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Wer? Die Waddung?

Erlebnisse einer TA (90)

Annette Tietz


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Die TA

Ich arbeite ja gerne mit Kollegen zusammen. Aber es hat auch Vorteile, wenn man ab und zu alleine im Labor ist: Mehr Ruhe, mehr Platz, mehr Planungsfreiheit,... Alles sehr praktisch. Einen entscheidenden Nachteil hat das Ganze allerdings: Wenn das Telefon klingelt, ist man die Einzige, die rangehen kann. Leider.

So wie neulich. Es klingelte. Vergeblich wartete ich, ob mir vielleicht doch ein Kollege aus dem Nachbarlabor mit gewagtem Hechtsprung zur Hilfe kam – und ging meiner Telefonpflicht nach.

Hocherfreut plapperte sofort eine Dame mit seltsamem Akzent los: „Ach Frau Tietz, Mayer-Schrade hier, des is ja jetz’ subber, dass ich Sie gleich am Apparat hab! Ich ruf an wesche der Emdee fuffzeh-dreißisch.“ Idiotischerweise riss ich die Augen weiter auf, um besser zu hören. „Die hammse doch 2012 bei uns b‘schdellt!“

Meine Kollegin, die in diesem Moment das Labor betrat, formte aufgrund meines Gesichtsausdruckes lautlos die Frage: „Was Schlimmes?“ Ich nickte.

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„Könne Se mol gugge...“

„Frau Tietz, hammse de Emdee fuffzeh-dreißisch vor sich?“ Da ich keinerlei Idee hatte, wovon sie sprach, versuchte ich meine Unwissenheit zu überspielen und fragte unverfänglich: „Was kann die denn Besonderes?“ „Na, Sie mache mer ja Spaß, Frau Tietz! Ha, immer für’n Spaß bereit, gelle? Steht se noch im Labor 1242, die Gute?“

Eine „Sie“ also. Aber hatte Frau Mayer-Schrade nicht gerade Labor 1242 gesagt? Ich arbeite nämlich seit einem Jahr nicht mehr im Labor 1242, sondern in 1246. Ich klärte Frau Mayer-Schrade kurz auf und versprach die Emdee fuffzeh-dreißisch in 1242 zu suchen.

Ich ging also in Hannes Labor und fragte ihn nach dem Objekt der Begierde. Genauso gut hätten grüne Marsmännchen das Labor entern können, sein Gesichtsausdruck wäre wohl der selbe gewesen! Ich durchkreuzte sein Labor auf der Suche nach etwas, das so ähnlich hieß – und fand tatsächlich eine Tischzentrifuge mit der Aufschrift „MT 15-30“. Bingo! Legt man jetzt noch den netten Dialekt von Frau Mayer-Schrade drüber, wär‘ man doch gut dabei.

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Ich pilgerte also mit meiner Entdeckung zurück ans Telefon und ließ Hannes mit den Marsmännchen alleine zurück. „Ich hab’ sie gefunden!“ unterrichtete ich Frau Mayer-Schrade stolz. Sie zeigte sich nur wenig beeindruckt und fragte: „Könne Se mol gugge, was uff‘m Waddungsuffkleber steht?“ Klar, eine meiner leichtesten Übungen: der „Waddungsuffkleber“!

Ich ging also zu Hannes zurück. Er schien bereit für die nächste Invasion. Ich beruhigte ihn allerdings umgehend: „Ich muss nur kurz auf den Waddungsuffkleber schauen!“ Ich glaube, in dem Moment hätte er die Anwesenheit der grünen Männchen als weniger angsteinflößend empfunden als die meinige. Ich beschloss, Hannes für den Rest des Tages in Ruhe zu lassen, und klärte alle noch offenen Fragen mit Frau Mayer-Schrade. Sie zeigte volles Verständnis dafür, dass es „ja gar net so ei’fach is’, wenn mer jetz’ auch noch in mehrere Labors gleischzeitisch arbeite muss“. Und beendete das Gespräch mit der freundlichen Information, dass sie mir „dann de Deschniker vorbeischigge werd, sobald die Waddung fällisch is’“. Na, das nenn ich mal Service!

Auf diesen Schreck gönnte ich mir erst mal eine Tasse Kaffee. Und falls es jemanden interessiert, wo unsere Effdee achzeh-verzisch steht – das weiß ich! Und da gibt es auch keinen „Waddungsuffkleber“. Sollte aber doch mal ein „Deschniker“ vorbei kommen – dann schmeiss’ isch die Maschien’ an, un’ er kriescht auch en Kaffee!



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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