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Aller guten Dinge ...

Erlebnisse einer TA (157)

Maike Ruprecht


Die TA

Um die notwendigen Materialien für einen jederzeit reibungslosen Laborablauf zu beschaffen, muss man manchmal ungewöhnliche Wege gehen. Zum Beispiel wenn man medizinisches Klebeband von der Apotheke unserer Uniklinik bestellen möchte. Das geht ausschließlich per Fax.

Leider ist unser Faxgerät kapriziös wie eine echte Diva. Das schickt einen Brief nicht einfach so raus, da könnte ja jeder kommen. Vielmehr drücke ich auf „Senden“ und warte auf seine Entscheidung ...

Vor siebzig Jahren hätte die Zustellung eines entsprechenden Briefes noch mehrere Tage gedauert, andererseits hätte man die Klebebänder gleich hinter dem berittenen Kurier, der das Formular überbracht hat, zwecks Zustellung aufs Pferd binden können.

Das Faxgerät piept. „Verbindung fehlgeschlagen“.

Sollte ich mein Formular vielleicht doch per Brieftaube schicken?

Ich lege es neu ein, tippe nochmals die Faxnummer und drücke wieder auf „Senden“ ...

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Das Faxgerät denkt nach ...

Bei meinem Vater in der Firma gab es früher ein Rohrpostsystem. Per Druckluft wurden verschraubte Plexiglaskapseln mit Nachrichten quer durchs Gebäude gepustet – und am Ziel landeten sie weich in gepolsterten Eingangskörben. Könnte man so was nicht auch zwischen den verschiedenen Campussen installieren? Das würde sich am Himmel über Frankfurt doch bestimmt gut machen.

Das Faxgerät piept. „Verbindung fehlgeschlagen“. Also noch ein drittes Mal von vorne: Einlegen, eintippen, senden. Das Faxgerät denkt nach. Ich auch ...

In fünfzig Jahren werde ich sicher durch einen ins Gehirn implantierten Chip mit der Apotheke kommunizieren. Dann brauche ich meine Bestellung nur zu denken – und schon weiß die Apotheke, was ich haben will. Zur Authentifizierung denke ich meinen Benutzernamen vorwärts in Groß- und Kleinbuchstaben mit Zahlen und Sonderzeichen und tanze zugleich mein Passwort rückwärts auf elbisch.

Es piept! „Verbindung okay“. Donnerwetter! Das ging schneller, als wenn ich die Brieftaube samt Bestellformular in eine Plexiglaskapsel gestopft und diese dann persönlich zu Pferde in die Apotheke gebracht hätte.

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Später kommt einer unserer Postdocs zu mir und fragt: „Kannst du das Faxgerät bedienen?“

Da ich ja gerade erst erfolgreich war, bejahe ich seine Frage.

Auf dem Weg ins Sekretariat wedelt er mit einem Bündel Blätter. „Ein Antrag auf Fördergelder. Leider muss ich den per Fax schicken. Ich habe es schon dreimal versucht, aber die Verbindung kommt nicht zustande.“

Im Ausgabefach des Faxgerätes liegen sechs Sendebestätigungen. Offenbar ist die Diva nicht nur launisch, sondern flunkert auch gern.

„Hoffentlich schickt mir die Apotheke jetzt nicht die dreifache Menge Klebeband“, überlege ich laut.

Der Postdoc lacht: „Also in meinem Fall hätte ich gegen die dreifache Menge nichts einzuwenden.“

Kaum zur Tür raus erreicht mich plötzlich ein Gedanke aus der Zukunft: „Wenn Ihnen unser Klebeband gefallen hat, interessieren Sie sich vielleicht auch für unser Verbandszeug?“



Letzte Änderungen: 06.09.2022