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Erlebnisse einer TA (52)

Annette Tietz


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Die TA

Einmal im Jahr treffen sich sämtliche Angestellten der Uni im Hörsaal 124, um sich einen Vortrag über Laborsicherheit anzuhören. Das gehört nun mal zu den Vorschriften. Die einen frischen ihr Wissen auf, für andere ist alles komplett neu. Die große Mehrheit findet sich aus reinem Pflichtbewusstsein ein. So auch Ende vergangenen Jahres.

Der Referent begann seine Präsentation mit einem Überblick über Dinge, die im Labor nichts zu suchen haben: Er hatte dazu eine Menge Verbotsschildchen vorbereitet. Als erstes ein durchgestrichener Hamburger – darf man im Labor etwa nicht essen? Na macht nichts, ich mag eh‘ keine Hamburger! Schokolade hingegen ... ich wurde unruhig. Dann eine durchgestrichene Flasche. Die Lage spitzte sich zu. Sekt? Bier? Andere Spirituosen? Oder am Ende Wasser? Ein Raunen erhob sich im Hörsaal. „Und wenn ich krank bin, darf ich mir dann nicht mal eine Tasse Tee auf meinen Schreibplatz stellen“, fragte jemand. Der Referent schnappte entsetzt nach Luft. Jegliche Art von Getränken hätte nichts im Labor zu suchen und auch nicht auf dem Schreibplatz! Die Fragerin wähnte offenbar ihr Seelenheil in der Keramik und fing prompt an zu schmollen. „Dann bleib ich eben das nächste Mal zu Hause, wenn ich krank bin.“ Ein hartes Los!

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Handcreme fürs Überleben

„Das gleiche gilt natürlich auch für Arzneimittel“, holte der Referent zum nächsten Hieb aus. Sämtliche Hustenbonbon-Träume fanden ein jähes Ende. Doch der Dozent wurde gerade erst warm. „Selbstverständlich sind auch Kaugummis bei der Laborarbeit tabu“, setzte er mit erhobener Stimme noch eins drauf. Da verstand er offenbar keinen Spaß. Die Luft im Raum war zum Schneiden, die ersten Augenbrauen zogen sich bedenklich zusammen.

Das nächste durchgestrichene Bildchen zeigte eine Reihe von Tuben und Töpfchen. Allgemeines Rätselraten lockerte die Stimmung ein wenig auf, bis der Referent Licht ins Dunkel brachte: „Selbstverständlich ist das Verwenden von Kosmetika im Labor untersagt.“ Einem Degen gleich sirrte sein Zeigestab durch die Luft und blieb zitternd nur wenige Millimeter vor dem Bild stehen, während sich die Luft hinter ihm mit einem leisen Knall wieder schloss.

„Mit einer Ausnahme.“ Atemlose Stille. „Handcreme sollten Sie benutzen, um rissige Haut zu vermeiden. Die stellt nämlich ein potenzielles Risiko dar.“ Genauso wie verwischte Schminke! Vor meinem geistigen Auge sah ich mich und meine Kolleginnen schon als Halbzombies durch die Gänge schwanken. Wirklich, das war nur ein sehr kleines Entgegenkommen! Vereinzelt sah man Tränen bleiche Wangen hinabrinnen.

Meine Sitznachbarin erklärte ihrer Umgebung mit Nachdruck, dass sie auf gar keinen Fall ihre Nagelfeile aus dem Labor verbannen werde. Einige nickten heftig. Die sei nämlich lebensnotwendig. Dagegen konnte der Tyrann da vorne sicher nichts einwenden, schließlich wollte er ja mit seiner Aufklärung für mehr Lebenssicherheit sorgen.

Sauber und ordentlich

Zum Schluss zeigte der Referent noch ein Foto von einem Laborplatz und fragte das Auditorium, was es an diesem Bild zu bemängeln gäbe. Zig Augenpaare musterten hektisch das Bild, das einen ganz gewöhnlichen Laborplatz zeigte. Keine Flasche weit und breit, keine Teetasse, keine Hamburger oder Bonbons. Noch nicht mal eine Kaugummipackung. Die Anwesenden nickten beifällig. Ein vorbildlicher Arbeiter war dort zugange, ganz eindeutig!

Die Gesichtsfarbe des Referenten wechselte sehr langsam aber doch sichtbar von resigniert-fahlgelb zu hochrot und er fragte noch einmal, ob denn dieser Platz so in Ordnung sei. Alle nickten, alle tappten im Dunkeln und in die Falle. Der Mann explodierte: Es lagen Pipetten herum, und nicht nur das – auch einige Röhrchen waren zu sehen. Die waren zwar beschriftet, aber das ging gar nicht! Der Dozent kannte kein Erbarmen mit seiner Beute. Nach einer extralangen Lektion in „Sauberkeit und Übersichtlichkeit eines Arbeitsplatzes“ wurden wir mit einem Kopfschütteln entlassen. Na denn, bis zum nächsten Jahr!



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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