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Wahre Frühaufsteher

Erlebnisse einer TA (2)

Annette Tietz


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Die TA

Mein Wecker klingelt. Sobald dann auch mein Gehirn mit mir Kontakt aufgenommen hat, überlege ich mir, was ich heute im Labor als Erstes mache. In Gedanken gehe ich den Versuch durch und plane, in welcher Inkubationspause ich die Zellen splitte, die Bestellungen faxe und wann ich wohl am Gerät sitzen werde, um meine Auswertungen zu machen.

Es ist gerade mal 6.30 Uhr. Nicht, dass ich begeisterter Frühaufsteher bin, nein, aber ich will um 8.00 Uhr im Labor sein. Aber auch nur deswegen, weil ich zu einer humanen Zeit eben genau dieses abends wieder verlassen will, um meine Freizeit zu genießen. Entgegen weitläufiger Meinung einiger Doktoranden existiert leider kein „Frühaufsteher-Gen“, welches direkt gekoppelt zu sein scheint mit dem „MTA-Gen“. Zumindest bei mir nicht. Es könnte höchstens sein, dass der Promotor nicht wirklich in Gang kommt.

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Gibts schon Kaffee?

Wenn ich um 8.00 Uhr die Abteilung betrete, wirbeln mir die Sekretärin und die Putzfrau entgegen, die beide irgendwie über einen funktionierenden Promotor zu verfügen scheinen. Ansonsten ist im Labor alles, was mehr oder weniger an Leben erinnert, die PCR-Maschine, die mir ganz aufgeregt „4°C for ever“ entgegenblinkt. Ab und zu begegnet mir tatsächlich der ein oder andere Doktorand/Postdoc, dessen innere Uhr an diesem Tag etwas anders tickt als sonst.

In der Regel schmettern mir meine Kollegen ihr „Guten Morgen!“ genau dann entgegen, wenn mein Magen mich darauf aufmerksam macht, dass es so langsam auf die Kaffeepause zugeht. Ein Kollege meinte neulich: „Dass du immer so früh da bist – ich könnte das nicht.“ Da war sie wieder: die Anspielung auf das Frühaufsteher-Gen! Müde trottelte er weiter Richtung Kaffeeraum, in der Hoffnung, jemand – der schon früh da war – hat die Kaffeemaschine in Gang gesetzt.

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Unter dem Sorter rausgewischt

Ich frage mich manchmal, ob es irgendwo auf der Welt ein Labor gibt, in dem keine Kaffeemaschine existiert. Und wenn ja, wie überleben die Wissenschaftler ohne Koffein? Der Tagesrhythmus eines Wissenschaftlers scheint ohnehin irgendwie in die Abendstunden verschoben zu sein. Und leider fällt den Geräten wohl genau dann ein, dass sie jetzt erst mal gar nicht mehr funktionieren wollen, wo sie es doch schon den ganzen Tag anstandslos getan haben. Und so passiert es nicht selten, dass die Putzfrauen den einen oder anderen Wissenschaftler aus Versehen morgens unter dem Sorter rauswischen...

Neulich begab sich um 8.30 Uhr morgens folgendes: Ein Lieferbote kommt mit einem Päckchen in der Hand ins Labor. Im Gegensatz zu ihm schaue ich erfreut auf, schließlich treffe ich so früh selten jemanden an. Ungläubig starrt er mich an. Ich habe den Eindruck, als hätte er in einem wissenschaftlichen Labor nicht mit humanem Leben gerechnet. Ich blicke in seinen verwirrten Gesichtsausdruck und frage, ob ich ihm helfen kann. „Ja, vielleicht. Ich habe eine Lieferung für Ihr Nachbarlabor, aber da ist keiner da. Wahrscheinlich Betriebsausflug, oder so.“ Ich überlege, wie ich ihm die Situation erklären soll… wahrscheinlich ist er neu im Geschäft, sodass ich ihm nicht verübeln kann, wenn er geschockt feststellt, um halb neun fast niemanden im Labor anzutreffen. Ich nehme das Päckchen an und überlege, was er wohl denkt, wenn er nächste Woche wieder kommt. Kollektiver Laborurlaub?

Verwirrter Lieferbote

Am frühen Nachmittag schneit die Vertre-terin einer Biotech-Firma ins Labor und versucht uns mit tollen Angeboten zu überzeugen. Als ich mir gerade überlege, dass das ein echt guter Preis ist, setzt sie noch eins drauf. „Und ab Montag gibt es sogar den Frühaufsteherrabatt!“ Erstaunt sehe ich sie an. Da hat doch tatsächlich jemand bemerkt, dass es Leute gibt, die schon früh im Labor sind. Ich grinse in mich hinein, bis ich den Angebots-Flyer zu eben erwähntem Rabatt in der Hand halte. Ich lese ihn zweimal, um sicher zu gehen, dass ich mich nicht täusche. Da steht: unsere Aktion können Sie zwischen 6.30 Uhr und 10.30 Uhr nutzen. 10.30 Uhr?! Der Vertreterin scheint mein verwirrter Blick nicht entgangen zu sein. Lächelnd meint sie: „Ja, ja, ich weiß, 10.30 Uhr ist nicht gerade früh, aber schließlich sind wir hier ja in der Wissenschaft...“



Letzte Änderungen: 01.08.2018


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