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Erlebnisse einer TA (66)

Annette Tietz


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Die TA

„Hallo TA! Alles klar im Urlaub?“ Ich starrte auf mein Display in der Hoffnung, mein Chef würde noch eine kleine Erklärung hinterher schicken. Es blieb jedoch bei diesen sechs Wörtern. Was sollte ich damit anfangen?

Meine erste Amtshandlung als TA im Urlaub war es, das Handy wegzulegen und es zu ignorieren. Leider funktionierte das im Urlaub so wenig wie im Labor. Mist-Mist-Mist. Okay, Plan B: Krisensitzung mit mir selbst. Warum schickte der Chef mir eine SMS? Wohl nicht aus Sorge um mein Wohlergehen. Oder doch?

Um den heißen Brei gesimst

Die Frage „Alles klar?“ kannte ich nur allzu gut aus dem Laboralltag. Dabei setzte er immer den „Ich-hoffe-doch-JA!-Blick“ auf. Bis vor ein paar Minuten war hier tatsächlich alles klar. Was nun? Weiter ignorieren oder doch antworten? Mein Handy nahm mir die Entscheidung ab. Es brummelte erneut vor sich hin: „Chef Handy“.

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Oh je, vielleicht gab es wirklich ein größeres Problem, das Labor wurde wegen eines unbekannten Erregers unter Quarantäne gesetzt, oder war abgebrannt und wir müssen umziehen und ich hatte keinen Arbeitsplatz mehr? Die aufsteigende Panik unterdrückend nahm ich mir ein Herz und las. „Hallo TA! Alles klar im Urlaub?“ Häh? Ein Déjà-vu? Also doch antworten. Aber was? „Hey, hier alles voll superklasse, sitze gerade am Strand, grandioses Wetter, Cocktails schmecken spitze“. Nee, zu kumpelig. Und ein bisschen gemein. Ich entscheid mich für: „Alles prima hier. Bei euch?“ Ich starrte aufs offene Meer.

Was war der Grund für diese Kommunikationsflut?

Das Handy brummelte. Das ging ja schnell, also ist doch was passiert. Chef schrieb: „Hier auch alles super. Ist zwar ein bisschen heiß aber zum Glück hab ich ja Klima;)“ So langsam setzte er unser gutes Verhältnis aufs Spiel. Klima! Hätte ich auch gerne im Labor. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, die Cocktail-SMS doch zu schicken, verwarf ihn dann aber.

Könnte er mal zum Thema kommen? Wie frage ich denn am geschicktesten, was denn nu los ist, ohne allzu viel Einsatz zu zeigen. Mist-Mist-Mist. James Bond wüsste jetzt bestimmt eine total geniale Frage, mit der er die Frau kriegen und die Welt retten würde. Ich dagegen saß weiterhin wie angewurzelt da und starrte mein Handy an. Da brummte es schon wieder. „Und, genießt Du Deinen Urlaub, oder vermisst Du uns schon?“

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Ha-ha! Ganz toll, Chef! Was soll bitte Deine TA darauf schreiben, ohne den guten Eindruck oder gar den Arbeitsplatz zu riskieren? Schönen Dank auch. Wieso gab es keinen Ratgeber „Kommunikation mit dem Chef – leicht gemacht!“. Half ja alles nix. Nach vielen zusammengeknüllten und neben den Mülleimer geworfenen SMSs hatte ich am Ende eine brilliante Antwort parat: „Bin ja erst ein paar Tage weg, also hält sich das Heimweh noch in Grenzen;).“

Chapeau Madame, kann ich da nur sagen. Ich klopfte mir selbst auf die Schulter – das war neutral mit einem Hauch von zurückhaltender Freundlichkeit. Das Problem, dass ich dem eigentlichen Grund seiner SMS-Freudigkeit noch immer kein Sandkorn nähergekommen war, blieb jedoch. Also kramte ich allen Mut zusammen und ergänzte meine SMS: „Und bei euch läuft alles im Labor?“ Senden. Uff, jetzt war ich gespannt und aufgeregt. Ich fing an, Sandkörnchen zu zählen.

Bei 156 brummte es wieder. Chef Handy. „Du, hier alles klar, ich muss jetzt los zur Berufungskommission. War schön, von Dir zu hören! Schönen Urlaub noch!“ War ich sauer oder erleichtert, dass unser Labor scheinbar doch nicht abgebrannt war und ich noch Besitzerin eines Arbeitsplatzes war? Ich entschied mich für „sauer“ und schickte nun doch noch die Cocktail-SMS. Strafe musste sein!



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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