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Den Chef im Nacken

Erlebnisse einer TA (13)

Annette Tietz


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Die TA

Können Chefs eigentlich Gedanken lesen? Haben sie Sensoren, die alle Schwingungen im Raum nebenan wahrnehmen? Oder warum kommen sie genau in dem Moment ins Labor, in dem man gerade dabei ist, die Probe über den Tisch zu schütten oder den Puffer mit dem destillierten Wasser zu verwechseln? Belegt man als angehender Arbeitsgruppenleiter einen Kurs: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – wie spüre ich, dass meine Angestellten gerade dabei sind einen Fehler zu machen? Manchmal könnte ich schwören, es befinden sich doch Kameras in den Laborräumen, die jeden kleinsten Fehler aufspüren und im Büro der Chefs eine kleine rote Warnleuchte angehen lassen, so dass in einem Display erscheint: „Mayday, mayday: Labor 255: Ihre TA macht gerade einen Fehler!!!“ Ich bin mir nicht ganz sicher, wie es funktioniert, aber irgendwie funktioniert es...

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Ich lief neulich ganz entspannt mit mei-nem Agarosegel in Richtung Kamera (also, die für die Gele!). „Ist ja nur eine Typisierungs-PCR“, dachte ich, „kein Grund zur Sorge“. Als ich das UV-Licht anknipste, machte ich mir immer noch keine Gedanken: überall schöne Banden, Marker schön gerade gelaufen, alles prima. „Hast Du auch eine Wasserkontrolle?“. Mein Chef stand hinter mir. Immerhin: Er stand das erste Mal hinter mir, als ich ein Foto meines Gels machte… „Klar hab ich eine Wasserkontrolle.“ Ich deutete auf die letzte Spur meines Gels. Aber wieso ist da eine Bande? Da war noch fast nie eine. Wie kommt die denn dahin? Und warum steht ausgerechnet heute mein Chef hinter mir?

Wo kommt die Bande her?

Wahrscheinlich aus dem selben Grund, aus dem er heute genau in dem Moment das Labor betrat, als mir eine komplette Schachtel mit Eppis (keine blue-caps!) aus der Hand rutschte und sich 81 Eppis über den Boden verteilten. Normalerweise räumt man so was schnell auf, sagt kein Wort und tut so, als wäre nix passiert – aber nein, heute sollte es nicht so sein. Ich rutschte über den Laborboden, sammelte alle Eppis wieder ein, sortierte sie dem Namen nach wieder in die Box. „Alles ok?“, fragte mein Chef. Klar, kein Problem, dachte ich, als ich im Augenwinkel Rauch aufsteigen sah. Was war das denn? Das gleiche dachte wohl auch mein Chef, er hob eine Glasflasche mit einem von mir angesetzten Puffer hoch und fragte, ob ich absichtlich den Magnetrührer auf 80 °C gestellt hätte? Und der Moment war gekommen, an dem ich mich am liebsten weggebeamt hätte...

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Wie glaubwürdig erklären?

Vielleicht kommen Chefs auch wirklich immer dann zufällig ins Labor, wenn man mal am Computer sitzt und E-Mails abfragt – das eine Mal am Tag. „Murphy“ schlägt schon auffällig oft zu... Oder es gibt einen physikalischen Impuls, der dem Chef signalisiert, dass man gerade dabei ist die Tür des Inkubators aufzumachen? Denn kaum hat man die Zellkulturschalen in der Hand, steht der Chef schon daneben und fragt, wie es den Zellen geht und ob sie auch nicht zu dicht wachsen, da ihnen das nicht gut tun würde. Tun meine Zellen aber nicht, ich splitte sie ja regelmäßig und sie wachsen immer gleichmäßig dicht. Nur heute nicht. Klar. Wie soll man dann glaubwürdig erklären, dass sie das heute ausnahmsweise nicht tun. Meistens spart man sich jegliche Diskussion und versichert, dass man alles in Ordnung bringt. Die Chefs reagieren ja glücklicherweise immer nett, so dass sich das schlechte Gewissen in Grenzen hält.

Chefs finden übrigens auch immer genau DAS Experiment, das man bei der Erstellung der Graphik übersehen hat. Hatten wir nicht mal vor zwei Jahren das Ganze für die Tag 8-Analyse gemacht? Stimmt, hatten wir, aber ALLE anderen Experimente waren aufgeführt, ALLE!!! Verfügen Chefs vielleicht über einen siebten Sinn?

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Den würde ich mir auch gerne zulegen. Und so eine rote Warnleuchte hätte ich auch gerne an meinem Platz. Die müsste immer dann angehen, wenn der Chef sich in der Nähe des Labors befindet, damit man noch Zeit hat, das Chaos auf dem Arbeitsplatz zu beseitigen, eventuell unbeschrifteten Eppis einen Namen zu geben und einen Gesichtsausdruck aufzusetzen, der vermitteln soll, dass man alles unter Kontrolle hat. Sollte mir diese Erfindung gelingen, ich werde sie gerne weitergeben, versprochen!



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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