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Korallen

von Juliet Merz (Laborjournal-Ausgabe 1-2, 2021)


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(08.02.2021) An der Basis 1,5 Kilometer breit und 500 Meter hoch – damit ist das im Oktober neu entdeckte Korallenriff an der australischen Nordost-Küste höher als das Empire State Building, der Eiffelturm oder der Berliner Fernsehturm. Forscher um den Geologen Robin Beaman von der James-Cook-Universität in Cairns (Australien) hatten das massive, freistehende Korallenriff nördlich des Great Barrier Reefs während einer Unterwasserkartierung aufgespürt.

Fünf Tage später schickten Beaman und Co. den Unterwasserroboter SuBastian vom Schmidt Ocean Institute (einer privaten gemeinnützigen Stiftung) auf Tauchgang, um das brandneue Riff zu erkunden. Die knapp siebenstündige Entdeckungstour, bei der die Forscher Sediment, Pflanzen und Korallen einsammelten, wurde live ins Internet gestreamt (unter „ROV Dive 401“ auf Youtube zu sehen). Das Riff gehört in der Region zu sieben weiteren freistehenden Korallenriffen.

Ein Jahr voller Entdeckungen

„Wir sind überrascht und begeistert von dem, was wir gefunden haben“, kann Expeditionsleiter Beaman sein Glück kaum fassen. Denn seit über 120 Jahren wurde kein Riff dieser Größenordnung mehr gefunden.

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Zumindest für das Schmidt Ocean Institute scheint 2020 ein Glücksjahr gewesen zu sein. Neben dem spektakulären Fund hatte sich die Stiftung im Februar an einer Expedition beteiligt, bei der ein Forscherteam der University of Western Australia auf Tiefseekorallen-Gärten und -Friedhöfe gestoßen war, die in den Schluchten im australischen Bremer Canyon Marine Park bislang verborgen geblieben waren.

Korallenriffe bieten aber nicht nur vielen Tieren ein Zuhause, sie schützen auch Küsten vor Sturmwellen. Paläoumweltnaturwissenschaftler von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg und der Universität Bayreuth haben herausgefunden, wie die oft fragilen Korallen ein dermaßen stabiles Riff bilden können (Sci. Rep. 10: 17748). Dafür nahm das dreiköpfige Forscherteam um Sebastian Teichert einen schon seit Längerem unter Verdacht stehenden Organismus unter die Lupe: die Rotalge. Sie analysierten dafür über 700 fossile Einzelriffe aus 150 Millionen Jahren Erdgeschichte und bestätigten die Vermutung. „Die corallinen Rotalgen bilden ein Kalkskelett und verkitten die Korallenriffe wie Zement“, beschreibt Teichert die Befunde in der dazugehörigen Pressemitteilung.

Obwohl die corallinen Rotalgen wichtig sind für die Stabilität von Korallenriffen, konnten sie diese Aufgabe nicht permanent ausführen. In den vergangenen Millionen Jahren betraten nämlich immer wieder neue Pflanzenfressergruppen die Bühne (zum Beispiel Seeigel oder Papageifische) und machten den Rotalgen das Leben schwer. Glücklicherweise wussten sich Letztere zu helfen, indem sie Abwehrmechanismen entwickelten wie etwa besondere Wuchsformen. „Die Algen haben sich so gut angepasst, dass sie mittlerweile sogar von den Pflanzenfressern profitieren“, so Teichert.

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Doch der Klimawandel bedroht die artenreichen Riffe weltweit. Prasseln zu viele Stressfaktoren auf die sesshaften Nesseltiere ein, bleichen sie aus – ein Prozess, bei dem die Korallen ihren Algenpartner rauswerfen und der vor der anthropogenen Klimaerwärmung relativ selten war.

Die Zukunftsaussichten sehen düster aus. Ein Forscherteam um den australischen Ökologen Terry Hughes von der James-Cook-Universität analysierte Bleichaufzeichnungen von 100 auf der ganzen Welt verteilten Riffen, die zwischen den Jahren 1980 und 2016 aufgenommen wurden (Science 359: 80-3). Hughes et al. entnahmen den Datensätzen, dass sich der Zeitraum zwischen schweren Bleichereignissen im Laufe der Jahre stetig verkürzte. Während Korallenriffe in den frühen 1980er-Jahren noch 27 Jahre Zeit hatten, sich von einer Bleiche bis zur nächsten zu erholen, waren es 2016 nur noch 5,9 Jahre – Tendenz sinkend. Diese kurzen Zeitfenster verhindern, dass sich die Korallen von solchen stressigen Situationen wieder vollständig erholen können, schreiben die Autoren.

Doch ein Fünkchen Hoffnung bleibt: Die Meeresökologin Anna Köster von der Universität Bremen hatte in Zusammenarbeit mit der Seychelles Islands Foundation die Riffe rund um das Aldabra-Atoll im westlichen Indischen Ozean untersucht, das in den vergangenen knapp zwanzig Jahren mit zwei großen Bleichereignissen gekämpft hatte. Infolge der letzten Korallenbleiche von 2015/2016 starben zwei Drittel der im Aldabra-Atoll liegenden Korallen ab. Besonders hart traf es dabei die Weichkorallen, sie verschwanden fast komplett.

Köster und Co. machten jedoch eine erfreuliche Entdeckung: Das Aldabra-Korallenriff hatte sich bis 2019, also innerhalb von vier Jahren, erstaunlich schnell erholt. Besonders die Korallen in der vor der Meeresstömung geschützten Lagune erreichten nahezu das Niveau vor der Bleiche. Die Korallen in tieferen Regionen erholten sich allerdings nur schleppend.

Bitte nicht stören

Die dokumentierte Genesungsgeschwindigkeit gehört dennoch zu den schnellsten, die Wissenschaftler jemals beobachtet hatten. Die Gründe dafür schätzt Köster in der Pressemitteilung der Uni Bremen wie folgt ein: „[Rund um das Aldabra-Atoll] spielen menschengemachte lokale Faktoren wie der Eintrag von Nährstoffen, die Meeresverschmutzung und die Überfischung so gut wie keine Rolle.“ Das Aldabra-Meeresökosystem wurde in den frühen 1980er-Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und von den Seychellen als Sonderreservat ausgewiesen. Seit fast vierzig Jahren ist die kommerzielle Fischerei verboten, Aldabra ist nahezu unbewohnt.

Dennoch betonen Köster et al., wie wichtig es ist, die Ursache des Problems zu bekämpfen: die Erwärmung der Ozeane. Zwar hilft die Reduktion menschengemachter Stressoren bei der Erholung der Korallenriffe. Damit es aber gar nicht erst zu einer Bleiche kommt, müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen sinken. Denn Korallenriffe können sich zwar in vollkommener Abgeschiedenheit schneller erholen als gedacht, eine gewisse Zeitspanne brauchen sie dafür dennoch – und diese sollte sich nicht weiter verkürzen.



Letzte Änderungen: 08.02.2021

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