschrumpft war. Außerdem wurde der Kinnschwabbel ausgemessen, manchmal sogar per Kernspinresonanztomographie. Tatsächlich war bei sehr vielen Personen das submentale Fett – so der Fachbegriff für das Fett unter dem Kinn – nach sechs Injektionen messbar kleiner geworden. Und was blieb nach der Lipolyse zurück? Schlaffe Hautsäcke oder straffe Kinne? In der Publikation sind ein paar Vorher-Nachher-Bilder enthalten, die dokumentieren, dass zumindest bei den abgebildeten Damen die Kinne an Kontur gewonnen hatten und demnach ansehnlicher geworden waren.

In den USA ist Kybella bereits seit vier Jahren auf dem Markt. Allerdings stellte man dort inzwischen fest, dass unsachgemäße Injektionen Nekrosen auslösen können. Deshalb muss hierzulande die verschreibungspflichtige Fett-weg-Spritze vom Arzt gesetzt werden – und zwar mehrfach an etlichen Stellen in der präplatysmalen Region am Hals.



Letzte Änderungen: 08.12.2020

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