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Erlebnisse einer TA (62)

Annette Tietz


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Die TA

Faulheit wird bestraft, das musste ich mal wieder selbst erfahren. Ich wollte zur Poststelle der Universität und dachte mir, es sei angenehmer, Aufzug zu fahren, als mich in irgendeiner Weise sportlich zu betätigen. Was ich nicht bedachte, war, dass der dienstälteste Aufzug des Klinikums ein etwas unangenehmes Eigenleben besitzt.

Als ich einstieg, stand schon ein Student im Fahrstuhl, der, wie es sich laut Aufzug-Knigge gehörte, seine Füße anstarrte und nicht grüßte. Egal. Ein Stockwerk weiter stieg noch jemand ein, der sich in maximalem Abstand zu mir und dem Bodengucker gesellte – vielleicht ein Mathematiker?

Der Aufzug setzte sich wieder in Bewegung und verabschiedete sich eine Sekunde später in seine Frühstückspause. Wir waren offensichtlich eingeladen. Wir steckten fest. Auch das noch! Es war nicht das erste Mal, dass meine Fahrt in dieser Büchse länger dauerte als geplant – wie hieß noch dieser eine Film mit dem Hochhaus?

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Aufzug-Geplauder

Immerhin kam in den Bodengucker Bewegung. Er starrte uns abwechselnd an, die Pupillen angstgeweitet, die Hände verkrampften sich in seiner ausgebeulten Jeans. Ich verstehe­ etwas Augenbrauisch, daher drückte ich die Notruf-Klingel. „Was gibt‘s?“ fragte meine Lieblings-Aufzug-Stimme, die ich noch von den letzten zwei, drei Mal Festsitzen-im-Aufzug her kannte. „Wir stecken im Aufzug Gebäudekreuz 24 fest!“ – „Nicht schon wieder, der nervt ja langsam.“ Ja, wem sagte er das? „Ich schau mal, was ich machen kann!“ Na super, sehr verbindlich klang das aber nicht.

Eine Stimme murmelte aus Richtung des Bodenguckers: „Wie lange dauert das denn jetzt?“ – „Keine Ahnung, wieso, haste noch was vor heute?“ Er wurde blass. Armes Kerlchen.

So standen wir eine ganze Weile bedrückt in unseren Ecken. „Hallo?“ Hurra, der nette Mann im Off meldete sich. „Der Herr Brand is grad in der Pause, ich meld‘ mich dann, wenn er zurück is, okay?“ – Waas? Nein, gar nichts war okay!

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Wenn unseren Chefs unsere Frühstückspause so heilig wäre, das wär‘ ein Knüller! Der Bodengucker, inzwischen noch blasser, warf einige Worte in Richtung des Dritten im Bunde: „Die is ja süß! Was machst’n mit der?“ Jetzt wurde ich blass, außer uns dreien war doch gar niemand mehr hier drin. Wie hieß noch dieser andere Film ...? Ich fing an zu schwitzen.

„Wir messen die Herzfrequenz auf bestimmte optische Reize“, kam die Antwort. Häh? Okay, ich steig aus, Jungs, keine Ahnung, von wem ihr redet, aber optische Reize gab es hier drinnen nicht wirklich viele. Würde ne langweilige Messung werden. „Das ist Oskar. Schau Oskar, so sieht’s im Aufzug aus.“ Du meine Güte, blasen die hier etwa Benebelungsgas rein, wenn man im Aufzug stecken bleibt, damit man nicht durchdreht? Ich schielte nach links. Mein Nebenmann hielt sich einen Käfig vors Gesicht und strahlte die schwarze Maus darin an. Oskar wuselte völlig unbeeindruckt wie ein Maulwurf durch die Streu.

Gut gegen Langeweile

Herr Off meldete sich wieder: „Hallo, sind Sie noch da?“ Jaha, Scherzkekschen am anderen Ende der Leitung. Sind wir! „Nee, wir haben uns gerade abgeseilt und brauchen Ihre Hilfe nicht mehr“, kommentierte ich. Ich fand’s lustig. Oskar schüttelte sich eine Ladung Streu aus dem Fell und tauchte wieder unter.

„Wir sind hier drin und wollen raus! Kommt da jetzt endlich mal jemand?“ Der Bodenstarrer hatte die Hände aus den Taschen extrahiert und trommelte gegen die Aufzugwand. Na, da konnte aber jemand böse werden, hätte ich ihm gar nicht zugetraut! „Wir sind unterwegs!“ Mein Retter.

„Gell, Oskar, da freuste Dich auch, wenn Du wieder hier raus kommst!“ Also doch: eindeutig Benebelungsgas hier drin. Wieso sollte sich Oskar freuen, der fand’s ganz knülle in seinem Streuhaufen. Rauskommen? Schön wär‘s.

Als wir dann endlich befreit waren, verabschiedete ich mich mit den Worten: „Also dann – Tschüss, bis zum nächsten Mal!“ Schreckgeweitete Augen bestätigten mir, dass auch das im Knigge steht.



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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