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Cooles Praktikum

Erlebnisse einer TA (70)

Annette Tietz


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Die TA

Es gibt Dinge, die traut sich selbst ein Chef kaum, seine TA zu fragen. Und tut es dann doch. Wie heute. Schon bei seiner ersten Frage war mir klar, dass da was im Busch war. Sie lautete: „Na, langweilst Du Dich?“ Ich schaute mittelmäßig verwirrt hoch und unterbrach meine bereits zwei Stunden dauernde Mikroskopieranalyse. Meine Augen freuten sich, auf etwas anderes scharf zu stellen als bunt gefärbte Zellen. Sogar wenn es sich dabei um den Chef handelte, der definitiv nichts Gutes im Schilde führte. So was spüren wir TAs, ehrlich! Und liebe Chefs: Langeweile sähe bei Ihrer TA so aus: Mit den Beinen auf der Bench einen Kaffee schlürfend die Gala lesend. In so einem Fall: bitte nicht stören! Ich hatte und tat aber weder noch. Um nicht unhöflich zu sein, antwortete ich: „Nein, aber ich sag Dir Bescheid, wenn ich ein Animationsprogramm brauche.“

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Hitverdächtige Antwort? Im Gegenteil: Fettes Eigentor, wie ich gleich feststellen durfte. Ich wendete mich der nächsten Zelle zu, um sie in blau, mittelblau, dunkelblau oder taubenblau einzustufen. „Hast Du nächsten Mittwoch viel zu tun?“ Mitteltaubenblau mit einem Hang zu steinblau. Ich witterte Unheil. „Die Tochter von der Sekretärin aus der Nachbarabteilung müsste so ein eintägiges Schulpraktikum machen und lässt fragen, ob sie sich Dir einen Tag anschließen dürfte.“ Aha? Das ging doch noch. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet. Somit fiel meine Antwort positiv aus. „Klar kann sie einen Tag kommen, ist ja immer schön, wenn sich junge Leute fürs Labor interessieren.“

Am nächsten Mittwoch kam Marie-Kristin punkt acht Uhr samt Mama ins Labor. Mama strahlte von einem Ohr zum anderen und machte, dass sie weg kam. Marie-Kristin grinste nicht. Ich war mit einem 14-jährigen Teenager allein! Immerhin, sie fand es gleich mal echt cool, dass wir hier alle im weißen Kittel rumliefen. Dann fragte sie, wann wir Feier­abend machten. Schule ginge heute auch nur bis 16 Uhr... Ich zog es vor, gar nicht erst rumzudiskutieren. Ich fragte sie, warum sie sich denn für einen Tag im Labor entschieden habe und was sie sehen und machen wollte. „Keine Ahnung, ich muss halt auf jeden Fall einen Bericht schreiben und da soll dann drinstehen, was ich heute gemacht habe.“

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Ich durchforstete mein Gehirn nach etwas eventuell für sie Spannendem und beschloss, ihr meine letzte Transformation mit blue-white screening vorzuführen. Sie fand die Platte mit den weißen und blauen Punkten denn auch ganz schick, bis ich ihr erklärte, dass es sich hierbei um Bakterien handele, warum es da weiße und blaue Kolonien gab und warum wir uns nur für die weißen interessierten.

Sie fand die blauen cooler, ließ sich dann aber doch überreden, ein paar von den uncoolen weißen mit der Pipettenspitze zu picken und in ein Röhrchen mit Nährmedium zu überführen. Ich düste unterdessen kurz ins andere Labor und startete meine PCR.

Als ich wiederkam, saß Marie-Kristin reglos vor den Röhrchen. „Kannst ruhig weitermachen!“ ermunterte ich sie. „Kann ich nicht doch ein paar blaue nehmen, die sieht man viel besser?“ Ich überlegte. Sollte ich ihr die Freude machen und sie ein paar von den coolen blauen Kolonien picken lassen, die ohnehin bald den Weg alles Irdischen gehen und autoklaviert würden? Oder sollte ich pädagogisch wertvolle Arbeit leisten und ihr nochmal erklären, warum ich die langweiligen weißen wollte? Eigentlich konnte es mir ja egal sein, aber ich wollte sie auch nicht vor ihren Freunden bloßstellen und mit einem Bericht nach Hause schicken, in dem so uncoole Sachen stehen würden. Also stimmte ich kurzerhand zu. „Hey, danke, das ist echt cool hier!“ Ja, finde ich auch.



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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